Mama Rosin, die Senkrechtstarter
Text: Sermeter
Bild:
ckphoto.ch
Mama Rosin ist das, was man gemeinhin als „schnelle Band“ bezeichnen könnte. Nur eine Woche, nachdem Robin (guitar, vocals, banjo) und Cyril (melodeon, vocals, guitar) Drummerin Power Van's getroffen hatten, wurde auch schon das Debut „Tu As Perdu Ton Chemin“ eingespielt. Voodoo-Rhythm-Chef Reverend Beat-Man liess sich sofort für das Schaffen der Genfer begeistern und versprach, sie unter Vertrag zu nehmen. Ein Jahr später wurde die erwähnte Platte veröffentlicht, und was darauf folgte, war ein regelrechter Senkrechtstart. Alleine im vergangenen Jahr haben Mama Rosin über 120 Konzerte auf der ganzen Welt gegeben. „Wir sind etwas müde“, sagt Robin augenzwinkernd. Als ich frage, ob es ihr Ziel gewesen sei, gleich so heftig ins Geschäft einzusteigen, verneint Cyril. Sie hätten 2007 diese Welt erst entdecken müssen. Anfangs sei die Band die Sache ziemlich zurückhaltend angegangen und froh gewesen, um die Tipps und Ratschläge anderer. Erst mit dem Album im Rücken sei es dann so richtig los gegangen.
Die Frage nach einem Namen für die Musik, welche sie spielen, können Mama Rosin nicht beantworten. Jedes Mal, wenn sie in einen Club kämen, würden sie einen neuen lesen, erzählt Cyril. „Der beste war ‚New Orleans Traditional Folk’“, ergänzt Robin lachend. Tatsächlich kreieren die drei einen viel zu speziellen Mix aus traditioneller Amerikanischer Volksmusik (Cajun, Zydeco), Rock’n’Roll und französischen Texten, als dass man diesen eindeutig benennen könnte. Aufgewachsen seien sie mit den Rock-LPs ihrer Eltern, so dass sie sich dann auch erst einmal dieser Musik gewidmet hätten. Dann begannen sie sich aber auch für akustische (Volks-)Musik zu interessieren. „Während dieser Zeit kamen wir mit verschiedenen traditionellen Formen der Musik in Kontakt“, meint Robin. Mama Rosins Musik ist also wohl einfach die logische Konsequenz daraus.
Der Auftritt von Mama Rosin am späten Freitag Abend am B-Sides Festival auf dem Krienser Sonneberg bestätigte meine Eindrücke aus dem Interview. Als wären sie ausgebuffte Profis, präsentieren die beiden Jungs und das Mädel ihr Set. Nicht nur ich empfand die auf dem Papier doch ziemlich exotisch anmutende Stilmischung sofort als völlig natürlich. Es wunderte niemanden, dass die Menge im mehr als gut gefüllten Zelt vom ersten Song an in Bewegung war und dies auch bis zum Schluss blieb.
Die Zukunft Mama Rosins sieht aus, wie sie für eine solche Band einfach aussehen muss. Wohl genau zum richtigen Zeitpunkt ist vor knapp drei Monaten das zweite Album „Brûle Lentement“ erschienen, so dass der Aufwind erst gar nicht abreissen konnte. „Wir würden gerne etwas weniger Konzerte geben“, sagt Cyril, ohne es wirklich ernst zu meinen. Robin entgegnet, sie kämen schon jetzt nicht dazu, alle ihre Ideen umzusetzen. Es werde also kaum möglich sein, weniger zu spielen. Wahrscheinlich steht in diesem Jahr, neben allen anderen Konzerten, auch noch eine spezielle Südamerika-Tour auf den Spuren Beat-Mans an. Sicher sei noch nichts, aber man arbeite daran. Darüber hinaus soll im Herbst ein weiteres Album erscheinen.