Redwood - Lesleys halbe Stunde
Text/Bilder: Monthy
Betreffend englisch singenden Acts sagt man in der Schweiz oft: Entweder Mundart oder Ausland. Und doch scheinen sich Redwood die eine oder andere Tür öffnen zu können. Haben es Redwood besser gemacht als andere oder hatten sie einfach mehr Glück? - "Wir haben Glück in dem Sinne, dass wir viele gute Leute hinter uns haben, die viele Stunden für uns arbeiten und Energie investieren, um uns weiter zu bringen. Zugegeben - wir haben schon einen sehr guten Booker/Manager..." Das Ausland lockt aber natürlich schon, was bei Lesley, die zu ihren beiden Nationalitäten auch noch ägyptisches Blut in Adern hat, nun wirklich nicht erstaunt: "Wir konnten jetzt einige Gigs in Österreich spielen und haben schon gemerkt, dass wir dort irgendwie besser ankommen. Die Schweizer scheinen sich im Mundart-Rock wohler zu fühlen. Ich glaube also nicht, dass wir DER anstehende Act in der Schweiz sind. Den Erfolg der Lovebugs kann man schon wegen ihrer Texte und Radiosongs nicht als Vergleich heranziehen... - im Ausland haben wir sicher bessere Chancen als in der Schweiz."
Solange wir sie also hierzulande noch zu sehen bekommen, sollten wir profitieren - deshalb auch mein Besuch im Volkshaus. Die 30 Minuten Konzertzeit sind richtiggehend an Lesley vorbeigerauscht: "Ich war oben, war wieder unten und hab nicht einmal geschwitzt", lacht sie erfrischend, "ganz allgemein kann man aber sagen: Je kürzer der Gig desto wichtiger die Songauswahl und dass man das Beste aus sich herausholt. Mir macht das fast noch mehr Spass weil ich mich voll hineinsteigern kann und dann doch nicht soo kaputt bin - ich mag solche Gigs!" Tja, und wie das dann aussieht, erfahrt ihr am 14. Juni in unserer Radiosendung auf Radio Emme, für die ich mir die Frage nach den sexy Moves von Lesley auf der Bühne aufgespart habe...
´Rock ist eine coole Sache!´, denke ich noch kurz vor dem Interview während ich die MiniDisc einrichte und mir von Lesley das Bier öffnen lasse. Also kommen wir dann gleich ohne langes Vorspiel zur Sache und ich konfrontiere die Schweiz-Amerikanerin mit drei persönlichen Thesen. Meine Behauptungen zu Lesleys Texten: Sie sind erstens von ihr selbst geschrieben, zweitens die Texte einer modernen Frau und drittens zusammen mit dem Sound eine gewaltige Portion Rock... Lesley schmunzelt: "´Moderne Frau´ finde ich sehr spannend, denn ich betrachte mich eigentlich nicht als erwachsene Frau und bin auch nicht moderner als andere Frauen im Rock-Bereich. Die Texte kommen halt einfach so raus und der Sound - das ist wahr - ist schon sehr rockig. Wir machen das halt jetzt schon recht lange und haben über die Zeit die Musik gefunden, mit der ich mich am besten ausdrücken kann." Mit modern meinte ich natürlich emanzipiert und hake nun nach, ob man sich das als Rock-Frontfrau überhaupt aussuchen könne? Die junge Zürcherin weiss natürlich genau, dass das was sie macht, in vielen Bands Männersache ist: "Die haben natürlich viel Power und das drückt sich auch in den Texten aus. Ich denke aber, das gibt sich ganz automatisch, mit den Gitarren hintendran."
Mit diesem musikalischen Druck umzugehen und das Gesamtprodukt Redwood zwischen rockigen Gitarren und Frauenstimme richtig zur Entfaltung zu bringen, ist wohl nicht immer ganz einfach: "...vor allem in einer Band mit zwei Gitarristen! Dazu kommt die Art, wie wir Songs schreiben... Das ganze ist nicht einmal so geplant oder konzipiert, es ist sehr natürlich so gewachsen." Die Saat ausgebracht haben Lesley Meguid und ihre Mitstreiter Dino Beck, Mark und Alex Lim sowie Francesco Gasparini in den Jahren zwischen Redwood-Gründung 1997 und EP-Release 2000. Seither supporten Redwood schon mal die Beatsteaks oder wie letzten Freitag Mel C und spielen an Festivals, wo sonst nur gesignte Acts antreten. Ihr Debut-Album haben sie mit dem Producer der Queens of the stone age eingespielt. Ein Märchen? - "Mir sind schon vor allem die letzten drei, vier Jahre präsent. Vorher waren wir viel jünger, mussten uns selbst finden, unseren Sound finden.. Mit der Zeit fängst du an zu überlegen, wohin wollen wir eigentlich? Und wenn du dann die richtigen Leute kennenlernst, die dich weiterbringen wollen... Leider ist das bei uns noch keine grosse Plattenfirma, aber Leute die an dich glauben, sind unheimlich wichtig."