Radical – Zwüsched Himmel und Höll (S1ZE/HipHop Remainz)
Text: Ko:L
Bild: Cover
Die Gästeliste auf Radicals Longplay-Solo-Debut lässt sich sehen: Luut&Tüütli, Skibe, Def G, 45°, Tonique, Trolek, Skarra Mucci, DJ Screwd und DJ Arts. Aus dieser illustren Schar, zu schliessen, Radical setze primär auf Schein, wäre jedoch grundfalsch. Radical steht mit beiden Beinen Fest am Boden. Die Beats von Fridel Castro, Konfus, Budonbeats und Curly Tonique schweben irgendwo zwischen dem späten 20 und dem 22 Jahrhundert. Nein, nein, Radicals Album „Zwüsched Himmel und Höll“ ist nicht Visionär. Aber es lässt sich kaum in eine der bekannten Rap Schubladen ablegen. Zu sophisticated sind die Tracks, musikalisch vielschichtig und inhaltlich fest in der Realität verwurzelt. Allen voran Nummer 5, „Killer i üs“, der ein ungeschminktes und ehrliches Bild vom Leben mit einer Waffe im Schlafzimmer zeichnet. Polemik braucht Radical nicht zu machen – seine eindringliche Schilderung der Gegebenheiten reicht vollauf, um ein düsteres Bild zu zeichnen. Ehrlichkeit und Direktheit ohne Schnörkel sind Radials Ding. „Es nervt“ ist eine ebenso klare Ansage gegen Klugscheisser und Aggros, wie „Für immer und ewig“ ein unmissverständliches Statement für die Freundschaft ist und „Schall und Rauch“ das Leben eines Jugendlichem am Rand schonungslos aufzeichnet oder „Villicht“ viele Fragen stellt und trotzdem keine Antworten gibt. Es ist offensichtlich: Radicals Themen sind der Alltag, das Leben als Bergler, Politik, Hektik und Beziehungen – kurz: Leben und Lieben. Das mag nach 1000 Mal gehört klingen, ist aber im Fall von Radicals „Zwüsched Himmel und Höll“ hoch spannend, authentisch und von hohem Wiedererkennungswert geprägt. Oder gibt es tatsächlich jemanden da draussen, der manchmal zurückblickt und merkt, dass vieles trotz lange vergangenen Jahren immer noch Nahe ist „als wäris geschter gsi“? Schnickschnack und unnötiger Ballast sucht man auf dem Album vergebens. Dafür Geschichten wie jene von „Shizovreni“ oder die von der Suche nach „Rueh und Abstand“ - packend und beklemmend und trotzdem ein Lächeln auf das Gesicht zaubernd. Und so bleibt am Schluss der unbändige Wunsch, dass noch etwas länger „Alles bim altä?“ bleibt.