Pleroma haben sich gefunden
Die Thuner Rockband Pleroma existiert nach subjektivem Empfinden seit mindestens einer halben Ewigkeit. Und mindestens ebenso lange sind die Jungs um die Kreativköpfe Luca Colomba und Claude Haymoz auf dem Sprung, ganz gross raus zu kommen. Ihr Album „Para:noia King“ vermochte da und dort Aufsehen zu erregen, Auftritte im Thuner Kultlokal Mokka werden regelmässig zu Grossevents. Oder die Gigs am Thunfest, welche Pleroma auch schon einige gespielt haben. Auch heuer. Aber irgendwie war das Konzert am Samstag Abend in Berntorgasse anders. Nicht nur weil Colombas Texte plötzlich praktisch ausschliesslich in Italienisch daherkommen. Auch der Groove auf der Bühne ist ein neuer. Kompakt, ernsthaft und doch mit viel Spielfreude und vor allem Druck. Liegt das daran, dass die Thuner in den letzten zwei Jahren die ganze Band um das Duo Colomba/Haymoz ausgewechselt haben?
„Ich bin eigentlich seit Beginn weg mit den Jungs unterwegs“, sagt Marco Colomba, Bruder des Sängers und neuer Gitarrist bei Pleroma. „Ich glaube schon, dass heute eine andere Stimmung in der Band herrscht, als auch schon.“ Freundschaftlich und von viel guter Stimmung geprägt sei das Verhältnis, sagt Marco. „Und die Band ist möglicherweise weniger auf Luca und Claude fokussiert, als auch schon.“ Möglicherweise habe das auch damit zu tun, dass mit Thies Steiner am Drum und Reto Wiedmer am Bass zwei Musiker zu Pleroma gestossen sind, die einen rappelvollen Rucksack an Erfahrungen mitbringen. „Wir sind unter anderem mit Christian Tschanz oder Roberto Brigante unterwegs“, erklärt Reto, „und haben natürlich aus unseren Anfänger mit Nekropolis einen ganz andern musikalischen Background.“
Und dieser wird auf der Bühne sofort spürbar. Da sind plötzlich Loops mit im Spiel, Bässe rollen... „Ich glaube schon, dass unsere musikalische Vergangenheit eine Rolle spielt und in den neuen Sound von Pleroma einfliesst“, sagt Reto. Pleroma, so scheint es, sind tatsächlich dabei, zu einer neuen Einheit zusammenzuwachsen. „Ich glaube, das spürt man auch in den Songs“, mutmasst Marco. „Zusammen mit Lucas italienischen Songs, in denen er sich offensichtlich viel emotionaler und echter ausdrücken kann, als in Englisch, entsteht so ein völlig neues Gefühl.“ Reto fügt an: „Das spürst du auch als Musiker. Ich glaube, heute transportiert Luca viel mehr von sich selber, als früher. Da entstand manchmal der Eindruck, er befinde sich in einer Rolle.“ Emotionen, Liebe, Hass, Frust, die plötzlich auch auf der Bühne fühl- und greifbar werden.
Bedeutet dieses neue Zusammengehörigkeitsgefühl auch, dass Pleroma jetzt endlich den Sprung machen können, auf dem sie sich eigentlich seit Anfang ihrer Karriere befinden? „Wenn es nach der Band geht, wohl“, sagt Marco und lacht. „Aber entscheiden können wir das nicht selber. Das liegt in der Hand anderer.“ Fakt ist: Pleroma sind derzeit dabei, in TJ Gygers H2U-Studio neue Songs aufzunehmen. „Ziel ist, nächstes Jahr ein neues Album rausbringen zu können“, sagt Reto. Doch Marco warnt vor zu präzisen Timing-Vorstellungen: „Natürlich haben wir einen Zeitplan. Aber du weisst, wie das laufen kann, da kommt dieses oder jenes dazwischen und plötzlich geht es ein halbes Jahr länger bis zur Veröffentlichung.“ Ein Unfall zu Beispiel, wie in Claude Haymoz kurz vor dem Thunfest machte; sodass „seine“ Jungs die Show in der Berntorgasse alleine bestreiten mussten. Wenigstens zu grössten Teilen. Denn der Rock’n’Roller hat es sich nicht nehmen lassen, wenn auch mit Krücken, den Gig zu besuchen und einen Song an der Gitarre mit zum besten zu geben....