Redwood sind „jetzt einfach mal zufrieden!“
28.10.2011/Text: JoshMorane, Bilder Promo
Der Auftritt anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums des Berner Gaskessels war nicht der erste für die Zürcher im Berner Kultlokal. „Wir waren schon mehrmals hier und es war immer top. Wir fühlen uns geehrt, an diesem Jubiläum spielen zu dürfen“, sagt Bassist Alex, und betont: „Allgemein haben wir in Bern schon einiges abgeklappert: Mahogany Hall, ISC, Bierhübeli, Kursaal, DuNord…“ Für Frontfrau Nicole war der Gig derweil eine Premiere: „Ich bin zum ersten Mal hier. Die Location sieht super aus, ich bin gespannt was uns heute erwartet.“
Mit ihrem aktuellen Album „A 1000 punches“ haben Redwood einmal mehr eine überzeugende Platte abgeliefert. „Es ist im Prinzip eine Liebeserklärung an jemanden oder etwas“, sagt Nicole selber über das Album. „Wenn man etwas wirklich will und mit Leidenschaft hinter einer Sache oder einem Menschen steht, dann steckt man tausend (Rück-)Schläge und mehr weg. Die Botschaft ist: Geh‘ deinen Weg und lass‘ dich von Nichts und niemandem unterkriegen.“ Und so sind Redwood auch ihren Weg unbeirrt gegangen und haben beispielsweise einen Grossteil des Albums live eingespielt, wie man das früher gemacht hat. Zudem findet sich auch ein Cover von „Somebody To Love“ von Jefferson Airplane auf der Platte. Da drängt sich die Frage auf: Macht ihr jetzt einen auf retro? „Nein“, sagt Gitarrist Mark, „ich hatte schon lange den Wunsch, ein Album live einzuspielen. Die letzte Scheibe 'Of hurricanes and butterflies' war total sauber und klinisch rein eingespielt. Viele Leute vermissten auf dem Album die Live-Energie, die wir auf der Bühne haben. Diese Energie versuchten wir jetzt im Studio einzufangen. Bis auf ein paar Vocals haben wir wirklich real-live aufgenommen, alle im selben Raum zusammen gesoundet. Das ist schon ein ganz anderes Feeling. Es ist jetzt alles viel energetischer und dreckiger. Da passte natürlich auch ein Song wie 'Somebody To Love' perfekt dazu.
Alle in gemeinsam in einer Kiste – das birgt durchaus auch Konflikstoff – etwa, wenn es um die Frage geht, welche Version eines Songs denn nun die beste ist. Mark gesteht: „Es war natürlich nicht immer einfach“, erklärt dann aber: „Als Kriterium galt für uns der Gesamtsound. Wenn alles zusammen passt, dann hörst du es sofort, auch wenn vielleicht irgendeine kleine Unreinheit drin ist. Das macht es ja gerade aus.“ Drummer Francesco ergänzt: „Für mich ist 'A 1000 Punches' die Platte des Loslassens. Man kann nicht alles immer perfekt machen, wenn man live einspielt. Deshalb muss man auch lernen, etwas so stehen zu lassen wie es ist.“
„We're all gonna die“, das eigentliche Erfolgsalbum der Band, liegt schon eine Weile zurück. Die Ambitionen von Redwood wurden deshalb aber nicht kleiner – was nicht immer nur ein Vorteil war, wie Mark erklärt: „Weisst du, bisher wollten wir nach jedem Album immer noch mehr, noch höher, noch weiter, noch besser. Man setzt sich damit selber einen unglaublichen Druck auf, so dass man das Ganze gar nicht richtig geniessen kann. Jetzt ist das anders: Wir machen Musik, haben ein tolles Album, heute spielen wir im Gaskessel, morgen in Luzern. Es ist gut so, wie es ist. Wir wollen jetzt einfach mal zufrieden sein.“ So ist auch die Karriere im Ausland etwas in den Hintergrund gerückt. „Das hat momentan nicht Priorität. Wir sind mit dem Leben in der Schweiz so stark vernetzt, dass es fast nicht mehr möglich ist, einfach abzuhauen und alles stehen zu lassen. Wir müssen ja auch irgendwie Geld verdienen“, sind sich Mark und Nicole einig.
Geld verdienen ist die eine Seite der Medaille – Geld ausgeben die andere. Letzteres geht etwa auf dem Jahrmarkt problemlos. Und just mit einem solchen vergleichen Redwood ihr neues Album. Kein Wunder, haben die Bandmitglieder diesbezüglich eine enge Beziehung. „Ich mag Ponyreiten am meisten“, sagt Nicole, und die Runde lacht. Logisch, dass da der Song „One Trick Ponies“ ihr Thema ist. Fancesco verbindet derweil seine Vorliebe für Putschautosmit „Elevator Girl“, während Dino sagt: „Das Beste sind doch die richtig geilen Achterbahnen. Ich liebe diese Adrenalin-Kicks. Irgendwie ist für mich das ganze Album eine Achterbahn.“ Ganz anders Alex. Er erklärt: „Ich mag alles, wo es etwas zu Essen gibt. Am besten ungesundes, süsses Zeug. Ich würde das mit 'Burn it Up' vergleichen, weil man die Kalorien ja auch mal wieder verbrennen muss.“ Mark schliesslich berichtet: „In Amerika war ich mal an einem Jahrmarkt, wo es eine Freak Show gab. Abgedrehte Leute, die sich an Häken aufhängen und sich Stangen durch die Backen stecken. Das passt natürlich am besten zu 'One Trick Ponies (in a Freak Show)'.“ By the way: Genau solche Freaks suchen Redwood derzeit auf ihrer Facebook-Seite. Die ausgeflipptesten kriegen einen Gastauftritt im entsprechenden Clip....