George gibt es nicht!
Text: Sandy
Bilder:
musicbild.li
Wer sich für die Band „My Name Is George“ interessiert, stellt sich sicher sofort die Frage: „Wer ist George?“ Kein Musiker heisst so, auch der Produzent nicht, und bei unserem Treffen in Gampel ist auch kein Hund oder Glücksbringer dabei, der so genennt wird. Mit einem suchenden Blick stelle ich dem Frontmann Albert den Dekker die Frage, wo George sei. Seine Antwort nimmt mir auch die letzte Hoffnung: „Den George gibt es ja gar nicht!“ Er bemerkt meine Enttäuschung und erklärt lachend: „George ist die ganze Band.“ Gerne würde Albert eine schöne Geschichte zu ihrer Namensgebung erzählen, aber es gebe schlichtweg keine. „Wir heissen einfach ‚My Name Is George’ und es gibt keinen Grund dafür“, sagt er. Auch mit George Harrison habe es nichts zu tun, obwohl zufälligerweise ihr Gitarrist Philip, Harrison mit Nachname heisst. Und auch George Bush habe keinen Einfluss genommen. „Es ist einfach ein Name und man braucht einen Namen. Ich finde ihn lustig und die anderen auch“, erklärt Albert in seinem Deutsch mit dem herzlichen Holländer-Akzent.
Im Frühling 2006 ist die erste CD von „My Name Is George“ erschienen. Mit dieser Scheibe haben die Jungs aus Winterthur ziemlich Furore gemacht. Sie wurden auf DRS 3 zum Swisstop-Winner 2006 erkoren und standen wohl auf jeder möglichen Konzertbühne. Ihr Hit „Supermarket“ lief auf den Radiosender auf und ab. Wer hat den Refrain „I wonna know, what is life“ nicht auch schon mitgesungen? Im Booklet zur CD mit dem viel versprechenden Namen „Wow!“ findet man farbige Zeichnungen, die Menschen darstellen. Einige fliegen im Badeanzug durch den Himmel, ein Afrikaner spielt Gitarre und ein nacktes Paar ist auch zu sehen. Nur die Songtexte findet man nirgends. „Ich singe recht deutlich, eigentlich versteht man die Worte beim Zuhören“, sagt Albert. Er habe keine Botschaften in seinen Texten und möchte einfach darüber singen, was so passiert oder was er erlebe. „Die meisten Texte schreibe ich eher unbewusst“, erzählt Albert. Er zeichne auf, was in ihm vorgehe und denke nicht viel darüber nach. Sie müssen einfach gut tönen. „Manchmal entdecke ich erst später, um was es bei einem Text wirklich geht“, verrät er weiter. Nicht nur der Bandname ist ungewöhnlich, sondern auch der CD-Titel mit dem schlichten Wort „Wow!“ Dieser Begeisterungsruf sei für die Band eher der Aufschrei gewesen: „Wow, die CD ist endlich fertig.“ Albert hofft aber, dass es für die Zuhörer doch die treffende Kurzbeschreibung zur Qualität des Albums sei.
Aus dem Sound von „My Name Is George“ hört man den Beat der 60er Jahre heraus, manchmal vermischt mit modernen Synti-Einsätzen. Albert sagt zu ihrem Musikstil: „Ich habe eigentlich keine Ahnung, was es ist und kann es nicht beschreiben. Wir machen einfach Rock.“ Das 60er-Jahr-Label werde ihnen jedoch oft aufgeklebt. Sie seien sicher beeinflusst durch diese Zeit, aber nicht nur davon, sondern auch von anderen Epochen. „Wir hören soviel verschiedene Musik, dadurch gibt es sehr viele Einflüsse. Wir sind auch sehr unterschiedliche Persönlichkeiten.“ Philip Harrison an der Gitarre, Bassist Stefan Traxler und der Tastenmann Daniel Gisler haben schon vor „My Name Is George“ zusammen musiziert. Die heutige Zusammensetzung wird mit Schlagzeuger Matthias Kräutli und eben Albert vervollständigt. Wobei Matthias den ursprünglichen Drummer ersetzt habe, der sei nämlich jetzt an der Dimitri-Schule und beschäftige sich mit einer anderen Art von Kunst.
Ziemlich mutig bejaht Albert die Frage, ob „My Name Is George“ mit ihrem Erfolg gerechnet haben. Die Band geht jetzt in eine Tourpause und will diesen Herbst/Winter die zweite CD aufnehmen. Die neue Scheibe werde im April oder Mai 2008 veröffentlicht. Dazu möchte Albert nicht viel verraten. „Wir sind jetzt mitten in einem Prozess, schreiben neue Songs und hoffen uns musikalisch ein bisschen weiterentwickeln zu können“, erzählt er. Und weiter gesteht der Frontmann: „Ich weiss noch nicht, wo es hinführt.“ Fünfzehn bis zwanzig Songs seien geschrieben. Die Übersicht sei aber noch nicht da, um feststellen zu können, ob die CD wild oder melancholisch werde. „Ich hoffe einfach, dass wir so weiterkommen, dass die Zuhörer sagen: ‚Ja die Band ist gewachsen und besser geworden’. In welchem Sinn auch immer“, erzählt Albert - der Frontmann von „My Name Is George“, der eben nicht George heisst.