Trespass & Gampel zum Zehnten
Text: Ko:L
Bilder: Debi/Eve/Chris
Mag sein, dass die folgenden Zeilen leicht persönlich gefärbt sind – aber zu meinem persönlichen Jubiläum – Zum zehnten Mal in Folge in Gampel – nehm ich mir diese Freiheit… Seit 1998, dem zweiten Besuch in Gampel, ist das Gefühl beim Verlassen des Autozuges in Goppenstein immer das selbe: „Ich komme nach Hause!“ Wenig später der Blick von der Südrampe auf die Zeltstadt, die von Jahr zu Jahr grösser wird, wenig später der Duft der unzähligen Food- und Drinkstände, der eigenwillige Soundmix – und nicht zu letzt der Wind, der den Regen vom Wallis abhält (zumindest meistens): Das ist zu Hause, das ist Gampel.
Kämpften die Veranstalter in unseren ersten Gampel-Jahren noch krampfhaft darum, die Grenze von 30'000 Zuschauern endlich zu knacken, ging es heuer darum, nach dem leichten Zuschauerrückgang im letzten Jahr wieder 80'000 Zuschauer ins Wallis zu locken. Jaja, Gampel ist in den letzten zehn Jahren zum grössten Openairfestival der Deutschschweiz geworden… Nach einem musikalischen Krausimausi 2005 gingen die Booker über die Bücher und setzten heuer gezielt auf Rock und Independet. In einem Punkt blieb sich das OK treu: Auch die Ausgabe 2006 des Openair Gampel setzte auf einen fetten Anteil Schweizer Musik. Andere Veranstalter könnten sich hievon ein Stück abschneiden… Schon der Auftakt am Donnerstag Abend machte zumindest musikalisch klar, dass sich die CH-Szene in nichts vor den internationalen Acts verstecken muss: Edit Presents bewiesen, dass es The Prodigy auch made in Switzerland gibt – und A.F. nutzen ihr Heimspiel um ungebremst loszupunken.
Freitag stand dann ganz im Zeichen von Muse: Die britischen Emo-Rocker führen seit Wochen die LP-Charts an und es war entsprechend wenig verwunderlich, dass der Freitag schon im Voraus ausverkauft war – und damit den Veranstaltern einmal mehr ein Problem aufzeigte, das seit eh und je herrscht: Die Schleuse vom Camping zum Festivalgelände und zurück ist zu eng. Bei 30'000 Besuchern auf dem Gelände, reicht ein Durchgang mit drei Kanälen nicht, um die Besucherströme effizient abzufertigen. Aber das war schon immer so in Gampel – und wurde auf den ebenfalls ausverkauften Samstag hin insofern korrigiert, als dass mehr Durchgänge für das Publikum geöffnet wurden.
Zurück zu Musik. Mit Envy. standen traditionsgemäss die Gewinner des Powerband-Wettbewerbes zum Auftakt des Tages auf der Bockbühne – aka Zeltbühne. Flotten Ska-Rock auf hohem Niveau boten die sieben jungen Walliser. Sie nutzten ihren Heimvorteil gnadenlos aus und feierten zusammen mit dem Publikum flott ab. Gimma definiert anschliessend zusammen mit Skafari den Begriff „Featuring“ neu: Bloss zwei Songs spielte der HipHopper zusammen mit er Churer Skarock-Cover-Guge gemeinsam. Davor präsentierte er seine aktuellen Songs zusammen mit Modo und Skafari spielten ein paar der grössten Hits aus den Siebzigern in ihrem ureigenen Party-Style. Redwood war es schliesslich vergönnt, das Gampjer Publikum sachte vom Nachmittag in den Abend zu begleiten – mit gewohnt feinen Melodien und Rock bei dem Mitwippen von der Pflicht zur Lust wird.
Den Abschluss des Samstags übernahmen in Sachen CH-Acts Scream&Strings&Specials. Der spezielle Name deutete es schon im Voraus an: Die Show würde eine Bombe werden – und sie wurde es. Das Herz eines jeden Music-Addict nahm Luftsprünge, als die Oberländer zusammen mit Streichern, Schmidi Schmidhauser (Stop the Shoppers), Coal und Serge Christen (Moder Day Heroes) die Grenzen zwischen Rock und Klassik ausloteten und so einen würdigen Start in den Alternativerock-Abend boten.
Nach Alternativerock am Samstag brachte der Sonntag den traditionellen Gampjer Familien-Genuss- und Freudentag. FSG eröffneten um elf Uhr – und brachten mit ihrem süffigen Pop-Rock-Reaggae aus Bern die Sonne zurück und das Wippen in die Hüften. Ivo und sein melodischer Stadionrock waren anschliessend darum besorgt, die übernächtigte Festivalcrowd vollends zu wecken. Patent Ochsner waren darauf darum besorgt, mit gewohntem Feelgood-Sound und der neu entdeckten mexikanischen Leichtigkeit in den Bläser-Arrangements auch die letzten Wolken zu vertreiben und für den ersten Grossaufmarsch des Tages vor der Hauptbühne zu sorgen. Dada (ante Portas) hatten schliesslich auf der Bockbühne die Ehre, den Schweizer Reigen am Openair Gampel 2006 abzuschliessen.
Mit erstmals über 80'000 Besuchern in vier Tagen hat das Walliser Festival seinen Status als grösstes Festival der Deutschschweiz weiter festigen können – und damit bewiesen, dass auch mit einem hohen Anteil an (teils unbekannten) Schweizer Bands (12 von 31) ein grosser Publikumsaufmarsch zu realisieren ist. Trespass sagt: Danke, das macht Mut für die Zukunft.