Beweg-deinen-Arsch-ans-Rugenrock
Text/Bilder: MonthyChristo
Move to Rugenrock hiess es vom 27. - 29. August 2004 zum zweiten Mal und, nachdem letztes Jahr des Sauwetters wegen nur ganz wenige den Weg auf den Rugen gefunden hatten, eigentlich auch zum ersten Mal. Neben dem schönen Wetter garantierten heuer vor allem Gotthard dafür, dass der Aufruf befolgt und das Areal von den Massen geflutet wurde. Das kleine, feine Festival auf dem Gelände der Rugenbräu zwischen Interlaken und Matten bot beispielsweise die Möglichkeit der gediegenen Verpflegung im Anker, Bier frisch ab Fass oder eine 20-Meter-Hebebühne, damit man das Gelände mal überblicken konnte.
Am Freitag stimmten Hamschter und die an Pink Floyd angelehnten Sphären Rocker Cosmos die Leute ein (siehe Artikel: Cosmos - Ein Häppchen Floyd gefällig?), dazu spielten Häni und die unverwüstlichen Screamer zum wilden Tanz auf. Das samstägliche Nachmittagsprogramm hatten die Berner Oberländer im Publikum eigentlich selbst gestaltet - das BeO Rockpreis Finale artete mit Jazz, Funk, Hardcore und Retro-Pop richtiggehend zur Battle of styles aus und stellte die Jury - übrigens inklusive Trespass-Ko:L vor etwelche Probleme. Mehr dazu im Artikel: Der BeO Rockpreis: erwachsen und im Wandel. Am Abend durften die Newcomer Anschauungsunterricht bei den ganz Grossen geniessen. Sandee bewies wie sehr sie im letzten Jahr, wo sie übrigens auch auf dem Rugen spielte, gereift ist. Einzige Kritik ist in unserer Ungeduld begründet. Mehr eigene Songs tun bald Not, damit man die Coversongs aus dem Programm kippen kann. Sandee ist eigenstädnig genug dazu!
Danach folgte der klare Hauptact Gotthard. Das Rugen-Konzert war im Vorfeld in Gefahr geraten, weil sich Bassist Mark Lynn in Magny Cours auf dem Töff versucht hatte und dabei im Kiesbett falsch reagierte. Damit war der rechte Arm hin und der Bass bei Gotthard plötzlich vakant. Der gebuchte Profi-Ersatz musste das Repertoire der Alpenrocker innert kürzester Zeit mit der Band aufarbeiten und einstudieren. Live fiel das dann keineswegs auf, was wie beim Fussball für den Schiedsrichter als Kompliment gilt. Mark Lynn beschränkte sich darauf, in ungewohnter Position vor der Bühne Eindrücke zu sammeln, die er dann irgendwann einzubringen gedenkt, um Gotthard noch besser zu machen. Das heisst, sofern das überhaupt noch möglich ist. Ich muss gestehen, dass Gotthard ab Platte nicht unbedingt zu meinen Liebsten zählt. Live dagegen strahlen Steve Lee und seine Mannen ein Charisma aus, das man sonst europaweit suchen kann. Das hat sich auch im näheren Kontakt gezeigt, nachzuhören im Radiointerview vom 6.9.04 - 20 bis 22 Uhr auf Radio Emme. Zitterpartie für Monthy...
Den samstäglichen Abschluss machte die Wallisser Party- und Coverband Sixties Club. Nachdem ich schon in Gampel Frontfrau Petra verfallen bin, stand der Rugen-Gig unter dem Motto: "Monthy springt am höchsten." Irgendwie bin ich zu einem Groupie dieser Band verkommen und sollte mein entsprechendes Highlight backstage nach dem Gig bekommen. Dort hing ich nämlich bis morgens gegen fünf Uhr mit Drummer Roman, Petra und Sänger Marcel Maeder in der Garderobe wie... halt wie die weissen Sixties-Anzüge - vielleicht nicht ganz so unbefleckt. "Wier sin Gruppe zwei", hiess es jedenfalls immer wieder und sehr bestimmt als der Transport ins Hotel organisiert wurde. Auch wenn die Sixties schon am Sonntag morgen um elf wieder auf der Bühne zu stehen hatten. Respect!
Ich dagegen durfte den Sonntag nun getrost auslassen, hatte ich doch keine Lust auf Poshe Nasen, hatte ich doch Glen of Guinness schon an den beiden vorangegangenen Wochenenden im Emmental und im Wallis gesehen und was ABBAkadabra, übrigens den einzigen Nicht-Schweizer-Act auf dem Rugen 2004, angeht - irgendwann hab ich mal Björn Again gesehen... Meine Abwesenheit soll mitnichten heissen, das das Ganze nicht interessant gewesen wäre. Die Umstände und die vierwöchige Festival-Tour mit Woodrock, Eichlershuus, Gampel und Rugenrock forderte nun arg ihren Tribut. Und vielleicht bin ich einfach zu ehrlich, irgendeinen Quark zu schreiben, wenn ich gar nicht da war ;-) Ich bewege meinen Arsch dann halt nächstes Jahr wieder auf den Rugen.