Copy & Paste: Geboren, um Musik zu machen
19.1.2012/Text: Ko:L, Bilder: Promo
Sie passen in keines der gängigen Hochglanzkitschchlubformate im Stil von 20 Mintuen Friday. Und sie passen schon gar nicht in die Clubs, deren Klientel eben diese Formate bedienen. Und doch gibt es in Bern derzeit nur wenige, die konsequenter Disco und Electro zu sein scheinen, als Copy & Paste. Aber eben: Was wie Electro scheint, ist in Tat und Wahrheit Punk as Punk can be. „Wir sind musikalisch tief im Punk und Rock verwurzelt“, sagt Shy Anne, „und wir fühlen uns dort immer noch sehr heimisch.“ Die Folge: Das Duo steht zwar ausschliesslich mit elektronischen Geräten auf der Bühne, anstatt mit „richtigen“ Instrumenten – aber Copy & Paste rocken eine Show, von der manche Rockband nur träumt. Aber eben: Das nicht alltägliche Setting hat auch schon Buchungen an Electro-Events eingebracht. „Das hat nicht immer gepasst“, sagt Cheyenne lächelnd, „etwa wenn wir es nach einem kühlen Minimal-Act so richtig haben krachen lassen.“
Nach dem Debut „Disco Romance“ und der EP „If it’s ok for you“ ist „Faire du bruit“ das zweite Fulllength-Album des Berner Duos, das einst mit der Punkband Robbies Millions die Bühnen unsicher machte. Shy Anne betont, dass die Arbeit am Album ganz anders gelaufen sei, als bei den früheren Releases im Duo. „Wir wussten jetzt, wie wir all die elektronischen Geräte bedienen können und müssen und konnten erahnen, was herauskommen wird.“ Namentlich beim Debut war das noch ganz anderes. „Mi Shu und ich kommen beide aus einer musikalischen Ecke, in der man die Töne von Hand und im weitesten Sinn mechanisch kreiert und nicht elektronisch. Copy & Paste war für uns ein kompletter musikalischer Neuanfang.“ Ein Spielplatz? „Ja - und wir haben riesigen Gefallen gefunden an diesem Spielplatz.“
War beim Debut noch Entdecken einer neuen Welt der Hauptantrieb, so habe Mi Shu beim kreieren der Sounds für „Faire du bruit“ stark darauf geachtet, dass die Sounds möglichst voll, kräftig und satt daherkommen. „Er ist ein Perfektionist“, sagt Shy Anne. Sie muss es wissen, schliesslich ist sie seine Ehefrau. Und sie weiss: Würden sie nicht diesen Disco-Trash machen – „Electro-Punk“ mag sie nicht, weil es ein Modewort ist – würden sie irgend etwas anderes mit Musik machen. „Wir sind geboren, um Musik zu machen. Wir könnten nicht ohne“, ist die Bernerin überzeugt. Und als ob ein Beweis für ihre Leidenschaft für die Musik nötig wäre, erzählt Shy Anne die Annekdote von der Entstehung von „Faire du bruit“ auf Sardinien: „Wir verbrachten sehr viel Zeit im Kleiderschrank unserer Wohnung, wo wir das Album aufnahmen, während andere den Strand genossen. Wir können einfach nicht nur rumliegen.“
Was aber nicht heissen will, dass das Berner Paar sich und ihre Musik zu ernst nimmt. „Wir machen Musik ohne Plan“, sagt Shy Anne. Die für Copy & Paste-Verhältnisse Ballade „Part of“, eine Ode an die Stadt mit dem Fluss, sei ziemlich spontan entstanden – und passe eigentlich gar nicht in das Vollgas-Bild des Duos, ist sich die Sängerin bewusst. „Aber er hat mir gefallen und ich wollte ihn unbedingt auf dem Album haben.“ So einfach ist das.
Und so machen Copy & Paste weiter das, was sie immer gemacht haben: Was sie wollen und nicht nicht unbedingt, was man erwartet von ihnen. Auch wenn das Geschäft besser läuft, als es Shy Anne und Mi Shu je zu träumen wagten. Mit ihrem „handgemachten Electro“ – Copy & Paste bedienen sich nicht in Sampling-Bibliotheken, sondern generieren all die elektronischen Sounds selber, in Handarbeit – sorgen sie im In- und Ausland für Aufsehen. Shy Anne lächelt, wenn sie sagt: „Wir wollen jetzt mal schauen, was dieses Jahr bringt. Derzeit spielen wir praktisch jedes Wochenende zwei Gigs und wir sind bereits weit ins Jahr gebucht – vor allem im Inland, Gespräche über Gigs im Ausland laufen. Und es würde mich sehr freuen, wenn wir ins Ausland reisen könnten.“