Pams’ State – Cellar Stories
Text: Eve
Bild: Cover
Ich weis nicht, ob Pams’ State Leichen im Keller haben oder nicht. Geschichten haben sie ganz sicher dort und sie schleppen sie mit viel Elan und Emsigkeit aus dem feuchten, sonnenlosen Gemäuer hinauf ans Tageslicht. Menschen sind eben die geborenen Jäger und Sammler. Alles, was eventuell noch in irgendeiner Weise, irgendwann einmal Verwendung finden könnte, wird gesammelt und oftmals eben im Keller verstaut. Es ist immer wieder erstaunlich, was sich alles ansammeln kann und was beim umkrempeln so ans Licht kommt. In Pams’ State’s Fall sind es spannende Storys, untermauert von einer hochbrisanten Mischung aus Elementen des Punks, Rocks und des Hardcore. Da fischen sie beim stöbern zum Beispiel das temperamentvolle, mit coolen Riffs durchzogene „Whipping boy“ aus einer zerfledderten, alten Kartonkiste oder sie finden unter einem Stapel vergilbter Zeitungen das eher sanfte „Leave it behind“. Unverkrampfter, erstklassiger Alternative-Rock für Musikbegeisterte, die kapiert haben, dass man Hardrock einfach nicht neu erfinden kann. Seit zehn Jahren spielen die Jungs um die Gebrüder Werner nun schon zusammen - wohlgemerkt ohne Wechsel im Lineup, was schon was heissen will. Eine gut eingespielte Truppe ist das Eine. Ein anderer gewichtiger Punkt für die Wirkung des ersten Longplayers der Band ist die immense Eingängigkeit. Stücke wie „Captain E.“ ätzen sich geradezu in die Gehörgänge, und haken sich dort ganz tief ein. Dennoch bleibt dabei alles veränderlich. Monotonie oder formelhaft gestaltete Aufbauten sind zu keinem Augenblick festzustellen. Gerade „Down“ ist so ein Juwel das im Dämmerlicht des Gewölbes ausgegraben wurde. Hier wird heftig in die Saiten und Felle gedroschen, auffallend druckvoll und präzise. Ein dynamisches Schlagzeugspiel, tonnenschwerer Bass, Gitarren, die straight ihre Melodien zum Besten geben und ganz besonders auch der charaktervolle Gesang drücken der Band ihren eigenen, absoluten Stempel auf. Die Stimmung der Musik ist facettenreich, durchdringend, ernst und expressiv. Melancholie und Desillusionierung spiegeln sich in ihren Stücken und doch ist ein Funke Zuversicht zu spüren. Aus dem Kellergeschoss dringen mal temperamentvolle, übermütige, dann wieder gedämpfte, bedrückte Songs. Von Powervoll über explosiv zu schleppend, traurig, in sich gekehrt bis hin zu feinfühlig und schlicht geht die Bandbreite ihrer Songs. Wo noch Platz für Alternatives ist, Rock und Grunge sich die Hand geben, da sind die „Cellar Stories“ daheim. Doch obschon (oder gerade weil?) der Grunge von Pams’ State die Gefühle und Emotionen einer ganzen Generation ausdrückt, erinnern sie stark an Nirvana. Die legendären Musiker um Kurt Cobain haben eine Lücke hinterlassen, die bislang niemand wirklich zu füllen vermochte. Womit ich nicht sagen will, hier komme ein billiger Abklatsch früherer Helden, ganz im Gegenteil. Pams’ State sind souverän und präsentieren einen eigenen, unkonventionellen Sound der gekonnt die 80er-Jahre mit unserer Zeit verbindet.