March15 - Keep it Low (Ahoj Records)
8.8.2011; Text: Monthy, Bild: Cover
Es gibt Songwriter, die ihre Werke angehen, wie ein Tuning-Freak sein Lieblings-Auto. Verchromte Felgen, massiv Power unter die Haube und ein richtiger Heckspoiler darf auch nicht fehlen... Felix Klaus alias March15 gehört ganz eindeutig nicht dazu. Sein aktuelles Werk, das ich dummerweise bereits im Januar als die vier Song starke EP fürs Radio erschien äusserst treffend kritisiert hatte, ist eher ein Kontrastprogramm in dieser "Pimp my Ride"-Welt, in der ein übersteigertes Selbstvertrauen Grundvoraussetzung ist, wenn man noch irgendwie aus der Masse heraus stechen will. March15's Konzept überzeugt mit authentischen Spuren und einem gespürigen Mix von Sounds unterschiedlichster Herkunft, die sich zu einem neuen Ganzen zusammen fügen. Da wäre beispielsweise die Gitarre. Oft im Rythm'n'Blues-Kleidchen und dann so authentisch als wäre man irgendwo zwischen Memphis und dem Mississippi-Delta unterwegs. Handkehrum mit einem unschuldig-freiheitlichen Klang, der irgendwann anfangs der 70er Jahre verloren gegangen ist. Wenn Bläser oder das Piano eingesetzt werden, kommt der Jazz mit hinein. Und über all dem tingelt eine Stimme, die - im Unterschied zur bluesigen Gitarre - schwer nach England tönt. Die Diskrepanz zwischen den beiden Hauptkomponenten Stimme und Gitarre will mich immer wieder irritieren - was im Endeffekt aber genau die Faszination von "Keep it Low" ausmacht. Mittlerer Westen trifft die alte Welt, die in Sachen Rockmusik allerdings die deutlich innovativere ist. Wenn man Felix Klaus, der die elf Songs mit Hilfe von befreundeten Musikern aus der Szene aufgenommen hat, überhaupt einen Vorwurf machen kann, dann den, dass er sich offensichtlich nirgendwo in ein Genre zwängen lässt. Er ist eben ein typisch glitschiger Fisch, wie der Bandname in Form des Geburtsdatums von Klaus verrät. "Keep it Low" bricht die Hörgewohnheiten auf - tut aber der Eingängigkeit der meist ziemlich gechillten Songs keinen Abbruch. Klaus' Konzept erlaubt schlussendlich ein neues Hören, das seine Kraft aus der Qualität der einzelnen Spuren bezieht und wie ein neues Rezept Komponenten miteinander verbindet, von denen man geglaubt hatte, sie würden nicht wirklich passen.