Rolf Luginbühl - Songs und Geschichten Vol. 1 (Fishtribe Records)
Text: Monthy
Bild: Cover
Seine Musik umschwärmt das Gemüt. Mit Harfe, Dobro und "Schnurregiige" schmeicheln seine Songs der Seele. Doch da ist etwas in der Stimme von Rolf Luginbühl, das mich von Beginn an ein bisschen stört und gleichzeitig schampaar interessiert. Der Opener, eine Geschichte von dem, der's gesehen hat, kommt auch im Gesang sanft daher. Der Kritiker in mir trachtet aber vor allem danach, dem unüblichen Charakter einen bekannten Namen zu geben. Fast konturenlos, offebar absichtlich in die Melodie hinein gemischt und keineswegs dominant säuselt Luginbühl auch in der Folge in mein Ohr, während ich mich nicht wirklich entscheiden kann, ob das nun besonders gelungen ist oder ein Faux Pas. Im "Kreis" verhilft ein Chor den Worten zu mehr Durchschlagskraft und ich will das Ganze nun doch dem Ohr des Produzenten zuschreiben. Luginbühls Wendungen und stimmlichen Schatten, die er ab und zu setzt, stimmen mich aber nochmal um. Es ist eine Art Ironie, die der Mundart ansonsten vollkommen abgeht. Entweder lustig à la QL oder cool wie Züri West, andernfalls so emotional wie Patent Ochsner oder so melancholisch wie Ur-Vater Mani Matter - so war die Mundart zumindest einst. Nach der hochgejubelten Sophie Hunger und dem Stadtberner Siuv bietet Rolf Luginbühl aber einer neue Mundart Vorschub. Und wo von Polo bis Gölä die alten Helden dem Volk die Worte von den Lippen lesen und in volksnahe Hits umwandeln konnten, verlangt die neue Mundart umgekehrt, dass sich der Hörer auch zwischen ihren Zeilen abmüht und die Misstöne interpretiert. Muss ich noch sagen, dass aber auch Luginbühl's Mundart wieder dort herkommt, wo schon immer ihr Herz geschlagen hat? - Thun Nord setzt nach vor die Massstäbe. Dass die Musik von Luginbühl in ihrer Ruhe und die Aufmachung, speziell der Titel eher das Ambiente von DRS 1 versprühen, denn Radio Energy kann mich nun auch nicht mehr von meiner gemachten Meinung abhalten: Dieser Rolf Luginbühl, meine Damen und Herren, hat's faustdick hinter den Ohren. Die vier Songs machen die erste EP einer Trilogie aus und man darf kaum erwarten können, was da noch folgen will.