Redcharly – von der Muse erschlagen!
Text: DasSchaf
Bilder: Redcharly
Die Muse hat sie erwischt, und das fadengerade und mitten in die Fresse rein – so jedenfalls erklärt mir Redcharly-Sänger Michi Frei die Wahl des Titels zum brandneuen Album der Newcomer aus Zürich: „Shot By The Muse“. Und die Scheibe ist nicht nur brandneu, sie ist auch brandheiss! Geradlinig, melodiös, brachial, krachend, dann auch sanft, melancholisch und tragend; breit ist das Spektrum an musikalischer Kost auf dem Debütalbum der aufstrebenden Band. Redcharly, das sind vier Jungs aus Zürich, die zusammen durch dick und dünn gehen und ihr eigenes Ding durchziehen. Drei lange Jahre haben Michi, Siro, Stefan und Oli hartnäckig und kontinuierlich auf den Moment hingearbeitet, in dem sie endlich ihre eigene Platte in den Händen halten konnten. Ausgefeiltes Songwriting, unzählige Proben und intensive Studiotage später können sie uns ihr Baby präsentieren – und das mit Stolz. In Zusammenarbeit mit Produzent Matthias Hillebrand-Gonzalez ist eine Scheibe mit internationalem Format entstanden. Die Kritiken überschlagen sich derweil... so schreibt wohl der Blick: „Volltreffer! Alternative Rock mit US-Prägung vom Feinsten. Mal melodisch und radiotauglich, dann wieder knüppeldick mit meterhohen Gitarrenwänden.“ oder die Sonntagszeitung: "Noch mal 16 sein - und abheben mit Redcharly, der Schweizer Rock-Entdeckung 2008. Ziemlich grosses Kino."
Auch wenn der Deal mit Gadget Records sicherlich zu einem Teil der guten internen Beziehungen zu verdanken sein wird, Redcharly verdienen Achtung für den Weg, den sie gewählt haben, und vor allem für das Resultat ihres Schaffens. Zur Unterzeichnung des Plattenvertrags war die Scheibe praktisch fertig. Sänger Michi betont hier ganz klar: „Dieses Album, das ist unser Ding, unser Werk. Wir hatten keinen Plattendeal, als wir mit den Aufnahmen hierzu begonnen haben. In Eigenregie haben wir uns ans Werk gemacht, den Produzenten selber ausgewählt, unseren Sound aufgenommen. Da ist kein Stempel von aussen, den man uns aufgedrückt hat. Redcharly ist und klingt wie Redcharly“, und fügt gleich an, „und glaub mir, das war ein langer und harter Weg. Erst danach sind wir bei Gadget Records untergekommen.“ Drummer Siro räumt dennoch ein, dass ein wenig Vitamin B für den nachfolgenden Erfolg sicherlich nicht abträglich ist. „Für die Veröffentlichung und die Vermarktung des Albums ist es bestimmt ein grosser Vorteil, wenn man die richtigen Leute kennt. Dennoch, bis zu dem Punkt wars unser Job, unser Ding, unsere Arbeit. Wir machen alle schon sehr lange Musik und möchten genau diese mit den Fans da draussen teilen, und nicht irgendein aufgezwungenes Konstrukt“, so Siro.
Im Vorprogramm der Herbsttour der Dada Ante Portas konnten sich Redcharly für ihre eigene Tour warmspielen. Und obwohl die Combo doch der etwas härteren Musiksparte als Dada Ante Portas angehört, scheinen die Fans zu goutieren, was sie hören. Michi: „Doch, das Publikum scheint uns wirklich zu mögen – und das gerade auch bei der Tatsache, dass es als „härtere“ Vorband meist nicht ganz einfach ist, die Herzen der Fans zu erobern. Bis jetzt hats den Leuten jedenfalls gefallen!“ Siro grinst: „Wie auch immer du das mit offenen Mäulern vor der Bühne stehen interpretierst...“ Die haben zugehört und waren ganz baff, ohne Zweifel...!
Ein kleineres Mysterium rankt sich um den Namen der Zürcher Newcomer. In der „musicnight“, der Musiksendung des Schweizer Fernsehens fragte Moderator Dani Beck nach den Hintergründen des Bandnamens. Nach kurzem und vielsagendem Grinsen meinte Siro, ja der wäre mal von ihm und Gitarrero Stefan in die Runde geworfen worden und man fand einfach, dass es supergut töne und das Schriftbild sei doch auch wunderschön... und da gäbe es noch einen anderen Grund, über den er aber nicht reden dürfe. Aha! Das weckt natürlich unsere Neugierde, doch auch dem trespass-Schaf wollte Siro nicht mehr verraten... Wir bleiben dran! Und wenn jemand von euch mehr weiss – melden! Wir sind gespannt, was denn hier dahintersteckt...
Nun, die Platte Ende Oktober im Abart getauft, den Startschuss zur Tour gegeben – jetzt gilt es, den Schweizer Markt zu erobern. „Wir können nicht sagen, was uns erwartet, ob wir Erfolg haben werden. Sicher ist einfach eines: das was wir hier machen, ist grundehrlich, das kommt von Herzen, und das werden die Fans sicher zu schätzen wissen“, sagt Michi, „rein von der Produktion her ist die Platte unseres Erachtens nach aber sicher gut genug, um mit den anderen Mitstreitern auf dem Markt mithalten zu können.“ Wer schon reingehört hat, wird dies bestätigen. Und das Tolle daran: das ist keine 08/15-Mucke. Das ist erdiger Alternative Rock, der es verdient, beachtet zu werden. Hier steckt Herzblut dahinter, Gefühl, und als Sahnehäubchen: geile Lyrics. Keine banalen Boy-meets-Girl-Gesäusel, echte, treffende Geschichten über das Leben, die Gesellschaft, über die Liebe – oder über Rassismus, wie zum Beispiel in der Debütsingle „The Plot“. Ja, diese Band rockt, macht richtig Laune! Lust auf mehr Redcharly? An ein Konzert gehen. Album kaufen. Und von der Muse erschlagen lassen!