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Redwood - Meep Meep Wromm!

Text: Monthy
Bilder: Redwood
Für einmal tut mir die Konkurrenz einen Gefallen und veröffentlicht am Tag meines Interviews mit der neuen Redwood Sängerin Nicole die Meldung, sie habe sich bei einem Treppensturz den Fuss verletzt. Für den Tourstart vom 6. März wolle sie wieder - im wahrsten Sinne des Wortes - auf den Beinen sein. Ich setze dort ein und frage, ob sie bei negativem Genesungsverlauf denn mit Krücken auf die Bühne kommen würde. "Sowieso", lacht mich das neue Gesicht der Band an, "der Tourstart wird deswegen nicht verschoben. Ich beisse mich da durch. Vielleicht hüpfe ich dann halt noch auf einem Bein..." Nicole geht mit mir einig, dass es eine Sängerin schlimmer treffen kann. - "Ja, das stimmt. Die Stimme ist heilig und ich komme ja immer noch auf die Bühne und wieder runter. Es ist einfach langsam und mühsam...", und selber schuld werfe ich ein und erhalte ein selbst-schuldbewusstes Lächeln zurück. "Ich bin einfach nur etwas beschwingt die Treppe runter und schon wars passiert...", erklärt Nicole ihren Lapsus und hakt das Thema erstmal ab.
Jetzt wird Nicole von Redwood umgarnt
Nun setzt sich auch Gitarrist Dino dazu und ich wende mich dem brandneuen Redwood-Album "Of Butterflies and Hurricanes" zu. Jetzt hätten sie die Sängerin gewechselt, sich ein Jahr Zeit genommen und - es töne alles noch gleich, meine ich gespielt vorwurfsvoll. "Das ist eigentlich nicht schlecht", schätzt er meine Einschätzung, "Wenn man genauer hineinhört, merkt man aber schon Unterschiede. Das Fundament ist dasselbe, die Musik ist Redwood und dass war so beabsichtigt. Wir wollten uns nicht neu erfinden, auch wenn wir mit der neuen Stimme jetzt die Möglichkeit gehabt hätten. Es ist mit Nicole auch so schon wieder frisch genug. Stattgefunden hat aber die normale Entwicklung, die wir von Album zu Album sowieso immer durchlaufen haben." Redwood hätten auch viel mehr hergegeben, als eine normale Band. Die Zürcher sind als toughe Rockband mit einer Frontfrau sehr stark identifiziert. Von denen gibt es hierzulande nicht eben viele. Es soll also auch so weitergehen. "Absolut", meint der sichtlich in sich ruhende Dino und geht etwas näher auf die feinen Unterschiede ein, "Neu ist eine gewisse Kompromisslosigkeit in beide musikalische Richtungen. Wenn wir also einen Popsong gemacht haben, dann sollte der auch so tönen. Anstatt an die Leute zu denken, die Rock mögen und auch für die noch etwas mit hinein zu packen." Das Risiko, dass einigen alteingesessenen Fans dann halt ein Drittel der Songs wenig gefallen, gehen Redwood da gerne ein. Dino: "Das Risiko musst du sowieso mit jedem Album eingehen. Es kann immer sein, dass denen, die uns in Vergangenheit mochten, die Entwicklungen nicht gefallen. Aber man kann ja verlieren und gewinnen... Wir haben auch gar nicht so überlegt, haben nicht darüber nachgedacht, unsere Bahnen ja nicht zu verlassen. Der Fokus lag eher darauf, die Musik sprechen zu lassen und sie nicht unnötig zu verändern. Das ist unsere natürliche Entwicklung über die letzten paar Alben." Am Schluss geht es ja sowieso darum, einige Songs aus vielen auszuwählen. Die Redwood-Logik mündet darin, die besten Songs aus - konkretes Beispiel - 25 heraus zu filtern.
Ein Schmetterling will einen Wirbelsturm verursachen...
Das Ergebnis tönt nun ein bisschen, als ob Nicole die ganze Arbeit gehabt hätte und die Band zurück lehnen konnte. Logisch, dass dem nicht so ist. Dino: "Die Band hatte durch ihre neue Arbeitsweise eher mehr zu tun als bei den letzten Alben. Mit Lesley gab es eine etwas stärkere Aufteilung der Aufgaben auf Musik und Text/Gesang. Jetzt sind wir alle etwas zusammen gerückt. Alle konnten überall ein bisschen mitreden. Das hat zu etwas grösserem Aufwand geführt." Für Nicole sind Redwood nicht die erste Banderfahrung, auch was Konzerte und Aufnahmen angeht. "Was ich noch sie stark gespührt habe, ist dass die Songs gemeinsam entstehen. Am Anfang eines jeden Songs stand eigentlich ein Old-School-Jam. Dann werden ergänzende Ideen dazu gesammelt und so entsteht er dann. Sicher bin ich dabei eigentlich für die Melodie und den Gesang zuständig. Wenn ich aber in eine Sackgasse geraten bin, habe ich mich nicht wirklich gegen Ideen anderer gewehrt. Mir ist diese Offenheit auch wichtig, statt dass man sein Territorium absteckt und verteidigt. Es ist ja kein Drein-Reden, sondern es geht um den Song." Es gibt Lineup-Wechsel, die sind spontan und oft gar brüsk. Wie sehr derjenige von Redwood am Mikrofon dies war, geht mich nicht wirklich etwas an. Abfedern kann man das sowieso immer erst dann, wenn die Nachfolgerin gefunden ist. "Wir mussten uns diese Zeit einfach nehmen", meint Dino denn auch und öffnet die Tür in die Vergangenheit einen Spalt, "Wir gaben uns also bis Ende 2008 Zeit, Ersatz zu finden. Wir wussten auch, dass wenn wir bis dahin jemanden finden, wir auch gleich wieder Vollgas geben wollen. Wir wollten das jetzige Album eigentlich letzten Herbst rausbringen, mussten aber einsehen, dass das etwas optimistisch geschätzt war." Für Nicole war's so sicher angenehmer, als wenn sie innerhalb einer Tour hätte einsteigen müssen. Vom Ohr her kann man sich durchaus vorstellen, dass sie Lesleys Songs hätte übernehmen können. "Das will und tue ich ja auch jetzt", relativiert die Neue, die live auch die alten Redwood-Hits singen wird. Allgemein attestiert man ihrer Stimme grosse Flexibilität. Zum Thema fremde und eigene Songs ist sie auch kein unbeschriebenes Blatt. "Ich bin mit Phillip Burrell in einer Coverband und bringe das also schon mit. Die Songs sind zwar zu Beginn fremd, wenn ich sie aber immer wieder singe, gebe ich ihnen auch etwas Farbe von mir und mache sie ein bisschen zu meinen eigenen. Insofern ist es für mich überhaupt kein Problem."
Nicole kokett, hinten stehend - Dino
Gegen Ende des Gesprächs komme ich auf die Redwood-typischen, musikalischen Gadgets zu sprechen, die sich seit Jahren in ihren Songs finden. Genau ihretwegen würde ich die Zürcher stilistisch in den von mir soeben erfundenen Roadrunner-Rock einteilen. Man stelle sich vor, der Koyote passt unter einem Felsvorsprung den schnellen Donnervogel ab. Dieser kündigt sich mit seinem legendären "Meep Meep Wromm!" an, irgendetwas geht beim Koyoten schief und der Felsblock kracht ihm auf den Kopf. Redwood sind der Roadrunner - und ich komme mir immer vor, als wäre ich von einem Fels getroffen worden... Eine dieser Spielereien eröffnet denn auch das Album als Intro des Openers. Die Ideen dazu stammen nicht immer von ein- und demselben Bandmitglied, wie Dino gerne verrät: "Man kann es so nicht sagen. Wenn man so lange zusammen spielt wie wir, dann entwickeln sich halt auch gewisse Muster und die Dinge ergeben sich dann einfach. Der Opener wurde nicht als solcher geschrieben und das Intro ist eigentlich mehr den Tüftlern im Studio zu verdanken. Irgendwann war einfach klar, dass dies ein toller Opener werden würde. Ein wesentlicher Faktor ist sicher, dass wir zwei Gitarren in der Band haben, die sich voneinander unterscheiden sollen. Das ist schon eine unserer Waffen..." Ein Fronter-Wechsel ist normalerweise sehr schwerwiegend für eine Band. Es mag an Nicoles Flexibilität und Können liegen und damit zu tun haben, dass die Rothölzer - grosse alte kalifornische Riesenbäume - gut verwurzelt sind und einen Plan haben. Aber ich kriege einfach den Eindruck, wenn man einen Gitarristen auswechseln würde, hätten Redwood hinsichtlich ihrer Identität mehr Probleme. Dino: "Das kann sein. Ich weiss es nicht, weil wir es nie gemacht haben. Dass unser Sound so tönt, wie er ist, hängt aber auch stark damit zusammen, dass wir viermal mit dem selben Produzenten gearbeitet haben und im gleichen Studio waren. Unser Produzent ist so etwas wie unser sechster Beatle und kennt uns im Schlaf." An Werten festzuhalten, finde ich heutzutage schon wieder mutig. Die Kontinuität im Werk von Redwood ist nicht nur hörbar sondern auch uneingeschränkt zu geniessen. Von ihren Anfängen bis heute gibt es keinen Bruch. Diese grossen Bäume kann man eben nicht einfach so umtopfen... Obwohl sie eigentlich für "Schmetterlinge und Wirbelstürme" so was ins Auge gefasst hatten. - Dino: "Nach dem letzten Album wollten wir eigentlich mal mit jemand anderem zusammen arbeiten. Aber dann ist Nicole gekommen und wir fanden, dass sei dann genug Veränderung für ein Album."
Satte Rockband mit Frontfrau - Redwood
Noch brennt mir eine letzte Frage auf der Zunge. Da ich nicht genau weiss, wie ich sie stellen soll, werfe ich in die Runde: "Jetzt seid ihr ja schon länger ein Geheimtip..." Dino spürt woraut ich hinaus will, doch erst müssen wir uns alle vom Lachen erholen. Angreifen wollen Redwood natürlich immer. "Wir sind bis an die Zähne bewaffnet", bestärkt Dino und plaudert aus dem Nähkästchen, wie man es anstellt, nicht den Glauben an sich zu verlieren, bevor der grosse Durchbruch kommt. "Hinterfragen sollte man sich schon immer wieder. Der Aufwand, den wir betreiben, ist schliesslich doch relativ gross. Wir haben immer gesagt, solange es vorwärts geht, machen wir weiter und geben alles." Nicole's Motivation ist nach einem Jahr Redwood natürlich noch vollkommen intakt. Ihr Geheimrezept: "Spass haben... Mir macht es dann aber eben auch nichts aus, den Song zum siebenhundersten Mal durchzugehen... Aber ich bin sowieso ein sehr ausdauernder Mensch." Das Auf und Ab kennen Musiker schliesslich genauso wie jeder andere. Ein Vorteil sind für Dino die ständig wechselnden Anforderungen: "Im Übungsraum und im Studio sind wir quasi am Beackern unseres Feldes. Wenn mal ein Album abgeschlossen ist, kommen die Konzerte. Und die sind für uns im Prinzip die Ernte. Wenn irgendeiner von uns mal Motivationsprobleme haben sollte, steigen wir mit ihm auf die Bühne - und dann geht's ihm augenblicklich wieder gut." Bei Nicole dürfte momentan eher das Gegenteil der Fall sein - neue Band, neues Album, Toursart, Bein kaputt - voll der Hype? Nicole: "Es ist momentan sehr aufregend, aber ich bin noch nicht aufgeregt... Das kommt dann sicher, kurz bevor es losgeht." Man merkt - die Rollen sind verteilt: Nicole hat die Schmetterlinge, die Band macht auf Hurrikan. Der Tourstart kann - trotz Krücken - kommen...

Kommentare von Benutzern

2/11/2012 5:10:27 AM Administrator
Dein Kommentar
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2/12/2010 3:13:48 AM ulla
knackig
hey
redwood ist und bleibt geil.
bin ja massiv auf das album gespannt. die single ist schon mal sehr knackig.
lg und toi toi toi
ulla

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