Nils Burri: Pokern mit „Next Generation“
Text: Ko:L
Bilder: Tabea Hüberli
„Next Generation“ heisst sein neues Album. „Der Titel steht für die nächste Generation meines Schaffens“, sagt Nils Burri selber. Von einem Erstling zu reden, ist zwar richtig – aber doch nicht ganz. 2008 hat Burri bereits „A brand new day“ veröffentlicht; ein Album, das ebenso in Eigenregie entstanden war, wie die vorangehende EP „Changing Minds“. Aber jetzt ist „Next Generation“ da, das erste „richtige“ Album des Berner Oberländers. Produziert hat es Cyril CC Camenzind (u.a. Kandlbauer/Burrell) und zu hören sind darauf neben Burri selber Grössen wie Tanja Dankner, Chrigi Roffler oder Andi Puppato. „Es freut mich und, das Musiker von diesem Format am Album mitgearbeitet haben“, sagt Burri mit einem Strahlen in den Augen. Er gesteht unumwunden: „Das macht mich stolz.“ Nils Burri weiss: Was er geschafft hat, schaffen nicht viele Musiker in der Schweiz.
2004 war er noch eine Hockey-Nachwuchshoffnung. Probleme mit der Hüfte zwangen ihn dann aber, die Schlittschuhe an den sprichwörtlichen Nagel zu hängen. „Ich habe angefangen Gitarre zu spielen, weil mir langweilig war“, sagt er, „ich musste etwas tun.“ Nils der Leidenschaftliche. „Ohne Leidenschaft könnte ich nicht leben.“ So wie ihm ein oder zwei Hockey-Trainings nicht genügt hatten, so waren ihm ein oder zwei Abende ein wenig mit der Gitarre pröbeln zuwenig. Es ging kein halbes Jahr und Nils Burri debütierte auf der Bühne der legendären Alten Taverne Adelboden. Am 19. Dezember wird er nun dorthin zurückkehren, um „Next Generation“ zum ersten Mal vorzustellen – nicht mehr als träumender Teenager, sondern als gestandener Musiker, der bereits auf Konzerte am Gurtenfestival oder als Anheizer für Donovan Frankenreiter im Berner Bierhübeli zurückblicken kann. „Manchmal frage ich mich rückblickend, warum ich nicht früher angefangen habe, Musik zu machen“, sagt Nils Burri – bloss um dann anzufügen: „Ich bin 24 Jahre alt und habe ein Album mit Top-Leuten machen können. Künstler wie Seven, Kent Stettler oder Patrick Jonsson sind alle 30-jährig und älter. So gesehen habe ich noch genügend Zeit, mich weiterzuentwickeln.“ Nils, dessen Leidenschaft zur Zielstrebigkeit wird.
“Don’t forget that you are responsible for a healthy world”, singt Nils Burri im Titeltrack. Musik um der reinen Gaudi Willen ist nicht sein Ding. „Ich möchte, dass die Leute mit einem Lächeln auf dem Gesicht aus meinen Konzerte nach Hause gehen. Dann habe ich mein Ziel erreicht.“ Wenn er merkt, dass die Leute seinen Sound eher als Hintergrundmusik wollen und ihm nicht die volle Aufmerksamkeit zuwenden, dann versinke er in sich selber. „Dann mache ich die Musik für mich.“ So wie er angefangen hat. Musik, um sich selber eine Freude zu machen. „Aber: Jeder Auftritt muss passen. Die Leute sind bereit, Eintritt für ein Konzert zu bezahlen und wir sind es ihnen schuldig, saubere Arbeit abzuliefern.“ Nils der Profi. „Ich bin sozusagen ‚All in’ gegangen. Ich pokere hoch mit diesem Album“, sagt er. „Denn ich habe mich entschieden, alles auf die Karte Musik zu setzen. Wenn nicht gut kommt…“ Doch so richtig fertig machen, mag er den Satz nicht. Weil dieses Ende kein schönes wäre – aber auch weil es wohl unwahrscheinlich ist, dass es nicht gut kommt.
Denn: Professionelles Schaffen – trotz erst fünf Jahren „Karriere“ – ist vielleicht das, was Nils Burri am stärksten charakterisiert. „Ich weiss, wie Songs schreiben“, sagt er selbstbewusst – und bleibt trotzdem offen für Inputs. „Darum der Albumtitel und die Glühbirne auf dem Cover: Ich habe viel gelernt, oft ist mir bei den Aufnahmen ein Licht aufgegangen, wenn CC einen Vorschlag gemacht hat. Ich habe eine weitere Stufe gemeistert, eine nächste Generation meines Schaffens erreicht…“ …und damit ein Level, auf welchem er sich vor gestandenen einheimischen Grössen wie Trummer, Coal, Rickenbacher oder Burrell keineswegs zu verstecken brauch. „Next Generation“ ist ein Album, das nicht stur traditionellen Singer Songwriter-Schemen folgt, sondern mutig und ohne Scheuklappen ebenso mit rockigen wie mit poppigen Elementen flirtet; weder vor Retro- noch vor Country-Einflüssen schrecken Nils Burri und seine Mitstreiter zurück; süfffige Chöre finden genauso Platz, wie purer und reiner Solo-Gesang. Live präsentiert Nils Burri „Next Generation“ zusammen mit seiner Band erstmals am 19. Dezember an eine exklusiven Vorprmiere in der alten Taverne Adelboden.