Chairplaine auf dem Pfad der Selbstfindung
Text: Dino Dal Farra
Bilder: Chairplaine
Die Thuner Band Chairplaine, vielen wahrscheinlich noch unter dem alten Namen Nephtys geläufig, setzt die Zeichen auf Veränderung: Sie tragen einen neuen Bandnamen und führen neue Songs im Gepäck. Nephtys, der Name einer Frauengöttin in der ägyptischen Mythologie, ist nun Vergangenheit: «Der Name stammte noch aus der Zeit, in der wir dachten, aus uns gebe es einmal eine Metalband», erläutert Gitarrist Michael Nagel. Dass die Rocker sich bei der Festlegung eines figurierten Images in den vergangenen zwei Jahren viel schwerer taten als manch andere Band, darüber legt ihre zweite EP «One Street Old» ein deutliches Zeugnis ab.
Auf der Suche nach einem neuen Namen, auf der Suche nach neuen Songs, auf der Suche nach sich selbst: «So könnte man unser Bandleben in den letzten zwei Jahren beschreiben», sagt Gitarrist Nagel rückblickend. Der Titel der mit fünf Eigenkreationen bestückten EP ist daher nicht ganz zufällig: Er erinnert an den beschrittenen Weg auf der Strasse der Selbstfindung. «Wir haben mittlerweile eine gewisse Reife erlangt und können uns besser einordnen», sagt der 22-jährige Gitarrero. Der Bandname Chairplaine zeigt die vier Thuner Musiker gar als musizierende Philosophen: «Chair» stehe für eine Parkbank in der grünen Idylle, «Plaine» sei ein Wortspiel, das an ein Flugzeug erinnert, für dessen Flügel. Eine geflügelte Parkbank zum Verweilen: Die verschrobene Muse der Band zeitigte derweil auch den bunten Strauss an Liedern, die auf «One Street Old» zu hören sind.
Die deftigen Gitarren aus der alten Zeit durchtränken die neuen Songs zwar noch immer, doch hören sich diese weitaus weniger düster an, sind melodischer und durchdachter. Mehrstimmige Gesänge erinnern zeitweise an Queen, sanfte und warme Parts an die Red Hot Chili Peppers und messerscharfe Gitarrenriffs an System Of A Down. Das musikalische Repertoire von Chairplaine entzieht sich einer kategorischen Beschreibung. Kein Wunder: Eine Parkbank mit Flügeln lässt sich unmöglich in einer Schublade verstauen.