The Order – Last Orders please
11.5.2011; Text: Monthy, Bilder: The Order
The Order haben Pech an diesem Freitag, der für mich Trespass-technisch schon älter als zwölf Stunden ist. Wir profitieren ja gerne davon, dass Bands live zumeist im Rudel auftreten und wir in ein und demselben Club gleich zwei an einem Abend befragen können. Aber gerade im Frühling mit unglaublich vielen CD-Releases kann es auch mal zuviel werden. So hatte ich schon zum Frühstück ein Interview und am Abend im Moonwalker, Aarburg sind The Order das zweite. Also eröffne ich dem Quartett feierlich, ich hätte Kapazitäten, um zwei Interviews an einem Tag vorzubereiten. Sie seien das dritte - und ausserdem wüsste ich auch gar nicht so viel von The Order…
Gitarrist Brünu opfert sich und erklärt gespielt naiv: "Also - The Order sind eine Hardrockband aus Bern, Zürich und Basel. Wir existieren seit fünf Jahren und haben bisher drei Alben releast. Drei von uns stammen ursprünglich von Gurd, Gianni ist ansonsten Sänger bei Pure Inc… - ach ja, und wir arbeiten an unserem neuen Album." Natürlich habe ich etwas geflunkert, als ich provokativ Unwissen über The Order vorspielte. Etwas weiss ich nämlich schon – und setze es nun gegen die Band ein. "Euch hängt ja ein bisschen der Ruf an, eine zusammen gewürfelte Truppe zu sein", setze ich weiter auf Frechheit. Brünu wehrt sich: "Das kommt immer wieder… Dabei haben wir unsere drei Platten in identischer Zusammensetzung heraus gegeben." Warum The Order also von vielen als Nebenprojekt Giannis oder als Soloprojekt Brünus empfunden wird, kann sich die Band selbst nicht erklären.
Das neue Album wird "1986" heissen – "…weil es genau so tönt", beantwortet Brünu mein "Warum?" genauso lapidar wie ich gefragt habe. Drummer Tschibu fügt an: "Es soll auch eine Hommage an die Bands sein, mit denen wir aufgewachsen sind und die uns geprägt haben." Weiter ketzerisch bleibend, werfe ich ein, ob sie denn an die erfolgreichen Zeiten des Hardrocks anschliessen wollten? – Brünu lacht beendet meinen Satz mit den Worten: "…was sicher nicht eintreffen wird." Als ich ihn bitte, mir anhand des Albums doch zu erklären, was denn das Spezielle an The Order sei, meint er, das könne ich ja dann später selbst bestimmen. Ich enttäusche ihn ungern, fürchte aber schon, was danach auch tatsächlich eintrifft. The Order betreten die Bühne für den Soundcheck um 23.10. 7 Minuten später fährt mein letzter Zug ab. Als ich der Band diesen Umstand kundtue, wendet sich Brünu gespielt enttäuscht ab und meint: "Dann brechen wir das Interview hier ab… oder besser gesagt: wir führen es dann nach dem Konzert."
Schliesslich lässt er sich aber doch erweichen: "Wir machen immer wie mehr klassischen Hardrock. Es verschiebt sich wirklich immer mehr in die 80er hinein. Das war auch unser Wunsch, als wir angefangen haben – die Musik machen zu können, die wir selbst am meisten schätzen." Damit stehen The Order genau dort, wo im Moment die Meinungen zum Thema Hardrock auseinander gehen. Die einen machen modern geprägten, die anderen entwickeln sich immer mehr zu Puristen. Das allerdings beschränkt sich bei The Order auf das Resultat. "Es ist nicht so, dass wir immer noch analog aufnehmen und auf alle modernen Hilfsmittel verzichten würden." 1986 hätten sie aber noch keine grauen Haare gehabt, wende ich mit einem Seitenhieb auf Bassist Andrej ein, der seine graumeliert trägt. "Nein, dafür lange – und ein Töffli", gibt er ungeniert zurück und gibt damit zu, dass die Bandmitglieder 1986 noch arg jung waren. "15, 16…", lautet der allgemeine Tenor und einer sei noch gar nicht geboren gewesen – oder er hat zumindest noch kein Töffli gehabt. Im allgemeinen Gelächter der Aufnahme lässt sich das nicht mehr feststellen… Das neue Album sei ja in dem Fall auch so etwas wie eine Midlife-Crisis bei Rockern, meine ich und gefährde damit meine körperliche Unversehrtheit. Zu meinem Erstaunen nicken aber alle und meinen: "Doch wahrscheinlich schon…" Brünu lässt sich gar zur Aussage hinreissen: "Jetzt brechen alle Dämme und die letzten Hemmungen fallen. Wir setzen alles auf eine Karte."
Dass an diesem Abend im Moonwalker, Aarburg nicht alle Plätze besetzt sind, "…schleckt kein Bär weg", wie Tschibu – oder wars Andrej? – in Anspielung auf die Charity für Tanzbären witzig bemerkt. Brünu zeigt gar etwas Verständnis für die fehlenden Leute: "Bei diesem Wetter würde ich natürlich auch lieber im Garten sitzen und ein Steak grillen…" Das allerdings glaube ich wiederum nicht. Ich kenne doch diese Rocker – wenn's auf die Bühne geht, gibt's kein Halten mehr. Brünu: "Besonders weil wir nur etwa zehn Gigs im Jahr spielen…" Sänger Gianni stand bisher schweigend daneben. Ich wende mich nun auch noch ihm zu, speziell weil momentan bei seiner eigentlichen Band Pure Inc der Wurm drin ist. Ich will also wissen, ob die Zweitfamilie nun umso wichtiger für ihn sei. Gianni gibt Einblick ins Bandleben: "Da dies eine Amateurband ist und auch bleiben wird, handhaben wir auch alles so. Wir proben einmal im Monat, wenn's hoch kommt – und noch einmal bevor wir ins Studio gehen. Momentan pushe ich natürlich aber hier schon etwas mehr, weil sonst nicht viel läuft." Auf die Nerven geht er den anderen aber deswegen nicht. Und von wegen Proben meint Brünu: "Wer üben muss, kann nichts… Vielleicht passt ja alles deshalb so gut, weil wir diesen lockeren Umgang miteinander seit fünf Jahren pflegen." Und damit wären wir dem Geheimnis dann wahrscheinlich doch noch auf die Spur gekommen…