Adrian Stern ist und bleibt ganz Herz
Text: Ko:L
Bild: adrianstern.ch
„Ich habe gemerkt, dass Riffs nicht alles sind!“ Das sagt der Mann, dessen Musik wir einst als „jungen rotzfrechen Rock“ bezeichneten, und der jetzt mit „Herz” ein Album abliefert, das so alles andere als rotzfrech ist. „Vor allem als ich solo auf meiner ‚Frühlingsputz’-Tour unterwegs war, merkte ich, wie tief der Drang in mir ist, ruhigeren Sound zu machen, oder einfach solchen, der aufs Wesentliche reduziert ist. Die Worte müssen genügend Raum haben, aber auch die feinen Zwischentöne, welche man auf der elektrischen oder der akustischen Gitarre spielen kann“, erklärt Adi Stern. Und so fährt vielleicht noch „Superman“ primär in die Beine, der Rest der Tracks auf „Herz“ zielen direkt in selbiges.
Ob all dem Herzschmerz, den Stern auf seinem vierten Album serviert, drängt sich die Frage auf, wie verliebt der Aargauer denn nun tatsächlich sei. Stern grinst: „Das ist wieder eine dieser Einstiegsfragen in ein Interview, die nach einer kurzen und kompakten Antwort schreien… Ich bin seit sieben Jahren mit meiner Freundin zusammen und bin jeden Tag glücklich mit ihr, wahrscheinlich sogar jeden Tag glücklicher, und es wird immer klarer, dass ich mit ihr für den Rest meines Lebens zusammen sein will.“ Das verklärte Lächeln auf Sterns Gesicht lässt glauben, dass da keiner gegenüber sitzt, der einfach weiss, wie er wem die richtige Sülze bringen muss. „Es ist der ganz normale Beziehungswahnsinn, den wir leben“, sagt er – und gesteht damit, dass auch bei Sterns nicht im alles Eitel Freude ist. Doch spätestens mit „Herz“ beweist der Aargauer, dass auch Frust, Angst oder Zweifel Emotionen sind, die nicht zwingend mit lauter Strom-Gitarre musikalisch umgesetzt werden müssen. Es geht auch ruhig.
„Ich habe in den letzten Jahren entdeckt, wie viel Raum Musik, die ganz schlicht und schnörkellos daher kommt, einnehmen kann, wie viel Energie sie ausstrahlen kann und welche Kraft von ihr ausgehen kann“, sagt Stern. Und er widerspricht der These, dass mit leiser Musik nur kleine Klubs mit Atmosphäre gefüllt werden können. „Das funktioniert auch in grossen Lokalen“, sagt er, „ich habs selber erlebt.“ Hauptsache sei, die Songs seien mit ehrlichen Emotionen gefüllt. „Wenns dann noch groovt und trotz aller Ruhe in die Beine fährt, dann umso besser.“
Und so landen wir am Ende beim alten Thema der schlichten Ehrlichkeit und der Authentizität auf der Bühne – eine Eigenschaft, die Stern schon eine Weile auszeichnet und die ihm möglicherweise auch Türen geöffnet hat. Zum Beispiel zu einem DRS3-Showcase; wohl nicht zuletzt, weil er beim Sender nie einen Hehl daraus gemacht hat, dass sein Herz für Mundart-Texte schlägt, sich aber auch nicht zu schade war, als Interpret von Höhrerwünschen aus aller Welt ins Studio zu sitzen. „Vielleicht haben sie da gemerkt, dass Mundart-Musiker nicht nur einfältig und simpel sind, weil sie gerne eine direkte und verständliche Sprache für ihre Songs benutzen“, sinniert Stern. „Nein – ich bin genau so ein Musiker aus Leidenschaft, wie ganz viele andere auch. Der Entscheid, Mundart zu machen hatte und hat nichts mit Business, wie bisweilen zwischen den Zeilen vermutet wurde. Es war und ist eine reine Herz-Sache.“