Pfannestil Chammer Sexdeet - Patina - Die Rechnung bitte (BMG)
Text: MonthyChristo
Bilder: Booklet
Es ist dunkel, als ich endlich nach Hause komme. Ich belasse die entspannende Atmosphäre wie sie ist, obwohl ich weiss, dass meine Arbeit für heute noch nicht erledigt ist. Im Halbdunkel reisse ich das wattierte Couvert auf und tapse mich zur Anlage und stecke die für einmal glücklicherweise nicht cellophanierte CD in den Player. (Wie bloss denken die Labels soll man eine CD-Kritik bringen, wenn man nicht einmal die Verpackung aufbringt?) Gibs mir Baby, ich habs nötig...
Piano, Perkussion, Kontrabass, Gitarre oder Ukulele sowie drei Mikrofone dienen dem Pfannestil Chammer Sexdeet als Instrumentarium. Damit und mit dem Esprit dreier querer Köpfe haben Res Wepfer, Jeannot Steck und Philipp Galizia seit 1990 rund 650 mal die Leute unterhalten, amüsiert und begeistert. Obwohl nicht alltäglich erstaunt es also nicht, dass ich aus ebendiesem Alltag nun bös herausgerissen werde. Plötzlich geht das Licht an, richtet sich nach dem Player aus oder dorthin wo er früher mal war. Jetzt ist da eine Miniaturbühne und drei kleine putzige Männchen. Als wärs das normalste der Welt erklärt mir Mini-Res mit seinem Mini-Mini-Mikrophon, er wohne "dert wo s Tram nümm wiiter fahrt", und mit dem nächsten Song "Grau" treffen PCS sowieso voll meine Gemütslage. Ich fühle mich dem "Sexdeet", welches ironischerweise ein Trio ist, sogleich kumpelhaft verbunden, obwohl man manchmal beinahe versucht ist, sie nicht für voll zu nehmen. A propos voll - ein Drink käme mir grad recht, wenns schon eine Show ist..
Bei "Siamo tutti inutili - wir sind alle überflüssig" wird mir mein akuter Flüssigkeitsmangel wieder bewusst und ich beschliesse, etwas dagegen zu tun, da die Bedienung in meinem virtuellen Club scheinbar nicht inklusive ist. Der Drink kommt und gerade rechtzeitig fürs Pfannestil-Fazit: "Du chöntsch dadrüber mal es Liedli schribe, eis vo dene wome kännt. Ich glaub da würdet ämel d Lüt schön lache, wäme s Züg bim Name nännt." Dann gehen die Lichter wieder aus und wo vorhin eine ganze - wenn auch kleine - Band stand, ist nun wieder HiFi. Ich runzle die Stirn und murmle: "Du chöntsch dadrüber mau es Brichtli schribe..." Als Arbeit empfinde ich es jetzt nicht mehr wirklich...
Um den Sandkuchen brauche ich mich nicht zu kümmern, für den trockenen Humor ist das Pfannestil Chammer Sexdeet zuständig. Lachen kann man mit Res, Jeannot und Philipp genauso von Herzen wie verstohlen schmunzelnd. Das aktuelle Programm "Patina - die Rechnung bitte" glänzt mit Kleinkunstperlen, die nachdenklich fragen "isch es das gsi?", melancholisch über "Ziit" sinnieren oder alltäglich floskeln "das mache mir wider emal". Der dazugehörige Sound ist mal lüpfig, mal jazzig oder harmonisch, auch schon mal dank mehreren Stimmen im Einklang. Die halben Kabarettisten sind jedenfalls ganze Musiker. Oder umgekehrt, denn von ihrem Humor zeugen unter anderen Kleinkunstpreise wie der Salzburger Stier 2002 oder das Cornischon 2004. Und so kann isch mir selbst beim hochsprachigen Heuler "Tanz mit mir" ein Lächeln nicht verkneifen. Dabei hat mich heute sonst alles und jeder genervt - "gar noni kennt" singt der wahrhaftig gewordene Chammerchor bald dazu.