Hiphop 2006 (Hiphopstore/Aightgenossen/Nation)
Text: Monthy
Bilder: Cover / Internet
Di fettischtä CH-Hiphop-Trackz
Wie letztes Jahr gibt Nation Music auch 2006 den ultimativen Schweizer Hiphop-Sampler heraus. Nach der Fettmessung 2005 steht die diesjährige Ausgabe für mich unter dem Motto "Guide Michelin" und soll die kulinarische Lage der Nation aufdecken. Auf der Speisekarte stehen 16 Künstler, wovon 15 bereits mindestens eine eigene Produktion am Start haben. Ein Zeichen, dass es auch im ablaufenden Jahr eine Unmenge an Hiphop-CDs auf den Markt gespült hat. Wer etwas von sich hält oder ganz einfach die Chance hat, ist bei Nation Music im Vertrieb, Booking oder Label. Dazu hat man für den Jahresrückblick die eigenständigen Gleiszwei, von EMI Records EKR und vom Musikvertrieb Wurzel5 und Bligg berücksichtigt. Die Track im einzelnen:
1. Breitbild - Für ein hets immer no glangt
Die Bündner starten mit hochprozentigem und einem Motto, das eigentlich mehr an den Schluss des Abends gehört. Für einen hat's immer noch gereicht - das muss ein Schnaps sein. In Anlehnung an den irgendwie auch leicht betrunkenen Trompeter und seine süsse Melodie, dachte ich erst an einen Likör. Die Jungs lösen's aber dann irgendwann im Text selber auf. Von wegen: Baccardi-Rhyme...
2. Baze - Ender weniger
Der Berner hat mit der Single seines zweiten Albums den Soundtrack für so vieles geliefert. Für Frauen, die man sich doch lieber nicht antun will, so wie im Song oder für die Nouvelle Cuisine, so wie in dieser Kritik. Baze setzt dabei auf ein sanftes Tune und eine eingängige Hookline, also mehr auf Creme Fine - anstatt mit Butter einzufetten.
3. EKR - Dunne mitem King
Beim Schwergewicht der Schweizer Szene - EKR lieferte 2006 gleich ein Doppelalbum ab - kommen eh nur die krassen Speisen auf die Karte. Wie wär's mit einem T-Bone-Steak? Doch dann spricht der EK selbst - von Hunger und Krebs. Und beim Chorus "Dunne mitem King" fällt der Groschen auch bei mir. Ich kann das Langusten-Chörchen mit den zotteligen Schnäuzen sogar richtig vor mir sehen: "Dünne mütem Küng...". Also gibt's für EKR: Hummer...
4. Gimma - Superstar
Anstatt es mir leicht zu machen und den "Superschwiizer" mit dem "Lieblingskääs" auszuwählen, wird der Shooting Star des Jahres von einem Song repräsentiert, dem ich nicht allzu viel abgewinnen kann. Da schmiltzt mein Käse also nun dahin. Auch die zweite Single "iisziit", bei der man sich immer fragt, ob er das tatsächlich so erlebt hat, wäre für den Sampler ein Gewinn gewesen.
5. Double Pact - Au revoir
Als einziger französisch rappender Act bieten sich Nega und Stress für die französische Küche geradezu an. Eigentlich müsste ja sowieso gesetzlich geregelt sein, dass mindestens ein frankophoner Track auf jedem CH-Hiphop-Sampler vertreten ist. Das schulden wir Sens Unik ganz einfach. Double Pact machen ihren Ahnen alle Ehre und werfen sich als blutiges Entrecôte auf den Plattenteller.
6. Taz - Sturm
Der Track ist tatsächlich der Sandsturm unter den Sahnetörtchen aus der Schweizer Hiphop Szene. Nichts gegen ein hochdeutsches Feature, aber wir haben schon mit einem Xavier Naidoo mehr als genug. Unter dem übertriebenen Soul-Gehabe leidet auch Taz' Rhyme, der eigentlich viel Dynamik zu entfachen wüsste. Auch auf seiner Solo-CD hätte es bessere Tracks gegeben.
7. Gleiszwei - Chömed use go spile
Die drei Legenden der Limmatstadt haben sich 2006 zurück gemeldet. Herausstechender Track ihrer CD "Limmatstadt Bros" ist eindeutig das verrappte Rocky-Riff. Tääää- tä-tä-tääää... Spontan fühle ich mich durch den witzigen Titel an ein... Picknick erinnert.
8. 6er Gascho - i ha ke Bock
Der abgetörnte Titel passt zur Artikelidee wie die Faust aufs Auge und macht aus den wilden Bernern das diskussionslose Bier unter den besten CH-Hiphop-Trackz 2006.
9. SLM52 - Vo de Aglo i d City
SLM52 haben ganz sicher das inspirierteste Tune der ganzen Scherbe. Ich weiss, es ist eine Sitar und die ist inidisch, nicht orientalisch. Aber das in die Länge gezogene "Aaaaa-glo" im Röfräng lässt mir hinsichtlich Menuwahl keine ebensolche - "Vo de Aglo i d City" ...mitem Döner inner Hand!
10. Aman - Ghör di nid
Der zweite Teil der Basler Tafs ist auch nicht ganz sauber. Das kickende Tune und der menschliche Leierkasten am Mikrofon deuten auf ein isotonisches Getränk. Wenn da nur nicht diese Flöte im Hintergrund rumgeistern würde. Was hat der bloss geschluckt...?
11. Wurzel 5 - Teamgeist
Bei der Chlyklass ist Teambildung angesagt, also gibt's wieder mal ein Fondue und wer sein Brot verliert, muss die Buchhaltung 2007 übernehmen. Der Track mit den Fortissimo-Geigen ist der Hammer und man merkt eben gleich, wohin der Rubel in der Schweiz rollt und warum...
12. Bligg - Zeig mir dä Wäg
Blizzo ist fleissig, wie das viele andere in der Szene auch sind. Dazu ist er beständig und - hat man noch Wünsche frei? - extrem talentiert. Nach seinem Kiddy-Mixtape glänzte er dieses Jahr mit dem vielleicht anspruchsvollsten Hiphop der Schweiz. "Zeig mir dä Wäg" ist eine Bitte um Führung und ein Mittel gegen das Böse in der Welt. Als Symbol kommt da nur die im Text immer wiederkehrende Frucht in Frage.
13. Modo - Vakuum
Wer andern eine selbst hinein... Mit diesem Namen muss ich Modo leider als - wie das bei uns auf dem Dorfe üblich war - "leeres Glas Wasser" katalogisieren. Der Track ist ein bisschen besser als das Urteil, vor allem in musikalischer Hinsicht. Allerdings auch nicht allzu viel Neues, wenig Ecken und Kanten. Ob er mehr drauf hat, verrät sein Album "Machs dir sälber".
14. Black Tiger feat Apache - 2 Wälte
Der Tiger ist wieder los und er teilt kräftig aus. Mit dem Mut der zweiten CD und der sozialkritischen Einstellung, die er schon immer hatte, stellt er im Song ein verwöhntes Tussi als Symbol der Industrieländer sich selbst als Vertreter der dritten Welt gegenüber. Ich schliesse mich ihm an und verzichte zugunsten armer Länder auf eine Mahlzeit!
15. MODS - Sicher scho
Hier kommt die Zitrone. Bei uns wird sie allerdings nicht für besonders schlechte Leistung verliehen, sondern aus zwei Gründen: Erstens ist der Ton im Song so aggressiv wie Zitronensäure und zweitens wird ja genug Dirty-Talk zelebriert, dass man einfach irgendetwas ausdrücken muss. ...was die machen keine funky Tracks...?
16. Shape - Eines Tages
Der einzige Künstler, der noch kein eigenes Cover im Booklet des Samplers abdrucken kann, ist die eigentliche positive Überraschung. Der Beat treibt brutal voran und Shape zeigt sich als Meister der Lippengymnastik. "Eines Tages" ist zwar hektisch und daher gar nicht das, was ich darin sehe - aber es schmeckt mir einfach so gut wie: Crème brulée