Nita lässt die Bären tanzen
Text: Monthy
Bilder live: Nita Management; Interview: Mary
"Das wichtigste ist im Moment meine neue Band", sprudelt es nach meiner lapidaren Aufforderung zum Reden regelrecht aus Nita heraus, "Abgesehen davon, dass wir rein optisch sehr unterschiedlich sind, haben wir eines gemeinsam: Wir lieben es, Musik zu machen – egal wann, egal wo, egal wie!" Spielt Nita mit dem optischen Knick auf den Beauty&Beast-Effekt an, den die Tanzbären dem nicht ganz üblichen Projekt verleihen? – "Ja doch, die verruchten Typen und das brave Aargauer 'Meitli'…" Der bekannteste unter den Tanzbären ist Ex-QL Ursli und natürlich will ich wissen, ob er jetzt immer noch cool ist. Nita: "Er ist definitiv cooler denn je. Ich bin eben ähnlich schlagfertig wie er, weshalb wir stundenlang miteinander referieren könnten. Es harmoniert und wir arbeiten alle daran, die Songs vom "Songbird"-Set live geil rüber zu bringen. Die Jungs lieben die Musik, finden es 'hueregeil' und können dabei auch zeigen, was sie drauf haben. Diese Konstellation ist der Hammer!"
Von aussen ist dieses Gas Geben oft nicht ersichtlich. Immerhin bastelte Nita nun fast ein Jahr lang am "Songbird". Wie hat sich in dieser Zeit ihr Verhältnis zu den Songs verändert? – "Es ist einiges intensiver geworden. Weil ich das Album ja nicht selbst komponiert habe, konnte ich mich anfangs nur mit den Songs auseinander setzen, aber kein richtiges Verhältnis zu ihnen aufbauen. Je öfter ich sie live singe, desto mehr entwickelt sich auch eine Gefühlswelt zu den einzelnen Songs, was mir erst die Möglichkeit gibt, sie intensiver zu singen. Ich habe auch wirklich Schwein, es gibt nur wenige Songs, die mir auf die Nerven gehen. Was mich besonders herausfordert ist, die Songs an jedem Konzert neu zu entdecken. Das versuche ich auch in den Proben so zu halten. Durch diese ständigen Neuinterpretationen kann es auch gar nicht langweilig werden."
Nita kennt sich also in ihrem Feuilleton aus. Aber geht man so nicht die Gefahr ein, einen Song zu sehr zu definieren? Ich als Hörer möchte ja auch meine Freiheiten… "Das soll ja auch so sein. Wenn ich einen Song von irgendjemandem anhöre, mache ich mir ja auch mein eigenes Bild. Songs sind ja meistens relativ oberflächlich und doch tiefgründig. 'Million miles away' beispielsweise, einer meiner Songs, kann bedeuten, dass der Liebste weit weg von dir ist. Es kann aber auch sein, dass er im Raum nebenan ist und trotzdem eine Million Meilen entfernt. Es kommt auch immer darauf an, wie du dich gerade fühlst." So wie ein Sonnenuntergang der jeden Abend gleich und doch immer wieder anders ist, resümiere ich in einem Anfall von Poesie.
Nita gibt mir recht und regt an: "Vielleicht sind die Songs auch für die Zuhörer immer wieder neu, weil ich mich bemühe, das so zu handhaben…" Aus diesen Worten hört Monthy ein klares Commitment zu den eigentlich fremden Songs. Wie steht's denn mit den Gelüsten, selbst zu schreiben? Nitas Augen beginnen zu strahlen: "Mmmh, jaaa… Es ist eben so – ich habe auch schon einige Songs geschrieben, aber dann gab's da andere, die es besser konnten und deshalb hab ich's denen überlassen. Ich habe etwa sechs, sieben Songs geschrieben und der Gedanke, sie aufs nächste Album zu nehmen, existiert. Melodiös war ich noch nie ein Hirsch, das überlasse ich Jens Frisch, der ein Super Produzent ist, aber texten will ich in Zukunft schon auch selbst."
Dabei war nicht wirklich zu erwarten, dass die Punker auf Nitas Pop stehen würden. Was gefällt denen daran? – "Die Produktion ist doch relativ kompakt und fordert einen spielerisch und im melodiösen Bereich. Dieser Herausforderung wollten sie sich stellen. Das habe ich ihnen gleich in der ersten Probe angesehen. Sie hatten sich wirklich vorbereitet und arbeiten mit vollem Einsatz. Die Annahme dieser Herausforderung macht schlussendlich auch die Power aus, die sie am 2. September gezeigt haben." An diesem Abend stieg nämlich die "Songbird"-Plattentaufe in Adliswil, die Nita offensichtlich überlebt hat. "Wortwörtlich…", lacht mir Nita herzlich ins Gesicht, "Ich kam nicht einmal zum Champagner Trinken, weil Ürsu mit der Flasche abgehauen ist. Aber ich hab's gut überstanden und hatte die Bären hervorragend im Griff. Die Plattentaufe war einfach mega. Es ist ja nicht so, dass wir seit Jahren eingespielt sind. Wir hatten fünf, sechs Proben, also eher wenig. Ich bin jeweils nach der Arbeit zusammen mit der Backgroundsängerin nach Bern gefahren. Sie kommt aus Uster… Büeblikon oder so…" Nitas mangelnde Ortskenntnis weckt den Exil-Zürcher in mir und ich werfe ein, ob sie etwa Bubikon meine. Die Aargauerin lacht: "Heisst das wirklich Bubikon? … Jedenfalls war die Nervosität eh schon gross, weil es die Plattentaufe war – und dann noch das Debut mit den Tanzbären."
Diese Tanzbären markieren in Nitas Musikerleben sozusagen den Wendepunkt vom Pop-Sternchen zum ernst zu nehmenden Act. Musste sie kämpfen, um als das akzeptiert zu werden? Nita: "Sagen wir es so: Wenn es ein Kampf ist, kriege ich davon nicht mit. Im Prinzip mache ich einfach das, was mir Spass macht und habe Leute dabei, die mich unterstützen. Beim Musikvertrieb liessen sie mich gleich zu Beginn wissen, dass sie langfristig planen und an den ausgewählten Künstlern festzuhalten gedenken. Das habe ich so von meinem früheren Label nicht gehört und es hat mir sehr gut getan. Ich gebe Gas, so sehr ich kann, will aber nichts überstürzen."