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Plüsch haben fertig mit Plüsch

15.2.2012/Text: Ko:L, Bilder: Promo
„Einzigartig“ ist gleich ein Ausrufezeichen zum Auftakt des neuen Plüsch-Albums „Eile mit Weile“. Sechs Jahre sind seit dem letzten Relase der Berner Oberländer vergangen, vier Jahre seit dem letzten gemeinsamen Gig. Und jetzt kommen Ritschi, Simi, Bali, Röschel und Hunzi zurück – und sind plötzlich laut und aufdringlich, anstatt nett und plüschig weich. Freilich tönte Frontmann Ritschi schon auf dem zweiten Album „Sidefiin“ im Song „Liebesspiel“ an, dass da mehr ist als nur liebe und nette Oberfläche. Und selbstredend haben Plüsch schon mit Songs wie „Freie Fall“ auf dem letzten Album „Früsch gwäsche“ bewiesen, dass die eindimensionalen „Ufo“-Zeiten vorbei sind. Aber jetzt kommt am nächsten Freitag, 17. Februar „Eile mit Weile“ in die Läden – und der Auftakt-Kracher „Einzigartig“ ist beileibe nicht der einzige Song auf dem 13 Songs starken Album, der vor Intensität die Boxen zu sprengen droht. Plüsch sind rau geworden, kantig – und selbst in den stillen Songs laut. Emotional laut.
Plüsch im BandraumStudio
„Wir waren immer eine Live-Band und unser Sound ist gar nicht so viel anders, als früher“, sagt Bassmann Simi. Doch auch er weiss: „In der Vergangenheit ist es uns nicht immer gelungen, diesen Live-Charakter im Sound bei den Album-Produktionen bis zum Ende mitzunehmen. Irgendwo ging das raue und direkte verloren.“ Bei „Eile mit Weile“ ist das anders. Selbst ein eingängiger, schlichter und unauffälliger Popsong wie „I vermisse di“ rumpelt da und dort und lässt Sänger Ritschi seine Stimme bis ans Limit strapazieren. „Man darf hören, dass meine Stimme beim Singen dieser Songs an die Grenze gerät“, sagt Ritschi. Wo früher getüftelt, gebastelt und zig mal wiederholt wurde, liessen Plüsch bei der Produktion von „Eile mit Weile“ den Fünfer auch mal gerade sein; einen Produzenten haben sie nicht mehr engagiert. „Wir hatten niemanden mehr, der eine Richtung vorspurte oder einen Stichentscheid hatte. Das hat viel Energie und Zeit gekostet“, sagt Simi. „Aber letztlich haben wir jetzt ein Album am Start, das uns allen gefällt – und darauf dürfen wir stolz sein.“ Simi hat denn auch gar kein Problem damit, dass Plüschs Sound heute alles andere als plüschig im Sinn von propper, lieb und nett tönt. „Patent Ochsner tönen ja auch nicht wie ein Mülleimer“, flachst er.
CD-Cover: Plüsch - Eile mit Weile
Es gibt viele Momente auf „Eile mit Weile“, die den Eindruck erwecken, die fünf Jungs aus dem Berner Oberland hätten es kaum erwarten können, wieder gemeinsam in die Saiten zu langen und so richtig Gas zu geben. Während Röschel in den letzten Jahren beruflich einen Schritt vorwärts machte und als Risikoanalyst bei einer Bank stark engagiert war, übernahm Hunzi eine Firma und war ebenfalls neben der Musik stark engagiert. Basser Simi studierte an der Jazz-Schule und machte seinen Bachelor, Trommler Bali war unter anderem mit Gustav unterwegs und Ritschi feierte mit seinem Soloprojekt beachtliche Erfolge. Spätestens im instrumentalen B-Teil von „Tüfelskreis“ wird nun aber dem Hinterletzten klar, wie viel es Wert ist, mit Musikern und Freunden im Bandraum, im Studio oder auf der Bühne zu stehen, mit denen man seit Teenager-Jahren unterwegs ist. Verwegene könnten bei derartigen Passagen oder Songs wie „I verliere gärn“ von ausgewachsenen Rocksongs sprechen.
Plüsch im BandraumStudio
Intensiv sind auch die Gefühle, welche Plüsch mit ihrem neuen Album versprühen. „Wir sind aus dem Alter raus, in dem wir nur über Liebe gesungen haben“, sinniert Texter Ritschi. „Zwischen 20 und 30 dreht sich doch alles nur darum, dass Beziehungen zu Ende gehen, oder man träumt von neuen Beziehungen oder ist glücklich oder unglücklich verliebt.“ Jetzt ist die Zeit gekommen, sich an die grösseren Themen zu wagen. „Glück ist zu eindimensional“, sagt Ritschi. „Du findest einen 100er und hast Freude. Du gewinnst eine Million und bist glücklich. That's it. Alle anderen Gefühle haben Schattierungen und verschiedene Facetten. Es kann einem auch nicht super gut gehen, ohne dass man gleich todtraurig ist. Es gibt die Melancholie. Oder Sehnsucht. Diese Gefühle interessieren mich – und beschäftigen mich auch.“ So kommt es, dass der Hauptdarsteller im „Popcornwestern“ zwar die personifizierte Einsamkeit ist, Ritschi aber überzeugt ist: „Am Ende ist er zufrieden in seiner kleinen Welt. Und was will man mehr...?“
Plüsch gehen vorwärts
Es sind genau diese Freiheiten, die sich Plüsch heute nehmen und die „Eile mit Weile“ ausmachen. Wo inhaltlich die Nachdenklichkeit bisweilen gross geschrieben ist, setzen die fünf Berner musikalisch auf unbeschwertes Machen. Die Indisch angehauchte Gitarre in der Single „Es kennt ne kene so gnau“ etwa sei weder geplant noch gesucht noch auf eine Indien-Reise eines Bandmitgliedes zurück zu führen, sagt Simi. „Irgendwann kam einem die Idee im Bandraum. Wir haben gepröbelt und gefunden: Machen wir.“ Die Freude, tun und lassen zu können, worauf man gerade Lust hat, hat Plüsch auch bei der Zusammenstellung des Sets für die kommende Tour getrieben. „Klar war, dass wir alle Songs vom neuen Album spielen“, sagt Simi. „Dann kommen ein paar Tracks dazu, die einfach zu uns gehören – und dann haben wir auch noch ein paar ausgegraben, die wir schon länger nicht mehr gespielt haben.“ Bei aller Vorfreude auf die kommende Tour weiss der Bassist: „Wir waren lange weg und wissen nicht, ob die Leute sich noch an uns erinnern. Wir hoffen es jetzt einfach.“ Diese lange Absenz manifestiere sich etwa darin, dass beim Release des letzten Plüsch-Albums weder Myspace noch Facebook ein Thema war. „Wir mussten da komplett von vorne anfangen.“ Also los, Plüschfans – ab auf Facebook...!

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24.05.2012 04:56:43 Administrator
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