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Patent Ochsner – keine „schlächte Verlüürer“

Text: Chris
Bilder: musicbild.li/Ko:L
Büne Huber auf der Gampjer Bühne
Büne Huber zündet sich eine Zigarette an, lehnt locker in seiner gewohnten Denkerpose an den Tisch im Backstage-Bereich. «Gampel war der letzte Gig in unserer Festivalreihe. Wir waren sehr motiviert – wollten noch ein letztes Mal so richtig Vollgas geben.» Streng hätten sies nicht gehabt, in der ltzten Zeit, meint Büne Huber locker. Im November begann die «Liebi, Tod und Tüüfu»-Konzerttour – die bis in den Mai hinein dauerte. «Der Auftakt war wirklich ziemlich stressig, das stimmt. Doch nach einer Pause begann unsere Open-Air-Tour – mit 18 Festivals. Aber die sind ja immer an den Wochenenden. Das heisst, dass wir unter der Woche Zeit für uns haben, für die Erholung, also Easy.» Eine musikalische Bilanz zu ziehen fällt Büne Huber nicht schwer. Für ihn fällt sie positiv aus. «Obschon Kritiker sagen, dass die neue Scheibe ähnlich wie ‚Schlachtplatte’ aus dem Jahr 1991 klingt? Das wäre ja wohl eher als ein Rückschritt statt einem Fortschritt zu verstehen?», will ich wissen. Büne: «Weisst du, ich kann schreiben was ich will – es klingt immer melancholisch. Das ist mir auch egal. Trotzdem kriege ich von meinen Liebsten Leuten um mich herum nicht diesen Stempel aufgedrückt.» – «Und von deinen Kritikern? Ist es nicht unglaubwürdig, wenn du mal deine Melancholie-Schiene verlässt?» – «Ich schreibe einfach was ansteht. Das kann ich zum Teil gar nicht gross aussuchen. Manchmal reisst dich das Leben in einen Ecken rein und dann passiert es einfach so.» Mit dem Medienecho hat Büne und seine Ochsners gelernt umzugehen. «Liest du denn keine Zeitungen mehr, um den Kritiken auszuweichen?» – «Nein, das nicht. Schlussendlich bekommt man es früher oder später trotzdem mit. Aber wir sind nicht mehr so, dass wir alles wissen wollen, was über uns geschrieben wird.» Natürlich gäbe es auch Artikel und Kritiken, die sogar seine Wahrnehmung treffen. Er erinnert sich an den Tourstart in der Mühle Hunziken: «Ich hatte das Gefühl: ‚lago-mio’ war das ein Scheiss-Gig.» Und in der Presse wurde es zwar nicht als Scheiss-Gig, sondern als ein entwicklungsfähiges Konzert bezeichnet. Diese Kritik empfand ich als positiv. Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Wir spielten einen Schrott-Gig und in der Presse wurde das Konzert mit der Höchstnote ausgezeichnet.»
Blow the horn... oder so
Doch weg von unseren lieben Musikjournalisten-Kollegen. Zurück zum Tour-Fazit: «Wie gesagt, die ersten zwei Wochen waren nicht riesig, eben entwicklungsfähig. Aber danach normalisierte es sich sehr schnell.» Büne Huber sieht einen Unterschied zwischen den herkömmlichen Konzerten und den Open-Air-Gigs. «Bei Konzerten spielst du zweieinhalb Stunden. An Festivals so zwischen 70 und 90 Minuten.» Vom künstlerischen Aspekt her bewertet Büne die Konzertgigs höher. «Aber die Festivals gehen uns natürlich nicht am Arsch vorbei. Das ist jeweils eine grosse Schnitte, die da gestrichen wird.» Die Band betreibt dazu auch einen riesigen Aufwand. Insgesamt 34 Instrumente kommen im Programm zum Zuge. Darunter auch ein Alphorn und die Cellistin, die einige Songs begleitet.
Büne im Talk mit Chris
«Erstaunlicherweise» habe er schon wieder mit dem Songwriting begonnen, erzählt Büne. «Das ist während der Tour nicht normal. Und ich habe ein gutes Gefühl, wenn es so früh beginnt.» Ob man schon bald mit etwas Neuem rechnen könne, das will Büne weder bestätigen noch dementieren. «Ich weiss nicht. Vielleicht merke ich mit der Zeit, dass die Ideen und Geschichten, die mir im Kopf herum schwirren, gar nicht so toll und unbrauchbar sind. Aber das ist ja auch das Spannende am Song schreiben – dass es einfach ganz und gar nicht planbar ist. So etwas muss entstehen und kann zum Teil verdammte Umwege zurücklegen.»
Schon wieder horn...
Ermüdungserscheinungen gäbe es bei Patent Ochsner auch nach 15 Jahren noch keine. «Die schwierigste Zeit für eine Band ist die konzertlose Zeit. Vor zwei Jahren machten wir einen Break – und da entstanden viele Gerüchte über die Zukunft der Ochsners. Dazu kommt, dass in den vergangenen 15 Jahren schon öfters die Musiker gewechselt haben. Von der Ur-Formation sind gerade noch zwei Musiker im Team. Der frische Wind trägt sicher auch dazu bei, dass eben keine erwähnten Ermüdungserscheinungen auftreten.» Schlussendlich sei jedes Konzert immer wieder anders. Auch das Repetoire. «Wir spielen grundsätzlich nur das, wozu wir gerade Bock haben», bemerkt Büne. Dies gelte auch bei den alten und ganz bekannten Songs. Dieser Linie bleiben sich die Ochsners treu – «egal wie stark das Publikum danach fordert». – «Und welchen Song von der aktuellen Platte spielt ihr nicht mehr?» Büne Huber lehnt sich lässig zurück. «Im Moment ist es überhaupt kein Thema. Aber es gab Zeiten, da ging uns Scharlachrot total auf den Geist. Das war eine relativ lange Phase.» – «Und das Publikum, wie waren die Reaktionen?» – «Klar, für einen Moment waren die Konzertbesucher enttäuscht. Aber sie merkten bald, dass man zu dem Song Sorge tragen muss und reagierten wirklich positiv.»
Büne denkt...
«Ein Song von der aktuellen Scheibe funktioniert Live einfach nicht», macht sich Büne Huber Gedanken. «Da hatten wir im Studio wirklich unverschämtes Glück, dass die Aufnahme so klappte, wie wir uns das vorstellten.» ‚Schlächte verlüürer’ entwickelte im Studio eine derartige Intensität, die Live einfach nicht zu funktionieren scheint. «Es ist wie eine Kapitulation – und das nervt uns auch sehr.» Es sei nicht das Problem, dass sie den Song nicht spielen wollen. «Wir wollen ja unbedingt, aber wir sind jedes Mal so extrem enttäuscht, weil es einfach nicht so klingt, wie wir uns das vorstellen.» Irgendwie sei es schon klar. «Denn wenn du im Studio bist, hast du Zeit, zum dich auf einen Song einzustimmen. ‚Schlächte verlüürer’ handelt von einer sehr dunkeln, enttäuschten und trockenen Welt. Du beginnst im Studio über dieses Thema zu diskutieren; über die eigene Erlebnisse. An einem Konzert musst du einfach umschalten; auf einen Klick in dieser Welt sein. Und das klappt noch nicht.» Trotzdem zeigen sich die Ochsners nicht als «Schlächte verlüürer». Büne hat noch nicht ganz resigniert. «Ich will wieder versuchen, den Song zu singen. Denn eigentlich wäre es mein Lieblingssong.» Im November geht es in der Mühle Hunziken wieder mit Konzerten der Patent Ochsners los. «Bis zu Weihnachten – für das nächste Jahr ist noch absolut nichts geplant», weiss Büne.
Rock the bass

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24.05.2012 02:49:12 Administrator
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