Freezing Metal Nights in Spiez
Text: Eve
Bilder: Debi
Die Freezing Metal Nights fanden am 17./18.März 2006 im Lötschbergsaal Spiez statt und brachten wilde, knallharte, brachiale Bands in das sonst so ruhige Berner Oberland. Am Freitag eröffneten um ca. 20.00 die Schweizer „Abgrund“, gefolgt von „Apocryphal Death“, „Seasons in Black“, „Maja“ und als Abschluss und Highlight des Abends natürlich die dort Einheimischen „Nekropolis“. Bei mir machten sich schon die ersten Zeichen eines gewaltigen Äckegstabis bemerkbar, als Debi, ich und Marcel von Nekropolis uns irgenwann zwischen Samstag uns Sonntag ins Hinterzimmer zurückzogen um ein wenig über den Event zu plaudern. Der Organisator dieser „höllischen“ Nächte erklärte uns Frauen breitwillig wie, womit und warum es dieses Wochenende so kracht und abgeht in Spiez...
„Entstanden ist die Idee zu den Metal Nigths vor ungefähr zwei Jahren, als wir unsere CD aufgenommen haben. Da haben wir angefangen, nach Konzertmöglichkeiten zu suchen, und überlegten uns, wie wir zu Auftritten auch ausserhalb der Schweiz kommen könnten. Wir erfuhren von anderen Bands, dass Austauschgigs eigentlich das A und O dieser Szene sind. So haben wir begonnen, zu diversen Bands Kontakt aufzunehmen und einige haben uns geholfen, unsere Tour, die letzten Mai hätte stattfinden sollen, zu organisieren. Aber leider hat man uns in Tschechien ja dann den Tourbus gestohlen. Trotzdem, dass alles ist nur zustande gekommen, weil wir all diesen Bands Gegengigs hier in der Schweiz versprochen haben. Deswegen haben wir im letzten Mai ja die „Piss of Sucker Nights“ gemacht. Klar war dann auch, wir wollten es unbedingt noch mal machen, weil wir ja auch wieder Konzerte im Ausland spielen wollen, also mussten wir ganz klar wieder Bands einladen. Zum Beispiel gerade „Final breath“, einer von denen organisiert auch ein Festival in Deutschland und wir hoffen natürlich, dass wir in eineinhalb Jahren auch dort spielen dürfen. Eines der Probleme war, dass es medial ein wenig krass ist, wenn du „piss of suckers“ in einem Berner Oberländer schreiben willst, es hat eben so die Wörter drin die hier niemand lesen möchte. Dann haben wir uns überlegt, was zu tun ist und taufen die Nights kurzerhand um.“
„Ich mache die Organisation und das Finanzielle. Marc Steiner macht die ganzen technischen Sachen, hilft mir bei den grafischen Darstellungen, hilft Pläne und Konzepte zu erstellen und bei Personaleinteilungen. Er macht alles was die Technik anbelangt und ich sage ihm nur, wann er zu teuer wird...:-). Es sind eigentlich wir beide, die alles im Vorfeld machen. Hier vor Ort würde es nicht funktionieren ohne Nekropolis, wir sind sechs Jungs, von denen hat jeder technisch so viel Erfahrungen gesammelt, dass wir garantieren können, dass die Bühne funktioniert.“ Warum die Metal-Nights gerade in Spiez sind, ist einfach. „Wir kommen von Spiez und wir wollten es lokal machen, dass war uns wichtig. Aber Problem Nummer eins ist, das Spiez diese Szene Musik nicht sonderlich gerne hat. Weil -wir haben lange Haare, -trinken Bier, -rauchen Zigaretten, -wir finden Satan cool, dass ist die Meinung der Leute... Es ist zwar nicht so, aber diese Personen wissen es nicht besser und dass war von den Ämtern her wohl das grösste Problem. Wobei ich sagen muss, das es schlussendlich ja geklappt hat und ich habe nie einen richtig grossen Stein in den Weg gelegt bekommen. Es ist zwar ganz sicher Black-Metal, der hier gespielt wird, aber von den Bands, die hier sind, ist keine einzige auch nur annähernd auf Satan. Da garantiere ich dafür. Was ich aber auch sagen kann ist, dass keine auf White-Meatal, also ´Christus olé´! ist. Wir sind hier, was Glaubenssachen betrifft, neutral.“
Leider wurde randaliert und Sachen kaputt gemacht, was wirklich sehr schade ist und Auswirkungen auf weitere Anlässe haben wird. Für Marcel eine nicht gerade erfreuliche Wendung des sonst so tollen Events.„Das Problem ist sicher mal - finanziell gibt es ein Debakel. Irgendjemand muss das bezahlen, versicherungstechnisch muss ich das noch abklären, auch habe ich sicher noch ein Meeting mit der Polizei. Das ist nicht unbedingt der Ort, an den ich gerne hingehe... Auch ist die Gemeinde Spiez ein bisschen konservativ und ich wäre überrascht, wenn ich je wieder eine Bewilligung bekommen würde um hier im Lötschberg etwas zu machen. Bedeutet: Anlässe wie dieser hier sterben durch einzelne Vandalen-Akte.“ Um solche Zwischenfälle zu unterbinden gäbe es schon Lösungen. „Ganz klar, mehr Security. Aber mehr Security bedeutet ein wesentlich höheres Budget, und gerade das ist an solchen Anlässen ein grosses Problem. Weil wir hier eine Lichtanlage und eine Musikanlage haben - das kostet wahnsinnig viel Geld, der Saal kostet viel, jede Band will essen, will trinken, will eine Gage, will irgendwo schlafen... Wenn du da noch Security haben willst, die pro Mann und Stunde 45.- kostet, und das 5 Mann über zwölf Stunden, das kannst du einfach nicht finanzieren. Hier sind zum Glück alles Freunde von mir, und private „Wächter“ sind für die Konzertbesucher auch weniger provozierend.“ Die Besucher des Samstags brachten erst "Nasty Vermin", dann "PainofGomorrha" zum Pogen und Headbängen, "Illogicist" aus Italien brachten die Bühne zum Zittern, die Deutschen "Midwinter" und die natinalen "Requiem" sorgten für Stimmung und zum Schluss brachten "Agoraphobia" und "Final Breath" Blut und Köpfe zum Dampfen.
Wie geht es Nekropolis? Was läuft bei den sechs Spiezern? „Den Tourbus hat die tschechische Polizei wieder frei gegeben, meine Gitarren habe ich direkt von den Dieben zurück gekauft, die Ausrüstung haben wir wieder gekauft, wir wären eigentlich ready. Aber unser Schlagzeuger hat leider, nach sieben Jahren beschlossen, dass er etwas neues braucht. Das heisst, wir suchen einen neuen Drummer. Wir haben schon einige ausprobiert, aber was er halt gespielt hat, war so Wahnsinn, dass viele daran scheitern. Nekropolis ist für uns übriggebliebenen Fünf ein Bestandteil des Lebens und es ist wahnsinnig viel Herzblut dahinter. Jeder von uns ist heiss darauf, weiterzugehen, weil dass was wir in den letzten zwei Jahren gemacht haben, ist ein Zug-Anschieben gewesen und der rollt jetzt ganz langsam. Und es wäre so was von dumm, diesen Zug jetzt zu verlassen, es muss weitergehen!
Am Schluss der Freezing Metal Nights sind die Gefühle von Marcel gemischt. Einerseits waren es zwei geniale, ohrenbetäubende, ganz sicher unvergessliche Tage, andererseits die aufgetretenen Schwierigkeiten mit erbärmlichen Vandalen. Was überwiegt denn nun? „Aktuell ist der Frust grösser, es ist deprimierend, wenn du denkst, vielen Leuten eine Freude zu machen und dann kommt EIN Arschloch und macht es kaputt...Aber in circa zwei Tagen wird sicher die Freude wieder überwiegen. Und es war ja einer von ca 400 Besuchern in diesen zwei Tagen.“ Ob er je wieder einen solchen Anlass organisieren wird, ist noch unklar, nach den Strapazen der letzten Stunden, meint er eher nicht. „Aber plötzlich kribbelts dann doch wieder...“