QL’s musikalische Faust auf das Auge
Text: Sandy
Bilder:
PartyGuide.ch
Für einmal stimmt das Punk-Bühnenbild auch für den geordneten Hingucker. Die Farben rot/weiss/schwarz stehen harmonisch im Mittelpunkt, Stämpf gibt mit seiner neongrünen Hose den nötigen Knalleffekt mit rein. Die Jungs von QL tragen sogar ein Hemd und die neun Blasmusiker sitzen gesittet, schwarz gekleidet mit roter Krawatte, im Hintergrund. Und der Knüller ist, dass sogar die beiden Gladiolenschalen rechts und links am Bühnenrand dazu passen. Optisch also nichts zu beanstanden, so ist jedem Zuschauer und Fotograf mehr als genüge getan. Aber musikalisch kann doch das nicht gutgehen. Da wollen die vier Bieler Punkmusiker, welche schon zig Schweizerhits nach ihrem Gusto vercovert haben mit den Horns von Pepe Lienhard ein Ständchen geben. Da gibt es nur eine Lösung, Bühnenbild aufnehmen und ab in die Beiz ein warmes Tee trinken. Doch dazu kommt es trotz Nässe und Kälte nicht. Sofort erobern QL & Pepe Lienhard Horns mit einer Kompaktheit und einem unglaublichen Arrangement, mit dem nötigen Schalk und Groove die Gunsten der halb erfrorenen Open Air Hoch-Ybrig Besuchern. Genau so, wie es optisch passt, passt es auch musikalisch.
Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam, erklärt Sägi beim anschliessenden Bier: „Wir wollten nach unserer dritten – oder war es bereits die vierte CD – ganz etwas neues bringen.“ Ein akustisches Album, wie alle anderen machen, kam für sie nicht in Frage, weil sie so die Covers in Originalform spielen müssten. Klassisch habe nicht zu den Punker gepasst. Darum war das die Idee. „Die einzig vorwärts treibende Musik ist die Bigband“, weiss Sägi weiter. Pät ruft dazwischen: „Das hat übrigens noch keine Punkband gemacht.“ Mit neun Bläser zusammen auf der Bühne zu stehen, das hat es noch nie gegeben. Somit erobern sich QL den Order, Pioniere in ihrem Tun, zu sein. Beim Produzieren und auch beim Abmischen, haben sie sogar festgestellt, dass weltweit nichts Vergleichbares vorhanden sei. Die Musiker konnten sich also nirgends orientieren. Das was zum Beispiel Robbie Williams mit Bläser geboten habe, swinge und QL wollte klar punken. Pät fasst die Neuartigkeit zusammen: „Wir kommen mit harten Gitarren und gerader Musik und setzen darauf noch Bläser.“
Das QL und die neun Horns das Arrangement mit so einem Perfektionismus hinkriegen, muss irgend an einem technischen Trick liegen, oder was ist ihr Rezept? Sägi weiss es, ohne zu überlegen: „Solche Sachen sind uns einfach gegeben.“ Schallendes Gelächter erfüllt die Garderobe und Pät kann dazu auch nur sagen: „Grundsätzlich hat er immer recht.“ Nach einem weiteren Schluck Bier verrät er doch noch eine wichtige Zutat: „Gilbert Tinner, der Posaunist habe die Horn-Arrangement geschrieben, und er ist in der Blasmusikszene ein Meister seines Fachs.“ Der Punker mit den zweifarbigen Haaren versucht zu erklären, wie schwierig es für ein Bläserarrangement sei, die Melodie und den Rhythmus so zu komponieren. „Es ist wie ein eigenständiger Song im Song selber zu schreiben“, präzisiert der Bassist. Gilbert habe einen unglaublichen Job gemacht. Auch dem Produzenten Thomas Fässler sei ein Bier oder zwei zu spendieren, er habe geile Arbeit geleistet. Und bescheiden sagt Pät zu ihrem Part: „QL hat sich auch Mühe gegeben.“ Ernsthaft gesteht er sogar, dass es besser herausgekommen sei, als sie sich gedacht haben. Sie wollten zwar das Ganze musikalisch härter verwirklichen. Dies haben sie nicht geschafft, da es die Bläser automatisch ein bisschen weicher machen. Pät fasst zusammen und vergisst auf einmal seine offene Bierdose: „Das Resultat ist geiler, als ich erwartet habe.“ Pepe kennen QL übrigens seit sie für ihre erste CD seine „Swiss Lady“ vergewaltigt haben. Der Entertainer habe zum Horns-Projekt ohne zu zögern ja gesagt.
Polo Hofer, Trio Eugster und jetzt Pepe Lienhard. QL haben sich schon einige Rosinen aus dem Schweizer Musikkuchen herausgepickt. Zur Frage, ob ihre Wunschliste schon bald erschöpft sei, gesteht Pät ziemlich schüchtern: „Wir hätten schon immer gern etwas mit Francine Jordi zusammengemacht, aber nicht unbedingt Musik.“ Punker sind also auch nur Männer! Tatsächlich kein Zufall ist es, dass die Bieler meist mit älteren Musikern zusammen auf der Bühne stehen, Pät verrät, augenzwinkernd: „Da sehen wir Vier immer jünger aus und so muss es sein.“ Auffallend ist schon, dass ihr Repertoire vor allem Evergreens beinhaltet.
Heute präsentierten sie Songs von Pepe Lienhard, wie natürlich „Swiss Lady“ oder „Piccolo Man“, aber auch der „Rote Wy“ oder „Bitte mit Sahne“ darf in ihrem Mittagsmenu am Hoch-Ybrig nicht fehlen. Einzig „Hie by i daheim“ von George ist wohl nicht älter als 10 Jahre. Die beiden Musiker von QL werden auf einmal nachdenklich und haben nicht eine spontane Antwort parat. „Unsere Urgesteine haben halt Musikgeschichte geschrieben“, sagt Pät, nachdem er sein Bier leer getrunken hat, und er ergänzt: „Schlussendlich hat es sich so ergeben, weil wir immer versucht haben, die besten Schweizersongs zu covern - unabhängig vom Alter.“