Natacha - Auf ein Wort
"Ich habe von Anfang an immer die Musik gemacht, die ich wollte. Aber jetzt habe ich durch meinen Erfolg natürlich Möglichkeiten, wirklich genau das zu machen, was ich will, mit genau den Leuten, mit denen ich gerne zusammenarbeite und das ist für mich etwas ganz, ganz wichtiges. Ich finde, das ist ein riesen Luxus!" Die Texte von Natachas Lieder sind tiefsinnig, feinfühlig und aus dem Leben gegriffen. "Der grösste Teil sind Sachen, die man selbst lebt, aber auch Gespräche mit Freundinnen oder ich höre sehr gerne anderen Gesprächen zu. Es ist ein Mix von eigenem erlebten und dem, was ich so mitkriege. Und wenn man ein bisschen mit offenem Herzen durch die Welt geht, erfährt jeder Mensch viel." Auf all ihren CDs lächelt uns zuallererst Natacha selbst an. "Ich finde es auch wichtig, das die Künstlerin vorne drauf ist. Ich finde, wenn ich einen Song höre, mag ich es, wenn ich sehe, wer das ist. Ich habe immer gerne den Menschen dahinter, weil es das ist, was einen berührt und alles andere ist nie so wertvoll wie das Wesen dahinter."
Während draussen die Wolken nicht so recht wussten, ob sie ihre nasse Ladung nun abwerfen wollten oder nicht, herrschte im Musikpark kompromisslose Tropenstimmung. Zur Thuner Rocknacht heizten QL, Mash, Airbäg und Natacha dem partywilden Volk ein. Letztere, die Mundartlady, plauderte ein wenig mit mir und erzählte vom Werdegang ihrer Karriere und von ihrer Musik. Wie wohl wir alle, hat auch Natacha schon als Kind viel Musik gehört und bereits damals hat sie die Texte der Songs abgeschrieben und übersetzt. "Und dann habe ich, schon als relativ jung, selber zu schreiben begonnen." Polo Hofer hatte es ihr damals schwer angetan. "Ich fand seine Texte super, einfach Mundart... es gab damals noch keine Frau, die Mundart gesungen hat."
Mit sechzehn hatte sie ihre erste Band, bei der Natacha aber noch in englisch gesungen hat, "Ich habe immer wieder gefragt, ob wir nicht eine Mundartband machen wollen, aber dafür war niemand zu haben. Damals war das unchic, und alle wollten nur englisch." Also blieb man vorerst dabei. Auch ihr erstes eigenes Projekt, einen Auftritt mit ´Big Trouble with Natacha´, war so gehalten. Trotzdem scheint es sozusagen der Anfang des Durchbruchs der Musikerin gewesen zu sein, den schon am nächsten Tag meldete sich eine grosse Plattenfirma bei ihr. Der Deal beinhaltete aber, dass sie nach England hätte gehen müssen. "Da habe ich gedacht, wenn die mich wollen, schaffe ich das auch hier in Mundart. So habe ich dann meine ersten eigenen Songs aufgenommen, ganz brachial mit Gitarre und einem Vierspurgerät und habe sie dann allen Plattenfirmen geschickt. Drei Monate später habe ich bei Zytglogge meinen ersten Vertrag unterschrieben." Seither ist schon einige Zeit vergangen und acht Alben sind mittlerweile entstanden. "Das Business ist, glaube ich, genau gleich wie damals. Es ist knallhart, es ist ein Haifischbecken, nicht was die Musik anbelangt, aber was drum herum so passiert."
Text/Bilder: Eve
"Mein letztes Album - ´Gspüre´ - ist für mich die Erfüllung eines Weges, der nicht unbedingt einfach gewesen ist. Ich habe vor ca. drei Jahren alles gewechselt. Management, Band und viele andere Sachen. Ich habe mich musikalisch weiter entwickelt und dieses Album ist genauso, wie ich es mir gewünscht habe." Auch sich selbst muss man ab und zu Gutes tun, so hat sich die gebürtige Burgdorferin auf fast allen Alben einen Song gecovert, der ihr besonders gefällt und der ihr etwas bedeutet. "Das ist für mich immer so etwas wie eine Belohnung gewesen" Sind doch auch Freundschaften entstanden, gerade durch diese Covers. Sei es zum Beispiel mit Toni Carey oder mit Jan Savenberg, mit dem Natacha zur Zeit ein französisches Album vorbereitet. An der Rocknacht wurden zu `Schatte a dr Wand`, zu `Sorry` und zu vielen, vielen bekannten Stücken mehr, Feuerzeuge und Handys geschwenkt. Es wurde mitgesungen, gehüpft, geschmust und getanzt, während es draussen zwar noch immer trocken war, aber schon fernes Donnergrollen hörbar wurde.