25 Jahre Aktionismus zugunsten der Schweizer Musik
Text: Monthy
Bilder: ASM
Die heutige Schweizer Musik Szene verdankt ihre Lebenskraft und ihre Verschiedenartigkeit sicher nicht einer einzelnen Idee oder einem Projekt. Daher wäre es vermessen, die Wende zum Guten ans Jahr 1981 und die Gründung von "Aktion Mundart-Rock" zu koppeln. Der Zeitpunkt für Aktionismus hätte allerdings kaum besser sein können. Erste Exponenten einer nationalen Musikszene wie Polo's Rumpelstilz schienen auf verlorenem Posten zu kämpfen. Einzelkämpfer waren sie damals und was sie machten, wurde allgemein belächelt und verniedlicht. Mundart war - kaum geboren - schnell wieder totgesagt. Die aus dieser Zeit verbliebenen Dinosaurier, etwa ein Housi Wittlin, waren nicht geeignet, der Mundart neue Türen zu öffnen. Der damalige Geist zeigt sich nicht nur in der "Aktion Mundart-Rock". Aufstrebende junge Bands wie Züri West verlangten ab ca 1985 Auftrittsmöglichkeiten, Bandräume und bessere Unterstützung, zur Not auch in der biederen Vorabendsendung "Karussel" im Schweizer Fernsehen. Die Bilder von Kuno im Interview mit Kurt Schad bleiben jedenfalls unvergessen. 1988 veröffentlichte Dan Bömle mit "BEstand 88" einen Sampler, den man aus heutiger Sicht gar nicht mehr richtig verstehen kann. Der Kampf um öffentliche Gelder und gesetzliche Leitplanken wurde von einer Szene angenommen, die eigentlich ganz andere Dinge im Kopf hatte - Sex, Drugs and Rock'n'Roll...
Hauptsächliches Anliegen der "Action" ist, nebst der Verbesserung der Grundlagen, Beratung und Information von Bands, die sich oft erst dann melden, wenn es schon zu spät ist. "Wenn wir erst dann kontaktiert werden, wenn die Band bereits einen Vertrag unterschrieben hat und knietief in der Sch... steckt, können wir auch nichts mehr tun", verrät mir Lisa Gyger von "Action Swiss Music" beim Feierabend-Bier, "Schweizer Bands scheinen Mühe zu haben, angebotene Hilfe anzunehmen. Hilfe brauchen sie immer erst, wenn es schon zu spät ist..." Dabei wäre es eben wichtig, alles von Anfang an richtig zu machen, was ohne Information kaum möglich ist. Gerade Rockmusiker müssen da halt auch einmal über ihren Schatten springen und einen Workshop oder so besuchen. Dort werden beispielsweise "Begriffe und Vernetzung der Musikindustrie", "Plattenfirma, Management und Booking" oder "Urheber- und Leistungsschutzrechte" thematisiert und die Musiker befähigt, sich im Dschungel der Musikindustrie nicht zu verirren. Desinteressierte und -informierte Musiker werden heute ansonsten ganz einfach an die Wand gedrückt. Weiss man aber, worauf man sich einlässt, wird das Business ein bisschen transparenter.
So - bevor dieser Artikel zu einer simplen, wenn auch existenziellen Info zum Thema verkommt, möchte ich es mir nicht nehmen lassen, den Aktionisten für die Schweizer Musik Szene herzlichen Dank auszusprechen. Die Arbeit, welche die "Action Swiss Music" leistet, ist nicht nur zäh und fordernd, sondern vor allem unbezahlbar. Weiter so.
Die "Aktion Mundart-Rock" wurde von Christian Eggenberger, Jürg Jordi und Peter Perrollaz gegründet und diente anfangs als Vorverkaufsstelle und Mitorganisator der "Mundart-Rock Feschter" im Kursaal Bern. Daneben fungierte man als Informationsplattform für Fans und Musiker, als Schallplattenvertrieb und Plattenlabel. Diese Tätigkeiten - im Rückblick als dankbare Aufgabe betitelt, weil man dafür von Musikerseite viel Dank erntete - traten später in den Hintergrund. Die "Aktion" trat vermehrt als Karriereplaner für Bands und Musiker-Lobby auf, verschaffte sich Einsitz in Gremien der SUISA, der SIG (Schweizerische Interpreten Gesellschaft) und der Swissperform. Nach einer ersten Umbennenung in "Action CH-Rock" veröffentlichte die Organisation das Handbuch "Action Rock Guide" mit hilfreichen Tipps zum richtigen Aufbau eines Bandprojektes und einem geschichtlichen Abriss zur Schweizer Musik Szene. Das Buch ist bis heute fast einzige Publikation zum Thema geblieben und stellt eine der raren Möglichkeiten dar, sich über die Anfänge der Szene zu informieren.
Fortan marschierte die "Action" durch die Institutionen der Schweizer Politik, um den Musikern die Beschäftigung mit einem schwerfälligen Apparat zu ersparen. Man brachte die SRG dazu, sich via "Charta der Schweizer Musik" mehr zum einheimischen Schaffen zu bekennen und dieses anteilmässig im Radio- und Fernsehprogramm stärker zu gewichten. 2003 war der Zeitpunkt einer abermaligen Namensänderung gekommen, da man den Aktionismus irgendwann auf die gesamte Schweizer Musik ausgedehnt hatte und längst nicht mehr nur für Rock lobbierte. "Action Swiss Music" drückt dies nun angemessen aus, auch wenn sich der alte Name in der Szene etabliert hatte. Das kleine Problem ist an sich nur ein grosses Kompliment. Hatte man sich doch Gehör verschafft - sowohl in als auch ausserhalb der Szene. Die Traktandenliste 2005 führte das Kulturförderungsgesetz und die Revision des Urheberrechts als zentrale Punkte auf, was erkennen lässt, wie ernst und unnachgiebig man sich in diesem für Musiker eher ungeliebten Themenbereich engagiert.