Reverend Beatman: „Ein Song ist wie ein Tattoo“
Text: Ko:L
Bilder:
PartyGuide.ch, Fabian Rohr
Die Bild am Ufer des Vierwaldstättersees mag seltsam anmuten. Zwei Kerle, ganz in schwarz gekleidet, einer mit mehr, der andere mit weniger Haar, sitzen am Boden, vor ihnen plätschert das Wasser an die Ländtemauer, die Sonne scheint, blauer Himmel und zwitschernde Vögel. „Gestern spielte ich in Basel, da hats geregnet wie Sau“, sagt der Schwarzgewandete mit etwas weniger Haar. „Aber ich habe nach oben telefoniert und Regen organisiert, ich wollte drinnen spielen.“ Denn: für einen Reverend ist „nach oben telefonieren“ die kleinste Sache der Welt. Und genau so ein Reverend ist dieser Schwarzgewandete. Reverend Beatman, der Pate(r) des dreckigen Rock’n’Roll, Trash und Blues. Und so ist es unbestrittenermassen seiner Heiligkeit zu verdanken, dass am Samstag in Hergiswil am Vierwaldstättersee die Sonne scheint und alles bereit ist, für ein Rockfest der besonderen Art.
Seinen Segen hat der Reverend dem Festival in Form eines Gigs mitten im Gelände, am Fuss der Lakeside-Jump-Rampe gebracht. Eine kleine Bühne, Pauke, Snare, Gitarre und Mikro – das klassische Lineup einer kultverdächtigen Oneman-Show. Zwischen den einzelnen Durchgängen des Contests sorgte er dafür, dass „die spirituellen Höhenflüge der Velofahrer musikalisch umgesetzt werden.“ Just dieses Referieren ist es, das den Beatman zu seinem Namen bewegt hat. „Blues, da geht es darum, etwas zu erzählen, eine Message zu vermitteln. Meine Message ist halt etwas strange – und deshalb finde ich, Reverend ein guter Begriff ist, um etwas an die Leute zu bringen.“
„Der Exotenbonus hat schon immer gut funktioniert bei mir – und das koste ich schamlos aus“, erklärt der Reverend grinsend. Er kam nach Hergiswil, baute seine paar Utensilien auf und legte los – unkompliziert und straight. Lust auf Masse hat er gar keine. „Oh nein… nein! Nein, überhaupt nicht. Das ist eine Entscheidung, die ein Musiker mal fällt. Irgendwann weisst du, was du machen müsstest, um massentauglicher zu werden. Aber man muss wissen, wo man hingehört. Und ich war schon immer ein Rock’n’Roller“, predigt er und weiss: „Wenn du so Musik machst, wirst du nie Geld machen, nie die grosse Masse erreichen oder was auch immer. Aber das ist ok so!“ Es ist offensichtlich: Begriffe wie Masse oder Kult sind ihm ziemlich egal. „Der eigene Frieden ist alles.“
Nicht zuletzt deshalb ist der Reverend auch nicht ausschliesslich mit seinen Monsters unterwegs. Auch wenn die Band seit 20 Jahren existiert und zusammenhält – er braucht seine Freiräume. „Jeder in der Band hat etwas zu sagen und in dieser Gemeinschaft ist es manchmal nicht leicht, eigene Ideen durchsetzen zu können.“ Deshalb hat er eigene Projekte, Reverend Beatman oder Lightning Beatman. „Da habe ich eine Idee, setze sie um und dann ist es gleich erledigt. Ich bin flexibler, schneller und komme einfacher vorwärts.“ Aber wie überall gibt’s da wo die Sonne scheint auch Schattenseiten. „Wenn du alleine unterwegs bist, bist du die ganze Zeit alleine; das ist auch Scheisse. Bist du mit der Band unterwegs, hast du die besten Kollegen um dich.“
Genau so funktioniert auch seine Musik. Die Songs müssen alleine funktionieren und in der Band. „Ein Song ist nur dann gut, wenn er auch minimiert aufs Kleinste funktioniert“, sagt der Reverend. „Wer es schafft, eine Song mit einem Griff zu spielen, ist gut. Und das ist es, was ich probiere.“ Wohl entstehen die Songs jeweils aus Ideen in der Band, „dann shrink ich sie zusammen für Oneman-Band und wenn ich ins Studio gehe, mach ich sie alleine oder eben mit Band.“ So wie bei Church of Herpes, wo er ein Album zusammen mit einer Industrial-Band eingespielt hat – oder auf dem neuen Album, auf dem ein Cello auftaucht. Wobei es eigentlich „auf einem der neuen Alben“ heissen müsste. Denn der Reverend beglückt uns gleich mit drei Segens-Sammlungen.
„Es ist wie bei einem Tattoo – wenn man etwas erlebt hat, muss man einen Song machen“, sagt Beatman. „Ich kann keine Platte machen, wenn nichts passiert ist im Leben.“ Deshalb gehts manchmal lange, bis ein Album kommt. Dann kommt aber gleich ein ganzes Pack. „Bei mir geht’s auf und ab im Leben, schön und weniger. Und jetzt war halt gleich Zeit für neue Scheiben - Gleich drei Scheiben, weil es dermassen abging in den letzten Jahren, mit Frauen und Kindern und so Zeug. Und Frauen, aber auch Liebe und das ganze Zeug – das ist mein Topthema.“