Entdeckt: Ninaus am 5. Schwyzer Festival im Kammgarn
Text/Bilder: Monthy
Discover heisst die aktuelle und bereits dritte Scheibe von Ninaus. Klar möchte ich zuallererst mal wissen, was man denn darauf entdecken kann? - Gerlinde "Gery" Ninaus, die Leadsängerin meint: "Sehr, sehr viel! Es charaktisiert uns sogar, dass es eigentlich auf jeder Platte wieder viel Neues zu entdecken gibt. Auf Discover hat es für jeden Etwas dabei, viel Abwechslung. Es ist ein Album, das man mehrmals hören muss, um sich zu verlieben." Gery schrieb in einem kleinen Kommentar auf der Ninaus-Homepage, dass sie besonders stolz sei auf dieses Album. Warum? - "Vielleicht ist man immer auf das letzte Album besonders stolz... Für mich persönlich war es speziell, weil ich mich erstmals an Texte heran gewagt habe. Bis jetzt machte das immer unser Keyboarder Mark. Auf Discover erzählen aber nun acht Songs meine Geschichten. Das brauchte schon ein wenig Überwindung, weil Englisch ja nicht meine Muttersprache ist."
Das musikalische Mastermind der Band ist Gitarrist Andy. Er genoss bei der Produktion von Discover, dass Ninaus erstmals mit Profis zusammen arbeiten konnte. Ich fordere ihn auf, mir näher zu erklären, wie die Band davon profitieren konnte. Andy: "Wenn du mit solchen Leuten zusammen arbeitest, sind einfach gewisse Standards gegeben. Sei das nun soundtechnisch, das Feeling betreffend, organisatorisch oder was den Ablauf angeht. Das sind Basics vorhanden und du musst dich nicht um jedes Detail kümmern, sondern kannst dich vertieft mit der Musik auseinander setzen. Die Arbeit wird auf das Wesentliche reduziert. Darauf kann man dann aufbauen."
Die Bandgeschichte begann 1988 unter dem Namen XPress. Mit dem Einstieg der charismatischen Rock-Röhre Gery wurde daraus 1992 Ninaus. Das ist nun auch schon 14 Jahre her. Liest man aber die Promo zur neuen Scherbe, erhält man den Eindruck, die Jungs und das Girl seien hungriger denn je. Drummer Dani hält fest: "Hungrig sind wir immer, das sieht man auch... von der Beständigkeit her, meine ich. Die Zeit läuft halt immer. Was bei uns auffällt, sind vielleicht die langen Zeiten von einer CD zur nächsten. Wir nehmen uns halt immer Zeit... Ich sehe noch kein Ende kommen!" Ganz im Gegenteil - die Songs sollen jetzt endlich am Radio gespielt werden, schreibt Andi online. Als ich ihn frage, ob das Problem mehr beim fürs Radio zu harten Sound liege oder auf die Eigenproduktionen zurück zu führen sei, setzt er scherzhaft zu einer Tirade auf die Radios an: "...dann werd ich jetzt mal über die Schweizer Radiolandschaft herziehen... Nein, das Problem liegt im schmalen Grat zwischen kommerzieller Musik und ´sich selber Ausleben´. Heute ist das relativ schwierig. Das Angebot ist immens und man wird schnell schubladisiert. Wir haben einfach versucht, uns selbst zu bleiben, aber nicht allzu schräg oder extravagant daher zu kommen. Es gibt aber ein, zwei Nummern, wo die Überlegungen betreffend breitere Hörerschaft gemacht wurden, sofern die Stimmung des Songs dies überhaupt ermöglicht. Planbar ist das ja sowieso nicht..." Gery wirft ein: "Nun sag schon, dass wir endlich ans Radio wollen..."
Dass da was faul ist im Staate Helvetia, wissen wir. Sonst hätten´s Ninaus schon längst geschafft. Schliesslich hatte der Blick Gery und Co schon 1994 eine grosse Zukunft voraus gesagt. Fürs neue Album musste man trotzdem lange nach einem Partner suchen. An dieser Zukunft zu arbeiten und den Glauben an sich selbst in über 12 Jahren nicht zu verlieren, muss ganz schön an die Nerven gehen. Gery: "Den Glauben an uns haben wir nie verloren, aber den Glauben ans System schon eher. Wir haben in den drei Discover-Jahren manch eine Absage gesammelt. Am besten gefallen haben mir die, die betonten, wie ausführlich sie sich die CD angehört hätten und ich sie nach dem Zurückschicken aus dem Cellophan befreien durfte. Das befremdet einen schon. Wenn sie keine Zeit haben, sollen sie doch ehrlich sein und das auch sagen. Den Glauben verlieren werden wir deswegen nicht. Das wäre frühestens dann der Fall, wenn wir keine Auftritte mehr kriegen würden und niemand mehr Ninaus hören wollte. Wir kennen das System, einige seit mehr als 15 Jahren. Mit Enttäuschungen musst du leben."
Ninaus Situation unterscheidet sich nicht wesentlich von der anderer Bands, die mit englischen Songs und in Eigenregie voran zu kommen versuchen. Meine nächste Frage bezieht sich auf eine Online-Aussage, Motivation aus der Musik selbst zu beziehen - ein Muss in dieser Lage? Mark: "Ich wollte schon lange sagen: Wir machen es aus Freude! Mittlerweile ist mir auch scheissegal, ob mich eine Plattenfirma will oder nicht. Gerade so ein Abend wie heute ist wieder Motivation für mich. Ich komm hier rein, alles ist sehr professionell organisiert, ich spüre den Groove und weiss sofort: Das wird ein super Abend." Die letzte Frage kann ich mir eigentlich sparen. Denn Ninaus zeigen mir anschliessend auf der Bühne, dass sie als Rockband sowieso live am besten sind. Dass sie es vorher nicht allzu sehr betonen müssen und mir das Urteil selber überlassen, zeigt nur, dass die Zürcher alles andere als Blender sind und macht sie nochmal ein Stück sympatischer.