Neutones und das Kreuz mit England
Text: Ko:L
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Die These, sie machen ihre Musik im falschen Land, weil in der Schweiz und nicht in England, haben die Neutones aus Luzern schon zig Mal gehört. „Das hat's schon vor 13, 14 Jahren geheissen, als wir angefangen haben“, sagt Sänger René. Und Gitarrist Matthias bringt ein Quote des Luzerner Urgesteins Hösli ins Spiel: „Dort ist das Bier wohl besser, aber auch nur das“, hat er einmal über Glasgow und die Musik im Vergleich mit Luzern gesagt. „Ein wunderschönes Kompliment.“ Doch René relativiert den Traum vom allein selig machenden England: „Dort gibt es hunderte anderer guter Bands. So ist dieser Satz zwar schön – aber das ganze umzusetzen wäre glaube ich recht tough.“ Tough – oder eher rough? - war auch der Auftritt der Neutones an der 3. „Fettes Haus Night of Music“ im Schützenhaus Stans. Dreckig, direkt und schnörkellos, wie wir sie ab ihren Alben, vor allem dem jüngsten mit Titel „Motorcycles“ kennen sind sie eingefahren – mit einer „Britishness“, von der andere CH-Acts, die bewusst mit diesem Label kokettieren, nur träumen können. „Auch das ist ein Kompliment“, meint Matthias, „denn wir wollen genau solche Musik machen.“ All die 14 Jahre sei es halt step by step gegangen, sagt René. „Wir wollten nicht jetzt mit aller Kraft etwas erzwingen und scheinbar entwickelt sich mit der neuen Platte alles recht positiv. Vielleicht schaffen wirs dann doch noch nach England.“ Gespräche für Deutschland sind immerhin schon im Gespräch...
Am meisten für Aufsehen haben die fünf Luzerner bisher wohl mit ihrer Fussballhymne „Kick'n'Rush“, die sie für Fussballturnier für Luzerner Kulturschaffende geschrieben und auch als Song im Wettbewerb um den offiziellen Schweizer WM-Song eingegeben haben. Drängt sich die Frage auf, was wichtiger ist – Fussball oder Musik? „Fussball ist schon recht wichtig, aber ich kann bald wohl nicht mehr“, erzählt René, „ich habe ein Ganglion und stecke mitten in einer Akupunktur-Behandlung.“ Für das nächste Turnier im Juni 07 hofft der erfolgversprechende Kicker allerdings wieder fit zu sein. Das Klischee, Musiker seien Sportmuffel, sieht Matthias mit ihrer aktiven Beteiligung auf dem Rasen allerdings keineswegs wiederlegt: „Als Fussballer am Kick'n'Rush gehen zwölf Minuten, die Vorrunde geht über drei Spiele.“ - „Wir spielten auch schon bis in den kleinen Final mit – aber de simmer am Arsch xi“, bringts René auf den Punkt.
Musikalisch gehe es in nächster Zukunft darum, „Gigs inezchlopfe, was z Züg het“. Auf jeden Fall „passieren mehr coolere Sachen“, als bei früheren Releases, seit der Veröffentlichung von „Motorcycles“, ist René überzeugt. Zum ersten Mal in der vierzehnjährigen Bandgeschichte hat etwa der Tagesanzeiger etwas über die Luzerner Töfflibuebe geschrieben und auch im Sonntagsblick kamen sie schon zum Zug. „Das ist natürlich interessant für Gigs und Verkäufe. Scheinbar stimmts dieses Mal nach aussen.“ Gefragt nach dem Wieso meint René, vielleicht seien sie heute noch etwas rotziger, als früher. Auch in Bezug auf Medienarbeit und Radio-Releases seien sie heute unverkrampfter. „Es gibt Radios, die uns spielen, andere nicht. Was solls – wir suchen halt auch andere Kanäle wie trespass.ch oder myspace.com, um unser Publikum zu erreichen.“ Auch das Video haben die Jungs mit einfachsten Mitteln gedreht – zusammen mit Splatterli – einem Splatter-Kasperlitheater – was ihnen prompt eine Nomination an den Solothurner Filmtagen einbrachte. „'s git immer meh Stimme zu däm nöie Album, 's isch immer hüfiger, das öppis lauft. Dasch schön“, sagt René zum Schluss. Schöner könnte man's nicht auf den Punkt bringen.