Pegasus - ein Rebel Yell in Huttwil
Text: DasSchaf
Bilder:
adrenaline-pictures.ch
Brütende Hitze und kein Wölkchen trübte den Himmel, als ich meine Reise nach Huttwil zum Rocksound Festival... äh nein, zum... Openair Huttwil...? Wie hiess es heuer? Ah ja, Neo1 Openair! Wie gesagt, es war heiss und schön und wolkenlos, als ich meine Reise eben nach Huttwil antrat. Im Visier: den Opener Pegasus, die den Abend für die am später folgenden Schweizer Hardrockväter Krokus und den Rebel Yell des Billy Idol eröffneten. Perfektes Openair-Wetter würde man sagen, und glänzte Huttwil doch jedes Jahr mit grossen Namen im LineUp. Alleine der Umstand, dass die Organisatoren des Openairs im Vorfeld kurzfristig die Nebenbühne aus „logistischen Gründen“ gestrichen hatten, trübte die Stimmung der Fans ein wenig. Dennoch stand ich mit einigen angereisten Rockfans pünktlich zur Türöffnung um 17 Uhr am Eingang (den ich Gewohnheitstier natürlich zuerst am selben Ort wie letztes Jahr erwartet hatte und frischfröhlich eine Ehrenrunde ums Gelände gedreht habe). Etwa zwanzig Minuten später als geplant gewährte man uns dann Einlass, gerade rechtzeitig, um kurz vor dem Konzert von Pegasus noch eine kleine Stärkung oder etwas zu trinken zu holen. Da liefen Adrenaline Pictures-Fotograf Roger und ich dann auch einem gut gelaunten Chris von Rohr über den Weg, der wie es schien die Marktstände nach einer neuen Kopfbedeckung durchforstete. Doch unsere Augen galten Pegasus, welchen die Bühne in wenigen Minuten gehören sollte.
Die jungen Musiker, die hochgejubelt als die Schweizer Beatles sich mit ihrem Debütalbum in die Herzen der Fans gespielt haben, wirkten verhalten, als sie die Bühne betraten. Die Rolle der ersten Band des Abends an einem derartigen Openair schien ihnen nicht so zu behagen. Das noch nicht so zahlreiche Publikum feierte die Jungs trotzdem, und als Noah ins Mikrofon sagte, „Klatscht mal alle mit, hebt die Hände, ihr alle, sonst können wir heute Nacht nicht schlafen!“, reckten alle brav ihre Hände in die Luft und wippten im Takt. Ich schätze mal, Noah und seine Mannen haben den Schlaf doch finden können... Der junge Sänger nach dem Gig: „Ja es war halt schade, dass die Türöffnung verschoben wurde. Die Leute haben dann zu wenig Zeit, sich am Ort zurechtzufinden und noch was zu essen oder zu trinken. Aber es war trotzdem ganz toll, die die da waren, habe super mitgemacht!“
Auch wenn die geflügelten Pegasuse das Publikum zum Mitmachen anregen konnten, wirklich warm wurden sie nicht. Und das obwohl sie den Abend für so grosse Namen wie Krokus oder Billy Idol eröffnen durfte. „Ehrfurcht hat man schon ein bisschen, wenn man für grosse Bands das Publikum anheizen darf“, räumte Noah nach dem Gig ein, denn nicht lange ist es her, da spielte die Band vor dem Urgestein Joe Cocker in Sursee. Und auch andere Namen wie Grand Avenue, Björn Again oder auch Polo Hofer stehen in der Konzertgeschichte von Pegasus. Ja und heute Billy Idol? Noah zuckt die Schultern: „Wenn man die Musik nicht kennt, dann ist es nochmals was anderes. Krokus heute, das ist geil, aber Billy Idol kenne ich gar nicht. Nichts von ihm.“ Ich werfe erstaunt Rebel Yell, Sweet Sixteen und Eyes Without A Face in die Runde, aber Noah verneint. Ich bin sicher oder hoffe jedenfalls innig, der Aha-Effekt kam während des Konzertes des grossen britischen Rockers...
Momentan sind Pegasus noch immer mit ihrer im letzten April getauften Platte „Heroes and Champions“ unterwegs, jedoch hat die Arbeit am neuen Album begonnen. Verrät uns Noah schon was darüber? „Ja ich denke, wir finden langsam unseren Sound. Unseren eigenen. Bis jetzt wurden wir immer verglichen, hatten kein Merkmal, an dem man uns und nur uns erkennen konnte. Wir drifteten mal in den Stil ab und mal in den anderen, aber es hatte keine so klare Linie. Das ist auch ein langer Prozess in der Entwicklung eines Musikers, und ich denke, die finden wir langsam“, erklärt Noah, und fügt gleich hinzu, „wir wollen endlich von dem wegkommen. Von diesem von allem ein bisschen. Wir sind Pegasus und als die wollen wir erkannt werden. Nicht als Schweizer Beatles oder sonst was.“ Da rebellierts gewaltig – wir sind gespannt! Und so erinnere ich den Sänger an den Song, den er bei der Plattentaufe gespielt hat, der uns so sehr gefallen hat, und dem er eine eventuelle Chance fürs neue Album eingeräumt hat: „The Man at the Station“. Noah lacht: „Oh, den haben wir wieder aufgenommen, ja. Und verändert und hin und her geschoben. Aber ich denke er passt nicht zum neuen Material, sorry!“ Tja, schade, dann bleibt er so in guter Erinnerung. Vielleicht mal live? „Auch da wollen wir uns nicht mehr zu sehr verzetteln, ich denke er wird auch live gekippt“, schmunzelt der Pegasus. Zum Trost nimmt er die Sonnenbrille, die er sich fürs Interview in der dunklen Garderobe aufgesetzt hat, ab. Ah, da ist er wieder, der, den ich vor einem Jahr im Moods zu seinen Helden und Champions befragt habe. Schön. Wir freuen uns auf die neuen, geradlinigen Pegasus, und hoffen doch insgeheim, sie verlieren dabei diesen kreativen, stilübergreifenden Charme nicht.