Gampel 04 - "Mier chumen alli älter"
Text: Ko:L
Bilder: MonthyChristo
Als wir Jungs von Trespass.ch das erste Mal das Openair Festival in Gampel besuchten, verzeichneten die Veranstalter über drei Tage rund 25´000 Besucher. Heuer waren es allein am Freitag Abend 22´000 Besucher. Es gibt Magazine, die nach Gampel 2004 schreiben, das Festival habe sich "zu einem musikalisch ernst zu nehmenden Event" gemausert. DRS3 hat es heuer tatsächlich auch noch ins Wallis geschafft - das erste Mal überhaupt - und just in dem Jahr, als sich Gampel zur Nummer 1 in der Deutschschweiz aufgeschwungen hat - Tendenz steigend. Das Openair Festival Gampel ist ein Phänomen - und es sorgt für Zündstoff: Für Teens ist es zu einer echten Must-Party geworden, für Ur-Gampjer zu einem im Alkohol- und Drogenrausch ersaufenden Kindergarten. Die beiden Fraktionen werden sich wohl nie finden...
"Damit wir diese Vorwärtsstrategie weiterverfolgen können, müssen wir Anpassungen vornehmen", ist sich der Medien-Chef des Festivals bewusst. So ist bereits die Rede davon, das Festival-Gelände zu vergrössern, "damit mehr Leute direkt vor der Bühne Platz haben, und sie sich nicht ums Mischpult herum verteilen müssen." Aber auch eine kostenpflichtige Warmwasser-Duschzone wird diskutiert. Und wenn wir schon dabei sind: Im Gelände wurde der Ruf nach mehreren Eingangsschleusen zum Camping laut - und damit der Ruf nach strengen, aber fairen Gepäck-Kontrollen. "Denn Glas im Gelände ist einfach Scheisse", brachte es Thomas aus Luzern auf den Punkt. Und Evelin aus Meiringen meinte, der Ein- und Ausgangsbereich zwischen Festivalgelände und Camping sollte unbedingt grösser werden. Nun - die Organisatoren werden nicht drum herum kommen, sich solche Gedanken ebenfalls zu machen. Denn bisher waren ausser am Camping kaum einschneidende Massnahmen nötig, um dem immer grösseren Besucheransturm gerecht zu werden. Nun sind aber definitiv vorausschauendes Denken und Innovation gefragt.
"Wir wollen weiter wachsen", macht Media-Boss Oli Imboden klar, und fügt weise an: "Weisch Zysset, mier chumen alli älter!" Wie recht er hat. Mit beiden Aussagen: Gampel muss weiter wachsen, um den Platz, den sich das Festival mittlerweile erarbeitet hat, auch halten zu können. Vielleicht sehen es dann auch die Telekomanbieter ein. "Wir haben uns in den letzten Jahren immer um einen Partner bemüht, zum Beispiel um Ladestationen für Handies aufs Gelände zu holen. Und jedes Jahr wurden wir vertröstet", erzählt Imboden. Nun - vielleicht wittern die Telekom-Riesen ihre Chance nächstes Jahr. Denn wenn Gampel weiter wachsen will, dann werden in den nächsten fünf Jahren sechsstellige Zuschauerzahlen zum Thema - und das Festival damit definitiv zum Mega-Event - vor allen anderen ausser dem Paleo in Nyon.
Vorausschauend und innovativ hat sich aller Unkenrufe zum Trotz das Programm des Gampjer Festivals in den letzten Jahren präsentiert. Jahr für Jahr ist dem OK, allen voran dem Programmverantwortlichen Roman Pfamatter der Kunstgriff gelungen, Klassiker, aktuelle Trendsetter und Geheimtipps aus dem In- und Ausland ins Wallis zu holen. Die zwei Konstanten "junge Walliser Bands" und "grosse alteingesessene internationale Acts" haben sich wie ein roter Faden durch die Geschichte des Festivals gezogen. Und zwischendrin wird immer wieder das ganze musikalische Spektrum abgedeckt. Dies ist ganz sicher eines der Erfolgsgeheimnisse. Und dieses soll weiterverfolgt werden. Oli Imboden: "Wir überlegen uns, im nächsten Jahr den Donnerstag ganz im Zeichen der letzten 20 Jahre Gampel zu präsentieren. Als eine Art Best Of mit Namen wie Uriah Heep oder Nazareth. Aber wie gesagt, das sind erst Ideen - fix ist noch nix!" Nun, wenn´s klappt freuen wir uns - und vielleicht ist dies der Ansatz, die jungen versoffenen Teens und die Ur-Gampjer an einem Festival zu vereinen.