New Jack wollen gross rauskommen
Text: Sermeter
Bilder: Ephraim Bieri
Sie sind blutjung, topmotiviert – und sie können diesen Sommer zum ersten Mal am süssen Duft des Erfolgs schnuppern. Die Rede ist von den Berner Hip-Hoppern New Jack, deren Auftritt am diesjährigen Gurtenfestival bestimmt den Höhepunkt ihrer noch jungen Karriere darstellt. Rapper T-Mouth, Bright-D, MC-R, Yung Blood und Sänger Fresh L sind im Durchschnitt kaum älter als 18. Wie häufig sie ihre Show in diesem Jahr schon präsentieren konnten, ist in Anbetracht dieser Tatsache umso beachtlicher. Erkämpft haben sie sich den Gig auf dem Gurten beim Contest im Bierhübeli am 2. und 3. April, wo die acht Bands mit den meisten Stimmen aus dem vorangegangenen Voting um einen der vier zu vergebenden Slots spielten.
Die Art und Weise, wie die fünf Jungs am verregneten Freitag Nachmittag die Waldbühne in Beschlag nahmen, zeugt von Talent und - trotz des zarten Alters - Erfahrung. Souverän und mit einer bemerkenswerten Präsenz vermochten sie die durchnässten Zuschauer bald für sich zu gewinnen. Dass sich der Publikumsaufmarsch in Grenzen hielt, lag zum einen an der frühen Spielzeit, zum andern am üblen Wetter und nicht zuletzt halt auch am Wesen der Waldbühne, welche für das Festival auf dem Berner Hausberg zwar bestimmt eine Bereicherung ist, trotzdem aber das ganze Wochenende über kaum einmal ein Ort war, wo berauschende Partys gefeiert wurden. Die Show von New Jack bietet nicht nur fette Beats, Rap und Gesang, sondern auch Breakdance und andere Tanzeinlagen. Speziell für den Auftritt auf dem Gurten und zu ehren des kürzlich verstorbenen Michael Jackson präsentierte die Crew ein Medley aus dessen Hits und tanzten dazu seine bekannten Choreografien.
Nach dem Konzert hatte ich die Gelegenheit, mich mit Ernesto (MC-R) und Linford (Fresh L) zu unterhalten. „Musik dient uns dazu, unsere Gefühle auszudrücken.“, sagt Ernesto. „Sie soll aber vor allem auch unterhalten. Deshalb haben wir auch die Tanzeinlagen in die Show integriert.“ Auf meine Frage, wie denn New Jack entstanden sei, antwortet er: „Das ist eine lustige Geschichte. Ich und mein Stiefbruder haben Gedichte geschrieben. Dann habe ich ihm am Telefon mal gesagt, ich würde gerne Musik machen. Ihm ging es genau gleich. Wir riefen also weitere Kollegen an und gründeten New Jack.“ Als ich wissen möchte, welche Ziele sie verfolgten, meint er: „Natürlich wollen wir gross herauskommen!“, relativiert aber sofort: „Wir nehmen Schritt für Schritt und konzentrieren uns auf das Wesentliche. Zu weit in die Zukunft zu denken, bringt nichts.“
Die Jungs von New Jack haben also klare Vorstellungen wo es hingehen soll, verlieren dabei aber nicht den Boden unter den Füssen. Dies ist ein weiterer Ausdruck von Reife und ein weiterer Grund, weshalb gerade sie es schaffen könnten. Das nächste Highlight folgt am 22. August: New Jack spielen am Royal Arena Festival in Orpund und teilen sich die Bühne mit nationalen und internationalen Stars der Szene.