Fertig Mundartpower - die Troubadours sagen Adieu
Text/Bilder: Monthy
Das Jahr hat kaum begonnen, da hören die ersten bereits wieder auf. Drängt sich doch die simple Frage auf warum? Tom Lee Maurer verweist auf die Charaktere in der Band und meint trocken: "Wir sind halt ein bisschen komisch. Wir haben viermal den Namen geändert und jetzt hören wir auf, damit wir später wieder anfangen können..." Die Wahrheit schiebt er dann aber doch noch nach: "Wie man das von Musikern halt so kennt, will nach einer gewissen Zeit jeder sein eigenes Ding machen. Deshalb trennen sich unsere Wege für den Moment. Wir waren drei Jahre zusammen und haben es sehr genossen. Jetzt ist wieder mal Zeit für neue Inputs. Mal sehen was dabei herausschaut..."
Und weil es nun getrennt weitergeht, passe ich meine Interviewform spontan an. Reihum frage ich die Troubadours, was denn nun individuel auf jeden einzelnen zukomme? Res Wüthrich wird erstmal etwas verschnaufen und sich neu konzipieren: "Ich sehe noch nicht ganz klar. Da ich auch über ein eigenes Repertoire von Mundartsongs verfüge, könnte es in diese Richtung gehen. Es steht aber noch in den Sternen, ob ich das überhaupt will. Das andere, was mich immer reizt, ist die Stille, die Spiritualität. Ich will auf persönlicher Ebene voran kommen. Zur vergangenen Zeit möchte ich einfach noch sagen, dass ich sehr viel gelernt habe. Einfach so vor die Leute hinzustehen und unser Ding durchzuziehen, hat mir persönlich sehr viel gebracht."
Auch Tom "Lee" Maurer beabsichtigt ohne konkreten Plan, eigene Musik zu machen: "Ich werde sicher irgendwann mit der Musik, die ich bis hierhin geschrieben habe und einer Band wieder auftreten. Auch eine CD schwebt mir vor, allerdings kann ich noch nicht sagen wann. Aber es ist jedenfalls in Planung. Alleine werde ich auch in Zukunft nicht sein. Wir werden uns sicher auch in Zukunft gegenseitig unterstützen. Vom Namen her solls dann aber schon ein eigenes Ding sein." Roland Ruchti, dem Mann in der Mitte des Trios, sagt man nach, er stehe nicht von ungefähr ganau dort. Bei ihm sieht es schon etwas konkreter aus: "Angefangen mit der Musik habe ich 1996 - und in diesen dreizehn Jahren habe ich auch immer mal etwas aufgenommen. Damit erstelle ich nun ein Album von etwa 15 Songs - Role Ruchti 1996 - 2009 oder so... Zudem arbeite ich bereits wieder an eigenen Songs für ein weiteres Album."
Auch wenn's mit dieser Band - unter anderem ehemals Mundartpower.ch genannt - nun zu Ende geht, so werden die Troubadouren hoffentlich ihrem Stil auch in Zukunft treu bleiben - wenn auch getrennt? Res: "Ja, ich glaube schon, dass ich falls auf der akustischen Linie weitermache." Warum mir das wichtig ist? Weil das Troubadourentum urbernisches Kulturgut ist und weil ich diese "nackte" Art des Musizierens ganz einfach mag. Kein Drum, keine Elektronik - einfach nur zwei Klangkörper - beide schon mit etwas Bauch ;-) - die miteinander schwingen. Tom zum Flair des Ganzen: "Für mich ist das emotional immer so was wie ein Bungee-Sprung von der Verzasca Staumauer. Du spürst die Energie der Leute in einer ganz speziellen Art. Ich liebe es ganz einfach und es stellt eine Herausforderung dar." Wegen des breiten Repertoires - vom Lumpeliedli bis zum akustisierten Chart-Hit - kommt man auch viel besser an die Leute heran. Role relativiert: "Na ja, eigentlich gibt es keinen Unterschied zu anderer Musik. Entweder sie lieben dich oder eben nicht. So einfach funktioniert Musik."
Zum Abschied präsentierten die Troubadours natürlich auch Gäste, genauer zwei. Zuerst den jungen Lucky Wüthrich, der die Tradition weiter hochhalten soll. Tom: "Wir waren bei den ersten, die diese Musik angenommen haben und sie auch eine Zeitlang durchziehen konnten. Lucky hat bei uns mit ein paar Griffen angefangen und sich das meiste einfach abgeschaut. Wenn er jetzt das quasi übernimmt und in Zukunft vielleicht auch mit einzelnen von uns auftritt, dann ist das natürlich sehr schön für ihn - aber genauso für uns." Die Verbindung zum älteren Gast datiert - fast logischerweise - auch von früher. Tom führt aus: "Roberto Brigante spielte bei unserem ersten Konzert in Hünibach oder Hilterfingen im gleichen Lokal. So haben wir ihn kennengelernt..." und deshalb war er auch gesetzt, um mit den Troubadouren das letzte Konzert zu spielen.
Da wir uns in einer musikalischen Pause kurz zusammengesetzt hatten, will ich natürlich noch wissen, wie der Abend nun zum Ausklingen gebracht werden soll? Tom: "Wir machen jetzt noch ein Set und dann schauen wir mal, was die Leute wollen." Denn so haben die Troubadours schon immer funktioniert. Res: "Wir waren selten bis nie mit einer Setliste ausgerüstet. Wir haben immer frei gespielt. Auf mich bezogen kann ich dazu sagen, dass es oft cool war, manchmal aber auch nicht. Wann und ob Pausen sind, war bei uns öfter unklar. Heute Abend gibt's natürlich kein Halten mehr." oder in schönem Berndeutsch: "Hüt lö mirs nomau la tschädärä...!" Ein letztes Mal - jedenfalls vorläufig...