Pÿlon - Armoury of God (Quam Libet Records/Non Stop Music)
15.4.2011; Text: Monthy, Bild: Cover
Metal hat seit jeher mit Religion zu tun. Oft allerdings nur dem Anschein nach. Und oft nur mit dem dunklen Teil davon, dem Bösen.Weil die Bösen machen ja Metal und so... Es wurde also einmal Zeit, dass eine Band sich etwas eingehender mit dem Thema beschäftigt. Und dass dies die Aargauer Pÿlon sind, entbehrt nicht einer gewissen Logik. Zwei der drei Bandmitglieder stecken schliesslich hinter QLR, schlichtweg dem Metal-Label des Landes. Matt Brand, Sänger und Leadgitarrist, und Jan Thomas, Gitarre, Bass und Gesang, kennen sich aber nicht einfach nur in der Szene aus und sind deshalb befähigt, Songwriting zu betreiben. Sie tun es, wo andere nur einen Grund zum Moshen suchen. Hier heisst es aber für einmal mehr Moscheen - jedenfalls könnte der Titel eines Instrumental-Tracks auf so einer prangen, ist entweder arabisch oder eher noch hebräisch. Beim anderen fremdartig betitelten Track würde ich auf Griechisch tippen, allenfalls Russisch. Dazu findet man auch noch ein Zitat von Hiob im Booklet, dem vielleicht interessantesten Buch unserer Bibel. Nun soll man ja ein Buch - oder eine CD wenn wir schon dabei sind - nie nach ihrem Cover beurteilen und ich masse mir gewiss nicht an, über jemandes Glauben zu schreiben. Pÿlon sind trotz Thematik irgendwie weit weg vom gängigen Black-Metal/White-Metal-Schema. Dem Gefühl schon beim ersten Durchhören nach ist "Armoury of God" eine durchaus gelungene und sehr differenzierte Version des kultigen Kriegermythos, dem im Metal nicht erst seit Manowar gehuldigt wird. Mit dem Album beweist das Trio - Brand und Thomas werden von Drummer Andrea J.C. Tinner komplettiert - jedenfalls seine ureigene Spiritualität. Dabei sind Pÿlon dem Salbungsvollen, das beispielsweise im Katholischen stark ausgeprägt ist, auch durchaus nicht abgeneigt. Das äussert sich natürlich textlich, wo es um die apokaliptische Armee der Engel Gottes geht. Die Faszination des Werkes strahlt durchaus ab und ist hart erarbeitet. Fast zwei Jahre haben sich Pÿlon bis zum Release mit mit der Materie und dem Material befasst. Musikalisch ist Doom Metal mit seinem schleppenden Tempo und der dunklen Atmosphäre, die auch Raum lässt, wie geschaffen für die Hymnen der Metal-Philosophen. Das ist Metal mal ganz anders. Feinheiten wie die Chöre des Eunuchenchörlis Dättwil verleihen "Armoury of God" noch zusätzlich Geist. Und wenn man dazu wieder Körper und Seele rechnet, die vom Sound beide angesprochen werden, wären wir auch wieder bei der heiligen Dreifaltigkeit angekommen - Viel besser als die sonst oft übliche unheilige Einfältigkeit.