D-Verse City holen sich einen Tourbus
Text: Dino Dal Farra
Bilder:
musicbild.li
Auf diesen Moment haben sie alle sehnlichst gewartet: D-Verse City, OBK mit Gimma und Kandlbauer, die beteiligten Bands der ersten interaktiven Dokusoap Bands On Tour, mobilisierten am Freitagabend im Liquid in Bern vor einigen Hundert angereisten Fans ihre letzten Kräfte. Zuvor verbrachten die Musiker eine Woche, die nicht unbedingt gerade den stereotypen Traum eines Musikerdaseins verkörpert haben dürfte: Geld sammeln, die Werbetrommel rühren, um Schlafgelegenheiten buhlen und sich hie und da unter dem eigenen Wert zu verkaufen. Der Sieger von Bands On Tour, also jene Band mit den gesamthaft meisten Stimmen, durfte als letzte Gruppe und damit als so genannter Headliner auftreten. Bis „fünf vor Zwölf“ wusste aber weder das Publikum noch die Bands, wer als Gewinner die Liquid-Bühne verlassen würde. Erst eine ungemein kräftezehrende Woche, dann gespanntes Warten: War das nicht des „Guten“ etwas zuviel? Kandlbauer-Gitarrist Cyrill Camenzind kümmerte es wenig: „Es gibt wohl ein Riesenghetto auf der Bühne, denn bis jetzt weiss niemand, wer wann spielen wird“, verriet er noch kurz vor dem ersten Konzert im mehrheitlich gefüllten Liquid in Bern.
Bevor er mit seinen Kumpanen die Bühne entern durfte, mussten OBK mit Gimma ran: Sie glänzten in der Promowoche mit dem Leertrinken von Schaffhauser Bierbrauereien, anstatt Fans zu mobilisieren. Der dritte Platz und damit der erste Auftritt des Abends kam dem Bündner aber gerade recht: So konnte er nach dem Gig mit seinen Jungs gleich ins „Feierabendbier“ einsteigen. Doch vorher noch eine Überraschung: Anstatt das eigene Set gründlich in die Länge zu ziehen, zogen es OBK vor, 5 Tänzerinnen zu einem Medley aus Chartsongs ihre Hintern schwingen zu lassen. „Dasch öisi Rettig! Ohni sie weret miar verlore“, sagte Gimma dazu. Das sagt wohl alles.
Kandlbauer hat sich zwar mächtig ins Zeug gelegt, konnte aber den Neuenburgern D-Verse City den Schneid in Sachen Fanrekrutierung nicht abkaufen: Der Grindelwalder Rocker spielte als zweiter hinter Gimma, in der „goldenen Mitte“ des Abends. Vorteil oder Nachteil? Weder noch: „Ich bin mit allem zufrieden. Jetzt haben wir schon so viel ‚gchrampfet’. Wir ziehen es einfach durch“, sagte Daniel Kandlbauer. Und sie machten ihren Job gut: Kandlbauer war zwar stilistisch gesehen zwar die härteste Truppe, fand aber trotzdem ein gutes Mittelmass zwischen lautem Rock’n’Roll und sachter Darbietung. D-Verse City, deren Bühnenpräsenz eine Augenweide war, zeigten sich geradezu als Schauspieler: Frontmann Dayva und die zwei Ladies an seiner Seite boten tänzerisch wie musikalisch eine Inszenierung theatralischer Art. Besonders eindrücklich waren die „Slow-Motion-Moves“, die jeden Zuschauer in den ihres frenetisch bejubelten Auftritts zogen. Ein Theaterstück – der etwas anderen Art. Damit holten sie sich den Sieg im Wettbewerb – und einen nagelneuen Tourbus...