Open Season können’s nicht ganz lassen
2009 ist ein spezielles Jahr für Open Season. Zum ersten Mal in der unterdessen fast zehnjährigen Bandgeschichte spielt die zehnköpfige Crew um Sänger Santosh Aerthott ein ganzes Jahr lang nur im Ausland. Die Schweiz bleibt für einmal aussen vor – mit einer Ausnahme: Passend zum diesen Sommer veröffentlichten Album „Get Ready - Pure Vintage Scorchers“ liess man im Berner ISC eine stilgerechte Oldschool-Fete steigen. Gespielt wurden also ausschliesslich die Songs des erwähnten Longplayers und – weil sich damit natürlich keine Headliner-Show füllen läst – einige passende Covers aus den 60ern.
Vor dem Gig traf ich Santosh im benachbarten Sous le Pont zum Interview. „Wir hatten dieses Oldschool-Ding schon länger im Kopf. Nun, wo wir eh eine Pause geplant hatten, war genau der richtige Zeitpunkt dafür. Wir haben da nicht auch nicht lange rumgedoktert. Zwei Wochenenden waren wir im Studio, haben alles live eingespielt und die Sache dann belassen wie sie war. Das war der Deal und das ist es auch, was diesen Aufnahmen ihren Charme verleiht.“ Entstanden sind sie in Zusammenarbeit mit Admiral James T., welcher mit seinem Vintage-Equipment einen nicht unwesentlichen Beitrag zu deren authentischem 60ies-Sound geleistet hat. Erschienen ist „Get Ready - Pure Vintage Scorchers“ in einer streng limitierten Auflage von 1000 handnummerierten CDs und 300 LPs.
Erstaunlicherweise brauchte das Publikum an diesem Abend den einen oder anderen Song zum warm werden. „Ihr seid wohl noch etwas eingerostet“, erfasste Santosh nach zwei Songs die Situation scharfsinnig. Ob das ungewohnte Set oder die lange Abwesenheit von Open Season dafür verantwortlich waren, vermag ich nicht zu beurteilen. Fest steht aber, dass sich die Menge im längst ausverkauften ISC dann doch noch dazu animieren liess, ihren Hintern zu bewegen und das stilvolle Konzert mit etwas mehr Hingabe zu geniessen.
Die Oldschool-Show im ISC war gleichzeitig auch der Start des dritten Teils der diesjährigen Europatour von Open Season. Bereits einen Tag später spielte man im belgischen Mechelen, bevor es weiter nach Prag ging. Nimmt man den Tourplan der Berner etwas genauer unter die Lupe, fällt auf, dass besonders viele Gigs in Osteuropa auf dem Programm stehen bzw. standen. Darauf angesprochen, mein Santosh: „Ja, wir haben tatsächlich viele Konzerte in diesen Ländern. Von Anfang an haben wir dort extrem viel Herzlichkeit erfahren und viele Leute können sogar unsere Texte mitsingen. Dieser Zuspruch könnte auch damit zusammenhängen, dass der Markt dort noch nicht so übersättigt ist, wie in Westeuropa. So bekommt man vom Publikum sehr viel zurück – und das macht Spass!“
Im nächsten Jahr ist dann wider die Schweiz dran. Erst soll eine neue Single und anschliessend auch wieder ein Album erscheinen. Dem Festivalsommer folgt im Herbst eine Clubtour durch das Heimatland. „Das ist das erste Mal in unserer Bandgeschichte, dass wir überhaupt soweit Planen“, betont Janosh. „Wir haben das bisher nicht gemacht und einfach gespielt, was rein kam. Nun war es aber einerseits nötig, weil wir alle nicht mehr ganz so unabhängig sind, wie wir das früher waren und andererseits sind wir in der glücklichen Lage, nicht mehr alles annehmen zu müssen, was uns angeboten wird. Das ist eine coole Situation und das geniessen wir auch.“