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Patrick Jonsson - der etwas andere "Auslandschweizer"

Text: Monthy
Bilder: Patrick Jonsson/Das Office
Immer wenn du denkst, alle Promo-Mätzchen zu kennen, erfindet einer eine neue Masche... Und ich geb's ja zu - dieser hier hat mich erwischt. Angefangen hat es schon damit, dass wir anhand der Interviewanfrage erstmal abklären mussten, ob der Künstler überhaupt Schweizer ist und ein Recht auf Publikation bei Trespass.ch hat. Aufgelöst wird das Ganze dann von Patrick Jonsson selbst im Interview. Weil ich bei dessen Beginn aber noch keinen Schimmer davon habe - etwa so wie ihr jetzt - dreht sich unser Gespräch erstmal um den Himmel, der den Mittelpunkt von Jonssons Debutalbum "This is the Sky" ausmacht. Dass dies so ist, fällt Patrick eigentlich auch erst auf, als ich ihn frage, ob man von einem Konzeptalbum sprechen könne, wenn die Hälfte aller Songtitel offensichtlich eine Beziehung zum Albumtitel haben. Patrick: "Das ist reiner Zufall... Ich habe gar nie so darüber nachgedacht. Der Himmel eröffnet natürlich viele Interpretationsmöglichkeiten. Es gibt auch sehr viele Songs, die mit Himmel und Weite zu tun haben." Die zuletzt angesprochene Weite hört man auch bei Patrick Jonssons Musik, wie der Künstler selbst gerne bestätigt. Also kein Konzeptalbum, das irgendwie rein durch diesen Begriff schon negativ belastet wäre. Mein Einwand, dass ein Konzeptalbum immer noch besser sei als ein konzeptloses, lässt Patrick dann etwas mehr über die Hintergründe von "This is the Sky" erzählen: "Konzept, könnte man sagen, sind Songs aus unserer persönlichen Sicht. Dass ich die Songs mit meinem Songwriter Arno zusammen schreibe und wir natürlich unsere Geschichten erzählen, unsere Ideen von Songs umsetzen. Aber ein Konzept mit einer in sich geschlossenen Geschichte gibt es nicht. Es sind weniger konkrete Gedanken als ganz einfach unsere Einstellung zum Songschreiben." Das Konzept von Patrick Jonsson ist demnach quasi Patrick Jonsson - eine Ehrlichkeit, die auch ganz gut zum Act passt. Themen von Jonsson sind denn auch vornehmlich "menschliche... - Liebe, Leben, Verlassen werden, Sich neu verlieben... Dinge, die jedem Menschen auf dieser Welt passieren können."
Cover Patrick Jonsson - This is the Sky
Immer noch in der irrigen Annahme einen gebürtigen Skandinavier vor mir zu haben - das war nämlich unser anfänglicher Trugschluss - spreche ich Jonsson auf die Verwendung der Worte "sky" und "heaven" an. Aufgefallen war mir nämlich, dass das oft wiederkehrende "sky" sich im Bonustrack "Heaven help my heart" in den paradiesischen Himmel umwandelt. Ob das im englischen Sprachgebrauch gleich ist wie in deutsch, kann mir Patrick Jonsson aber eigentlich auch nicht sagen. Gegen den unterschwelligen Vorwurf, eine Frage nach christlicher Musik in diese Frage hinein gepackt zu haben, verwehre ich mich in der Folge. Jonsson erklärt seine Wortwahl als intuitiv und hat vollkommen recht, wenn er bemerkt, dass "Heaven help my Heart" einfach ein wunderschöner Satz ist. Bevor mir langsam dämmert, dass ich gar nicht den vor mir habe, den ich vor mir zu haben denke, spreche ich Patrick noch auf eine Eigenheit seiner Songtitel an. Da gibt es einerseits "When Tomorrow comes" und zwei Songs später "When Love goes" - haben die nun was gemeinsam oder sind die Titel einfach gleich aufgebaut? - "Die haben nichts miteinander zu tun...", lacht mir Patrick verblüfft über meine Spitzfindigkeiten ins Gesicht, "'When Love goes' ist ein hammerharter, brutaler, nüchterner Analyse-Song. Er versucht auch irgendwie den Leuten das schlechte Gewissen zu nehmen. Wir alle durchleben ja diese Phasen einer Beziehung und leben uns irgendwann auseinander und verlieren die Liebe zueinander. Ohne viel dafür zu können... Diese extrem harten Situationen kennt wohl jeder. 'When Tomorrow comes' ist ein Selbstfindungssong, der besagt, dass es irgendwann einmal gut kommen wird." Ich bemerke, dass Patrick dann hoffentlich auf seinem nächsten Album keinen kombinierten Song - "When Tomorrow comes, Love goes" - platzieren werde. Er entgegnet, er würde dieses dann entsprechend "This is Hell" nennen...
Im Blitzlichtgewitter mit Monthy
Wenn jemand so viel über den Himmel schreibt, schliesse ich daraus, dass er in den Bergen wohnt. Jonsson sagt: "Ich bin ja Luzerner... - kann man also schon sagen", aber ich werde immer noch nicht misstrauisch und habe sowieso darauf angespielt, dass ein Flachländer zwangsweise mehr über Nebel schreiben müsste. In den Bergen ist man aber auch näher am Himmel und Patrick hat eine Affinität dazu. Die spürt man beispielsweise, wenn er sagt: "Wenn du Richtung Luzern fährst, denkst du ja fast, du seist in den Rockies..." Auch Amerika ist übrigens eine Affinität, die sich im Werk Jonssons ausdrückt. Dazu auch noch - Skandinavien. Logisch, wie ich da noch denke... Dann sage ich: "Man hört es dir an, du bist ja schon länger hier..." - In Tat und Wahrheit ist alles ganz anders. Patrick Jonsson ist kein gebürtiger Schwede. Er hat auch keine Familienangehörigen in Dänemark. Und sein Innerschweizer Akzent ist nicht nur eingebrannt sondern angeboren. Die Erklärung dazu ist ganz simpel - Jonsson: "Ich bin Schweizer, habe einfach einen starken Bezug zu Skandinavien. Das weite und melancholische entspricht meinem Naturell enorm. Hauptsächlich wollte ich aber einen nicht so unspektakulären Namen. Patrick ist mein Name, Jonsson ist hingegen Künstlername. Ich finde, er fliesst so schön..." Dass Patrick mit Jonsson nun aber so etwas wie das Pendant zum Schweizer Meier oder Müller erwählt hat, finde ich ganz witzig in Zusammenhang mit der "spektakulären" Begründung.
Ausnahmen aus dem Echopark-Studio
Hinter dem Namen, der mir ganz sicher bleiben wird, versteckt sich auch Musik, die nicht vorab mit Spektatkel glänzt. Ich verwende den Ausdruck 08/16, um auszudrücken, dass es fast normal sei, was Jonsson macht. Aber nur fast. "Ich für mich versuche einfach, Stimme und Songs so rüber zu bringen, wie ich sie sehe und verstehe.", erklärt Patrick und fügt an, dass schlussendlich nur der Hörer bestimmen könne, ob das spektakulär sei oder nicht. Spektakulär finde ich jedenfalls den Effekt, den seine Stimme auf mich hat - sie spricht mir nämlich direkt ins Herz. Jonssons Songs sind solche, denen man zuhören will, weil man den Menschen darin spürt. Und sich selbst darin erkennt. Deshalb kann man auch aus den Liedern schöpfen - Geborgenheit, Vertrauen, Liebe, Trost, Zuversicht... Der Schulterschluss mit dem Künstler fällt einem leicht, auch weil er nicht gekünstelt wirkt. Muss er sich dafür zurückhalten? Patrick: "Ich bin so, auch im Kreis meiner Freunde oder bei der Arbeit. Ich bin schon sehr ausgeglichen, echt und nicht aufgesetzt. Das ist mir auch ein grosses Anliegen mit dem Album, das wir live eingespielt haben. Das darf auch mal atmen. Bei einem Drum-Loop haben wir zum Beispiel vergessen, eine Stimme auszublenden. Schliesslich macht aber genau solches meine Musik aus..."

Kommentare von Benutzern

5/24/2012 9:13:20 PM Administrator
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7/15/2009 7:10:54 AM lila
ich verstehe das nicht...
wenn ich solche musik höre, darüber lese und mir auch die liedtexte anschaue, dann kommt ein riesiges unverständnis in mir hoch. patrick jonsson hört sich so an, als ob man sämtliche pilatus-hits der letzten 10 jahre, die eine gitarre beinhalten und von einem mann gesungen werden, in einen mixer geworfen hätte. et voilà, "this is the sky". der musik fehlt jegliche originalität, die texte beruhigen auf spitzfindigen paar- und kreuzreimen wie "child" und "wild" oder "fool" und "cool". spätestens nach henrik belden (auch aus luzern!) sollte niemand mehr auf die skandinavischer-nachname-schiene aufspringen, denn das wirkt - ob nun gewollt oder nicht - wie peinliche erfolghascherei. es ist ein schlag ins gesicht für alle bands, die tatsächlich innovative, herzergreifende, von leid und leidenschaft geprägte und sich aus der masse hervorhebende musik machen. für manche menschen mag patrick jonsson genau dies darstellen, und das macht mich traurig, denn ihnen entgeht eine riesige welt voller musikwunder. zudem kann der herr sich selbst als musikredaktor bei radio pilatus promoten, wie wunderbar, wenn man als musiker so bequem an der quelle sitzt. und vom herrn musikjournalisten, der den obigen artikel verfasst hat, würde ich mir mehr recherche und auch ein paar kritische fragen wünschen. oder gibts hier nur promotexte?

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