PG4 – Phalanx
Text: Bäumli
Bild: Cover
Ein P für Park, ein G für Geschoss und die 4 steht für die Etage – Parkgeschoss 4. Etage – oder eben PG4. Das Parkhaus, von dem die Rede ist, steht in Spreitenbach. In eben diesem Parkhaus auf eben dieser 4. Etage befindet sich der Proberaum der Crew, von deren Album hier die Rede ist. PG4 existiert in der aktuellen Zusammensetzung seit 2004, die Gründungsmitglieder der Crew rocken aber seit nunmehr sieben Jahren Sessions in besagten Proberaum. PG4 – das sind die DJs Scoop, Target und Jedy, die MCs Deinon, Schenkel, Op-C, Tenor, Produzenten und Beatschmiede Schmitz und DJ Raid. Neun Männer bilden eine Schlachtreihe, eine Phalanx. Das stärkste Glied dieser Phalanx ist DJ Raid, seines Zeichens der Kopf des Kollektiv. Er besticht zum einen mit seinen blitzsauberen technisch hoch stehenden, manchmal atemberaubend schnellen Cuts, und zum andern mit zumindest einem Teil seiner Beats. Diese leben zumeist von pompösen orchestralen Samples. Raid setzt sehr gerne mit schweren düsteren Streichersätzen und melancholisch anmutenden Pianoloops Akzente und die Drums sind vielfach schleppend. Dabei ist es Raid gelungen, ein paar echte Perlen zu produzieren. So zum Beispiel der Beat zum Track „Wertschetzig“, welcher von einem wunderschönen sphärisch-verzogenen Vocalsample lebt. Und gleich darauf folgt „Jolly Roger“. Der Beat zu diesem Track ist um einen Sehnsucht suggerienden Akkordeon-Loop konstruiert. Die MCs erzählen „vom Läbe vo Pirate“ und treffen mit dieser Metapher die Stimmung des Beats perfekt, was „Jolly Roger“ zum besten Song von „Phalanx“ macht. Ein weiteres Schmuckstück von einem Beat hat Raid für den Track „Drinks, Drums und Dancing“ zusammengeschustert. Hier steht ein schelmisches Fagott-Sample im Zentrum. Trotz all dieser positiven Aspekte und Momente ist das Erstlingswerk von PG4 nicht über alle Zweifel erhaben. So neigt das 19 Tracks starke Album zu Gleichförmigkeit. Zu ähnlich sind die von Raid verwendeten Samples und Snares, zu langsam ist ein Grossteil der Beats und zu monoton und ideenlos sind die Raps der drei MCs. Ausserdem scheinen Deinon, Schenkel, Op-C und Tenor den schleppenden Beats nicht gewachsen zu sein, denn auf solch langsamen Rhythmen fällt das Kriterium Flow stark ins Gewicht. Die Flows der Mannen am Mikrophon sind nicht so weit ausgereift, um mit Tempi und Stimme zu spielen. Dies fällt auf Tracks wie „Bluet“ oder „Standpunkt“ besonders deutlich auf. Die Ausnahme, die die Regel bestätigt, ist der Track „Armageddon“. MC Tenor entwirft ein Weltuntergangsszenario, malt dabei mit seinen Raps ausdrucksstarke düstere Bilder und der aus trockenen und subtilen Melodiefetzen zusammen gezimmerte Beat rundet diese Bilder perfekt ab. So ist der ausdrucksstärkste Track von „Phalanx“ entstanden. Ansonsten drehen sich die Texte meist um die Schattenseiten des Lebens und von der Liebe zum Rap, was ja an sich nicht negativ ins Gewicht fallen müsste, würden die Gedanken und Geschichten mit ein wenig mehr Wortwitz und neuen Ansätzen versehen werden. Dies ist aber leider nicht der Fall. PG4 hat mit „Phalanx“ ein Erstlingswerk abgeliefert, das dank starker Momente wohl aufhorchen lässt, als Gesamtes aber nicht wirklich zu überzeugen vermag. Die Cuts und die Produktion sind die grossen Stärken der Produktion. Die Beats hinterlassen einen fahlen Beigeschmack. So ist die eine Hälfte ausdrucksstark, die andere aber leider ein wenig ideenlos. Der wunde Punkt der Phalanx des Parkgeschosses 4 in Spreitenbach sind aber aus genannten Gründen die Raps. Für Leute, die schleppende Beats und nachdenkliche Texte lieben, lohnt es sich aber auf jeden Fall, dem Album zumindest ein paar Minuten ihrer kostbaren Zeit zu widmen, um sich selber ein Bild machen zu können.