Musicstar IV – 4. Sendung: Gioia ist raus
Text: Ko:L
Bilder:
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Die Überraschung war gross, als kurz vor Ende der vier vierten Sendung der vierten Musicstar-Staffel klar war: Kücken Gioia, von vielen als Mitfavoritin für den Sieg gehandelt, und Mädchenschwarm Leo hatten am wenigsten Stimmen erhalten. Nachvollziehbar, dass sechs der sieben, die ein Friendship-Ticket vergeben konnten, Leo zurücholen wollten. „Gioia wird ihren Weg sowieso machen“, war der einhellige Tenor. Ebenfalls nachvollziehbar, dass Rocker Gölä bei der Bekanntgabe des Entscheids entnervt den Jury-Sessel verliess. Gioia mit ihrer rauchig-souligen Stimme liegt bekanntermassen näher an der Wellenlänge des Büezers, als R’n’B-Schnüggel Leo.
Dabei war es ausgerechnet Gölä selber, der nach Leos Auftritt – schon fast in prophetischer Weitsicht – an die Adresse aller Kandidaten sagte: „Ihr müsst euch alle mehr in den Arsch klemmen!“ Tatsächlich waren die Auftritte mit Ausnahme von Raquels stimmgewaltigen und emotionsgeladenen Interpretation der Hammerballade „Unbreak my heart“ und Michus griffiger Rock-Version von „Billy Jean“ am Sonntag Abend vielfach kaum mehr wert, als biederer Durchschnitt. Michael L.’s „Paradise City“ wirkte wie eine Skihütten-Halligalli-Version und war ähnlich kraftlos, Roman Kilchsperger bezeichnete Leos Version von „Maria, Maria“ als „dünn“ und Katharina verlor sich mit Pinks „Family portrait“ derart in ihrem eigenen Schicksal – sie hat vor wenigen Wochen ihren Vater verloren – so sehr in ihren Emotionen, dass der Auftritt nur ein laues Lüftchen der aufgestellten und kraftvollen Sängerin war, die die Brienzerin noch in den vorangehenden Sendungen gegeben hatte. Positive Überraschung des Abends: Florina, die mit „You can’t hurry love“ eine fröhliche und aufgestellte Perfomance servierte und sich sogar zu einem herzlichen Lächlen hinreissen liess…
Noëlla, eine Woche zuvor noch auf der Kante des Ausscheidens mochte sich denn am Sonntag unmittelbar nach der Sendung gar nicht richtig darüber freuen, dass sie mit James Browns „Sex Machine“ das Publikum derart überzeugt hatte, dass sie eben nicht noch einmal um ihr Weiterkommen zittern musste. „Ich werde mich bestimmt morgen freuen – und die dann die ganze Woche auf nächsten Sonntag“, sagte sie. Ganz ähnlich – auf einer Achterbahnfahrt der Gefühle – erging es Raquel. Sie erhielt von Jury als erste überhaupt drei mal die Note 10 plus eine Standing Ovation für ihren Auftritt, eine Grussbotschaft ihrer Eltern aus Spanien – und am Schluss den Auftrag, mit den anderen jemanden nach Hause zu schicken: „Daran wird man sich nie gewöhnen“, sagte sie nach der Show. Gleichzeitig blickt aber auch sie schon wieder auf die kommende Sendung – im Wissen darum, dass es schwierig wird, einen noch überzeugenderen Auftritt auf die Bretter des Theater 11 zu legen. „Das wird sicher nicht einfach – aber ich habe bereits ein paar Ideen. Mal sehen, was ich erwische…“
Der Lysser Michu hatte die Sendung eröffnet – und trotz eines Songs aus der Soul-Kiste weiter wacker an seinem Rocker-Image gewerkelt. „Ich hatte keinen Plan, welchen Song der übrigbleibenden ich nehmen sollte und entschied mich deshalb für die Sparte ‚Rn’B-Soul’. Und vor allem das alte Zeug von Jackson finde auch ich mega.“ So rockte der Seeländer mit „Billy Jean“ den Saal - und durfte sogar seine Gitarre selber spielen. Auch die Berner Oberländerin Käthle meinte nach der Show. „Auch wenn ich kein Fan von Frienship-Tickets und so Sachen bin: Es gehört dazu und ich freue mich riesig, darf ich noch eine Woche weiter dabei sein!“ Und dann kündete sie auch gleich an, was von ihr noch kommen könnte: „Ich weiss, dass ich auch mal die Sau rauslassen kann und sollte!“
Eigentlicher Star des Abends waren für einmal aber weder die Kandidaten noch die Jury, sondern Chartstürmer Bligg. Am Donnerstag mit seinem ersten Swiss Music Award geadelt präsentierte er in der Sendung „Rosalie“ und „Volksmusigg“ ab seinem Doppelplatin-Album „0816“. – „Als ich angefangen habe, Musik zu machen, gab es keine Formate wie Musicstar“, sagte er nach seinem Auftritt. „Ich finde solche Sachen, auch die unzähligen Web-Plattformen oder den SMA, sehr schön. Unabhängig ob man das Konzept gut findet oder nicht hilft das, der Musikszene das nötige Selbstbewusstsein, um weiter Kreatives entstehen zu lassen.“ Dass mit dem ersten Echo für einen Schweizer Künstler überhaupt, den Stefanie Heinzmann am Samstag abgezügelt hatte, noch ein weiterer Meilenstein gesetzt wurde, steigere das Bewusstsein für die Szene nur noch zusätzlich. „Stefanie ist eine gute Freundin von mir und ich mag ihr das extrem gönnen!“ Wir auch!