Peter Finc lässt es geschehen, wenns passt!
Text: Sandy, Bilder:
toemu-pix.ch
„Sie ist roher, frecher und rassiger, als die erste“, beschreibt Peter Finc vor seinem Gig in Nidau den Unterschied zwischen seinen beiden Alben. Vor ein paar Wochen ist „Musicblessness“, das Zweite, erschienen. Drei Jahre nach der eher süffiger tönenden CD „About Light and Stuff“ hat der Musiker aus Baden nun seine Entwicklung und Erlebnisse wiederum im Studio ausgelebt. „Ich habe bewusst Sachen ausprobiert, welche man eigentlich im Musikbusiness nicht macht“, gesteht der Grossgewachsene, der sonst auch als Perkussionist mit William White oder Lesley Meguid auf der Bühne steht. Ihm sei alles Geschäftliche rund um die Musik auf den Wecker gegangen. „Ich wollte wieder mal Kind sein, nur mit dem Spielzeug spielen und es geschehen lassen“, beschreibt Peter sein Austoben. Übrigens hat er alle Instrumente für diese CD selber eingespielt. Dabei habe er den Kopf ausgeschaltet und sich nicht gefragt, für wen, oder für was er dieses Album eigentlich mache.
Seine Musik soll seine persönliche Echtheit widerspiegeln und nicht ein Verbeugen vor etwas sein, das er nicht ist. „Jeder einzelne Künstler hat etwas eigenes zu erzählen, dort soll man hinhören und nicht auf das, was darum herum verlangt wird“, erklärt Peter Finc seinen Alleingang. „Musik bedeutet mir extrem viel und hat mir durch viele schwere Zeiten geholfen, darum schulde ich ihr diese Ehrlichkeit“, gesteht er weiter. In den letzten drei Jahren habe er herausgefunden, was er mit welchen Leuten zusammen machen wolle. Beim ersten Album habe er eher mit anderen verglichen und mehr hinterfragt. Mit dem neuen Los- und Fliessenlassen, spüre er nun eine wunderbare Leichtigkeit. Genau diese gehe im Business oft verloren, weil man den Künstler nicht machen lasse, was er will, ist Finc überzeugt. Seinen Sound einzureihen ist schwierig: Die Songs swingen, jazzen, rocken oder grooven - sogar den Reggae. Peter plant das nicht. „Ich sauge Einflüsse wie ein Schwamm auf, drücke ihn dann aus und das gibt irgend einen Stilmix“, verrät er schmunzelnd. Eingrenzen möchte sich Peter Finc eben auch hier nicht. Meistens geschehen die Songs übrigens in den Ferien, weil er dort „einfach nur sein“ kann.
„Musicblessness“, den Titel des neuen Albums, gibt es in keinem Wörterbuch zu finden. Am Anfang sei es nur ein freches Wortspiel gewesen. Im übertragenen Sinn bedeute es, segnen oder eben jemandem etwas Gutes tun. Peter hat erst später die tiefe Bedeutung des Wortes wahrgenommen: Mit dem Wort „Musicblessness“ könne er seine Dankbarkeit an die Musik zurückgeben. Auch dieses spontane Finden eines eigentlich einfachen Titels mit der doch kernigen Aussage sei ohne Überlegungen geschehen. „Musik ist meine Seele. Ein Auseinandersetzen mit mir selber“, gesteht er. Er habe angefangen zu musizieren, um sich selber – seine Gefühle – zu verarbeiten. Das gebe ihm immer wieder innere Ruhe und lasse seine Wunden heilen. Anstatt darüber zu reden, habe er Gitarre gespielt. „Ich schulde der Musik wirklich viel. Sie ist für mich, wie eine tiefe Freundschaft, mit der ich durch Dick und Dünn gehe“, schwärmt der Musiker. Seine Gitarre sei übrigens immer bei ihm, für den Fall, dass er die Musik sucht oder sie ihn.
Die Texte zu Peter Finc' Songs fehlen im Booklet. Es sei nicht so, dass sie nicht wichtig seien, sagt der Komponist. Sie seien schlicht aus Kostengründen weggefallen. „Der Text ist für mich ein sehr schwieriges Thema“, gesteht er. Die Musik habe er jeweils sehr schnell gefunden, die komme einfach und passiere. Für die Worte dazu braucht es mehr. Es sei ein spezieller Zustand, eine Trance, während der ein Text entstehe. Genau diesen stimmungsvollen Moment zu erleben, sei schwierig. Finc vergleicht es mit den Buddhisten, die für ihre Mediation das Denken abstellen. „Es kommt von aussen etwas in den Song hinein, das sich mit der Melodie verkuppelt“, erklärt er. Und er gibt noch eine schönere Wahrnehmung preis: „Die Musik ist der Körper und der Text die Seele eines Songs.“ Es darf nicht die falsche Seele sein und muss so passen, wie es vorbestimmt ist. „Genau wenn dies stimmt, musst du es spüren. Ich bin in dem Moment einfach nur da und verpacke es“, versucht er nachdenklich die Spiritualität, die von aussen kommt, zu beschreiben.
Heute steht Peter als Solokünstler, wie ein Gitarrenvirtuose auf der Bühne und ist nicht im Schatten von anderen Musikern. „Es ist definitiv anders. Extrem persönlich, weil meine Person darin steckt“, beschreibt er sein Befinden, so alleine in der Öffentlichkeit zu stehen. Bei William White oder Lesley Meguid bringe er seine musikalischen Fähigkeiten und sein Talent mit auf die Bühne, aber nicht seine Seele. „Meine Solosachen geben mir eindeutig am meisten und sie liegen mir am Herzen. Da bin ich nicht das Werkzeug von jemanden anderen, sondern einfach mich selber und verwirkliche mich in dem Ganze“, weiss er.
Um Peters Musik zu verstehen, braucht es Zeit und Musse. Das Herz – oder eben die Seele – und nicht der Kopf entdeckt die Liebe zum Detail und zu seinem Können. Genau diese anspruchsvolle Auseinandersetzung damit schenkt uns ein Abtauchen in eine Welt, die einfach nur ausgefüllt ist mit Musik. Dabei hat keine Hektik mehr Platz und auch andere Gedanken lenken nicht ab. Das Lied „Sexy Susie“ fällt durch seinen Schalk auf, animiert zum mitsingen und regt vor allem die männlichen Phantasien an. Das etwas verruchte Geschöpf, das da beschrieben wird, ist nicht etwa die Duett-Sängerin Linah Rocio, sondern ganz banal ihre Katze. Peter ist vor Jahren bei Linah Zuhause auf der Treppe gesessen und hat einfach so bluesige Akkorde auf der Gitarre gespielt. Da sei das Tier, das so einen ausgeprägten Charakter und eine Persönlichkeit habe, vorbei spaziert. Dabei habe Susie mit einem so unglaublichen Selbstbewusstsein ihren Hinterteil bewegt. Und genau so spontan, wie diese Situation passiert ist, ist auch dieser Song geschehen.