Rez - Half acoustic heart ache
Text: Eve
Bild: Cover
Viviane Laissue und Nick Joyce haben mit Ice 9 anscheinend nicht genug. Mit ihrem neusten Projekt REZ schlagen sie allerdings einen etwas sanfteren und melancholischeren Ton an. Friedlicher, zärtlicher, aber dennoch sehr intensiv und einprägend. Die Sechs-Track Scheibe erinnert an einen gutmütigen, ruhigen Fluss, jedoch nicht ohne gut platzierte Wasserfälle und rasante Stromschnellen. Vivianes Gesang klingt reifer, erfahrener, überaus seelenvoll und präsentiert sich auf einem Teppich aus vielen interessanten, technischen Spielereien, E-Gitarre, Bass und Drum, aber auch einer anständigen Portion Akustik und höre ich da etwa sogar eine Mundharmonika? Auch wenn alles überaus feinfühlig klingt, so hat die Musik ihren Biss und ihre Dreistigkeit dennoch nicht gänzlich verloren, was zum Beispiel der Track „Blow Black“ deutlich zeigt. Nur halt eben in einem anderen Ausmass als bei Ice-9. Dreht es sich um die blutrote Sonne, klingt es ernsthaft, einschneidend und spannend, auf einem eher düsteren, musikalischen Boden, „Worries“ tönt beinahe etwas heiter und verspielt und „New Moon“ ist ein warmer, inniger Song, der gefühlsbetont und überaus empfindsam daherkommt. Ansonsten sind die Klänge doch vorwiegend gedankenvoll, schwermütig und deprimiert. Ein absolutes Glanzstück ist ihnen mit „Dear Jimmy“ gelungen. Ein ruhiges, nachdenkliches aber enorm packendes Stück. Erst still und ruhig wie ein tiefer See, doch innerhalb des Songs rauschen unerwartet brausende, psychedelische Stürme nach alter Pink Floyd Manier durch die beinahe selbstquälerische Botschaft an Jimmy. Starke Melodien, zierlich und doch voller Kraft, ausdruckstark und leidenschaftlich. Eine ausgezeichnete Verflechtung von Elektrik, Technik, Akustik und ästhetischer Singstimme.