Die grossen Namen rund um Nortody
Text: Monthy
Bilder: Chris
"Die Jungs haben's drauf, nur – wer ist das?", fragt mich ein Besucher der Suppenalp während des Gigs von Nortody und trifft damit unbewusst ziemlich genau den Punkt. Hinter dem Namen Nortody verstecken sich einige Geschichten rund um klangvolle Namen. Daraus lässt sich dann auch erklären, wer Nortody sind und warum man ihren Namen noch nicht so gut kennt, wie man das vielleicht sollte. Aber immer hübsch der Reihe nach… - "Kanntest du Crossfade?", frage ich meinen Konzertnachbar und helfe ihm damit auf die Sprünge. Die Intensität seines Nickens ist einer Metal-Band absolut würdig. Crossfade ist die Band, die es vor Nortody gab und deren Songs im Repertoire der neuen Band teilweise fortleben. Dass das Namenskürzel Nortody zerstückelt und eingedeutscht "Kein Grund zu sterben" heisst und sich ganz hervorragend auf die Crossfade-Songs anwenden lässt, will die Band dann aber doch nicht beabsichtigt haben. "Es gibt keinen Zusammenhang. Die Aussage 'Kein Grund zu sterben' ist ein cooles Wortspiel, aber 'No reason to die' ist als Name natürlich zu lang. Deshalb die Abkürzung", erklärt Drummer Chaschper Häni nüchtern, wie 'Nortody' entstand.
Wem nun noch nicht klar ist, was das ganze Theater soll, dem muss man vielleicht noch sagen, dass Crossfade die ehemalige Band von Daniel Kandlbauer war, bevor dieser sich via Musicstar und eigener Band verselbständigte. Dass dies in der Szene zu mannigfaltigen Gerüchten rund um Crossfade führte, muss wohl nicht speziell erwähnt werden. Was ich mich frage, ist, warum die Band nicht als Crossfade weitergemacht und vom erarbeiteten Ruf des bekannteren Namens profitiert?. Aber so einfach ist das nicht, wie Leadgitarrist Gerry darlegt: "Das wäre nichts gewesen. Wir haben mit Crossfade abgeschlossen. Ich bin der einzige, der von Crossfade übrig ist. Wir haben damals selbst gesagt, wenn einer von uns vieren geht, egal welcher, dann ist es mit Crossfade zu Ende. Nortody hat damit eigentlich nicht viel zu tun, ausser dass wir einige Songs weiterhin spielen wollen."
Wie das meistens ist, wurde der Ausstieg von Kandlbauer und wohl vor allem sein Wechsel zum Kommerz-Produkt Musicstar als Bruch wahrgenommen, teils gar als Verrat. Für die Band selbst hingegen verlief der Prozess damals friedlich. Gerry: "Sehr friedlich sogar. Das ist allerdings so lange her, dass ich gar nicht mehr gross darauf eingehen will. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis, Dani hat zum Besipiel nach seinem Weggang bei uns als Gast gesungen. Wir jammen auch noch zusammen und haben's wirklich gut. Alle haben damals geglaubt, er höre wegen Musicstar bei uns auf. Aber das war nicht so. Wir hätten uns eh aufgelöst. Nicht weil wir Krach gehabt hätten, sondern wegen beruflichen und privaten Veränderungen und weil die Zeit gefehlt hat."
Nun spielen Nortody also die Songs von Crossfade weiterhin, sind aber ansonsten nicht etwa rückwärts orientiert. Chaschper: "Was wir machen, ist schon unterschiedlich. Die Songs von Crossfade hauen zwar tüchtig rein, sind aber im Aufbau doch eher simpel. Wir haben jetzt aber auch angefangen, komplexeres Zeugs zu spielen. Das ist wohl der Hauptunterschied." Dass der Drummer überhaupt etwas zum Thema Songwriting zu sagen hat, ist nicht gerade an der Tagesordnung bei Metal-Bands, erklärt sich aber beispielsweise aus Chaschpers Nachnamen. Sein Bruder Christian Häni hat schliesslich nicht nur mit dem "Aquarium" vorgelegt, sondern zeichnet bei Scream für die meisten Songs verantwortlich. Das Talent liegt also in der Familie. Ist es nun eher inspirierend oder eher belastend, so einen Bruder zu haben? – Chaschper: "Für mich ist mein Bruder ein grosser Vorbild und also inspirierend. Vielleicht auch, weil wir gar nicht die gleiche Musik machen. Eigentlich hat es mich nie belastet. Ich finde natürlich die Songs, die ich schreibe, cooler. Aber es gibt kein Konkurrenzdenken." Dass es die beiden Brüder in musikalisch verschiedene Gefilde verschlagen würde, hat sich dabei schon früh abgezeichnet. "Er hat schon immer viel Mundart gehört und mich hat es mehr Richtung Metal verschlagen. Dort ist einfach englisch die Sprache. Mundart-Metal halte ich eher für komisch…", erzählt Häni aus dem Familienalbum.
Wichtig wäre nun wohl, eine eigene CD zu produzieren, damit die Szene sich fortan an den Namen Nortody gewöhnen kann. Entsprechende Projekte sind aber noch nicht in Planung. Gerry: "Momentan stehen Live-Auftritte im Vordergrund. Auch weil sich unser neuer Sänger erst einmal richtig reinwühlen muss. Wir hatten jetzt so lange Probleme wegen der ständigen Wechsel am Mikrofon. Wir wollten ein Demo aufnehmen, aber es war bei den meisten Sängern ziemlich schnell klar, dass es gar keinen Sinn machen würde." Die Suche gestaltete sich vor allem deshalb schwierig, weil es im Berner Oberland viele und ziemlich gute Metal-Bands gibt, aber nicht so viele gute Sänger. Mit Luca Ariu scheinen Nortody jetzt aber the man gefunden zu haben, der zu ihnen passt.
Auf der Suppenalp fielen Nortody musikalisch ein wenig aus dem Rahmen, weil man 2007 ausschliesslich Lauterbrunner Bands gebucht hat. So wurden Nortody also von den beiden Mundartbands Scream und Hamschter eingerahmt. "Ich finde, das hat ein wenig Abwechslung rein gebracht", gewinnt Chaschper dem nur Positives ab und hat sich auch sonst in der alten Heimat pudelwohl gefühlt, "Ich bin ja eigentlich auch nicht mehr hier zuhause, sondern im Unterland. Ich kenne aber doch noch viele Leute und auf der Alp oben zu spielen, ist eh ganz besonders."