Sektor Oberland: Die Rap-Stimmen des Berner Oberlands
Text: Ko:L
Bilder: Sektor Oberland
Sie sind fünf – zwei Rapper, ein DJ, ein Gitarrist und ein Bassist – und sie kommen (fast) alle aus Interlaken. Sektor Oberland. Einzige Ausnahme: DJ J.J. Er kommt aus Fraubrunnen. „Keine Ahnung, warum wir keinen aus der Region haben“, sagt Rapper Eru, „vielleicht gibts nicht genügend gute DJs.“ Was zweifelsohne auch für HipHop-Bands gilt. „Doch, doch, bei uns ist HipHop ziemlich angesagt“, widerspricht Eru dem Klischee, im Berner Oberland werde nur bodenständig gerockt. „In unserem Publikum haben wir viele junge Einheimische.“ Und dieses Publikum ist trotz der noch jungen Bandgeschichte – 2006 ging die Crew an den Start – bisweilen schon beachtlich. Auf dem Flugplatz Interlaken jubelten den Jungs, die im Schnitt um die 19 Jahre alt sind, gegen 500 begeisterte Fans zu. „Das war cool“, sagt Bassist Luk.
So ganz ohne Rock gehts allerdings auch in der Geschichte von Sektor Oberland nicht. „Wir haben beide schon vorher in einer Band gespielt“, erzählt Luk, „in einer Rockband.“ Das sei aber nicht gut gekommen, berichten beide übereinstimmend. „Unter anderem weil keiner singen konnte“, meint Eru mit einem Grinsen im Gesicht. „Da lag es nahe, dass wir versuchen, was mit Rap zu machen.“ Und es hat sie heftig gepackt. Zwar hört Eru noch heute „sehr gerne härteren Rock – das Greenfield-Lineup triffts jeweils ziemlich gut“, wie er sagt, aber er hat auch in Sachen Rap in der Schweiz zwei exquisite Lieblinge: „Baze ist cool und Knackeboul find ich auch extrem stark.“ Warum? „Knackeboul rappt technisch hervorragend und beide haben auch Lyrics mit wirklich starkem Inhalt“, schwärmt Eru.
So sind auch die Ansprüche, welche Sektor Oberland an sich selber haben, hoch: 2006 kamen die Jungs zusammen und brachten schon im selben Jahr eine erste EP raus, 2007 folgte der erste Longplayer, der heute radibutz ausverkauft ist. Mittlerweile sind die Aufnahmen für den zweiten Longplayer abgeschlossen, der Finish läuft. „Wir wollten jetzt mal was wirklich Gutes machen“, sagt Luk. So haben sie in den letzten Wochen alle einzeln in Guggis – dem zweiten Rapper – Studio ihre Parts eingespielt. „Zum ersten Mal haben wir vier Tracks mit der ganzen Band aufgenommen“, erzählt Eru. Dies, weil die Musiker erst nach und nach hinzugekommen sind; aber auch, weil die Songs heute in einer Art gemeinsamer Ideen-Schmiede entstehen.
„Einmal in der Woche treffen wir uns im Bandraum“, sagt Eru, und Luk ergänzt: „Zum Jammen, aber auch um neue Ideen zu entwickeln, auszuprobieren oder zu verfeinern.“ Will aber nicht heissen, dass Sektor Oberland bloss einen Tag die Woche für die Musik investieren. „Wir kommunizieren über ein Forum im Web; dort laden wir Sound- oder Textfragmente hoch und diskutieren neues zusammen“, erklärt Eru. Texte, die aus seiner und Guggis Feder stammen; Sounds welche Luk und Gitarrist Grütta aushecken. „Aus zehn Ideen entwickeln wir vielleicht fünf weiter“, schätzt Eru. „Aufs Album schaffen es dann vielleicht noch drei, vier.“
Erscheinen soll der Silberling Anfang März – als CD, aber auch online. „Wir wollen, dass die Jungen den Sound gratis herunterladen können“, sagt Luk, „alles andere hat heute eh keinen Sinn mehr.“ Die CD produzieren sie in Eigenregie und verkaufen sie „wahrscheinlich so für 15 Stutz“, wie Eru sagt. „So und mit den Gagen aus den Konzerten kriegen wir genug Geld, um kostendeckend musizieren zu können.“ So einfach wärs...