Gampel 2000 - 15 Jahre "di Party!"
Warum ich seit 4 Jahren alle ebensolchen wieder wie von Sinnen ausgerechnet ins Wallis düse, um an frischer Luft laute Musik zu erleben, ist schnell erklärt: Das OpenAir Gampel ruft - und alle hören es und kommen; aus Zug, aus der Ostschweiz, dem Berner Oberland, natürlich aus der näheren Umgebung und - wenn auch nicht so zahlreich wie erwünscht - sogar aus dem Unterwallis und der Romandie. 1986, als alles anfing, waren es gerademal 500 Besucher - das fünfzehnte Walliser Rockfestival vom 18. bis 20. August 2000 zählte sensationelle 36‘500 Eintritte, davon 15‘500 alleine am Samstag. Damit war das Gelände des „AlpenAirs“ erstmals ausverkauft und Gampel etabliert sich endgültig unter den Top5-OpenAirs des Landes - zumal das einzige, das sich dabei noch einer familiären Atmosphäre rühmen darf! Wer einmal nach Gampel kommt, dem geht‘s vielleicht wie mir und bald einmal sind diese 4 Tage in der Agenda rot angestrichen. Am Donnerstag packe ich alles Nötige und Nützliche nebst viel Fotoequipment ins Auto, das mich über Thun durch den Lötschberg mitten hinein nach Gampel trägt. Dann ist erstmal Platzreservierung angesagt, Zeltbau, Erkundungsgänge, Holzholen usw. Aber schon am Donnerstag Abend ist Gampel eine einzige Festhütte mit noch eingeschränkter Getränkeauswahl. Die Vibes schwingen, „walliserdiitsch“ liegt in der Luft und Tequilla geht runter wie öl. Viele Läden schenken aus, sobald die Bar steht und machen fleissig Umsatz bis am frühen Sonntag Abend. Dazu laden Partyzelte, Lunapark, Ladenstrasse und Imbissbuden; Postomat, Yellow Net und gleichfarbige Lounge für Members. Die Musik spielt geflissentlich überall, hauptsächlich und wechselweise aber auf der kleineren Zeltbühne und der von Joe Cocker erstmals voll ausgefüllten Hauptbühne. Daneben ist auch die Zeltstadt ein Erlebnis - vor allem mit guter Location, easy neighbours oder Eingeborenen-Anschluss...
Das eingespielte Organisationskomitee um CEO Mario Kohlbrenner stellt jährlich ein toporganisiertes Event auf die Beine, das sich eine solide Stammkundschaft erworben hat. Nun will man auf dem Weg der Konsolidierung weitergehen und nicht in erster Linie grösser, sondern noch attraktiver und besser werden. Das auch hinter den Kulissen ruhigste OpenAir der Top5 will seinen Familienbonus nicht hergeben. Weitere Vorzüge Gampels sind das erfahrungsgemäss meist sichere Wetter und die Ambiance der majestätischen Berge. Die Hauptsache ist und bleibt natürlich die Musik: Ohne Joe Cockers spastische Armbewegungen auf der Bühne, die ruhigen A-Capella-Oasen während des Chambawumba-Gigs oder die respektvolle geschwungene Schmalzlocke des Kings fänden sich wohl kaum 10‘000 Picknicker zusammen, um ein langes Wochenende durchzufeiern.
Das Jubiläumsprogramm schien beinahe eine Hommage ans eigene Tun zu sein. Mit den Picknickern Fanta 4 am Freitag, dem buchstäblich unvergesslichen „N‘oubliez jamais“-Cocker am Samstag und dem Vater des Mundartrock himself Polo Hofer am Sonntag wurde die diesjährige Ausgabe irgendwie zum Festival der „alten Herren“. Dieses Image hing in den Anfangszeiten am langsam gewachsenen Anlass, weil Uriah Heep, Nazareth und Marillion die Headliner früher Jahre waren. Bis 1991 dauerte der ganze Spuk übrigens nur zwei Tage und von heutigen Dimensionen war man weit entfernt. 1994 kam Marla Glen ins Tal, wenn auch zu spät zum eigenen Gig aber doch als Botin einer neuen Epoche. Sie holte zwei Jahre später alles nach, was sie verpasst hatte. Seither haben DogEatDog, Therapy, Jimmy Cliff, Clawfinger, Bad Religion oder Gianna Nannini den Weg ins Tal gefunden und das Bild Gampels in der Bevölkerung neu gemalt. Heute deckt das Programm bewusst verschiedene Stile ab, bietet leichte Unterhaltung mit Liquido oder einen Hauch ewigen Lebens vom King - eine Portion Anarchie von Chambawumba oder eine Scheibe Heimat dank prozentual hohem Anteil von Schweizer Künstlern. Jedenfalls bieten die Walliser immer etwas Spezielles, teils bedingt durch den Termin Ende Saison, teils auch ganz gewollt. Ziel sei es, dass der Besucher mit einem Lächeln auf den Lippen nach Hause gehe, kommentiert Programmgestalter Roman Pfamatter sein Werk.
Text/Bilder: Monthy