Sonne, Mond und mehr Stern
Text/Bilder: Sly
Sony Headquarters in Zürich. Ein Augenschmaus, diese vielen Gold- und Platinauszeichnungen an den Wänden; der Michael Jackson hängt ja auch noch da! Ob jetzt Grüsel oder Genie, viele Platten hat er verkauft... Was solls, ich bin ja eigentlich wegen Adrian Stern da. Sauguter Gitarrist und Songschreiber, lässt einen Hauch Bryan Adams aufkommen, Frauenherzen schlagen für ihn und er soll erst noch sympathisch und bescheiden sein. Unmöglich? Die Rocktante fühlt Stern auf den Zahn...
Ein wenig abgekämpft wirkt er, wollen doch alle etwas von ihm. Gerade vom Inti bei VIVA-Check kommt Adrian Stern, wo er fast schon ein alter Bekannter ist. "Ja, langsam weiss ich wie’s läuft" grinst er. "Beim ersten Besuch war ich total ´excited´ und jetzt seh ich mehr die Routine dahinter. Genau wie bei meinem ersten Openair-St.Gallen-Erlebnis. Das war wie Geburtstag, nach einigen Jahren siehst du plötzlich nur noch die Besoffenen im Schlamm ´trölen´". Schon seit einigen Jahren als Profi- und Sessionmusiker in der Szene bekannt, arbeitete er mit Leuten wie Michael von der Heide, Florian Ast, Kisha uvm. Jetzt wird Stern von der Öffentlichkeit plötzlich als Popstar wahrgenommen. "Natürlich ist das ein wenig zwiespältig" gibt Sterm zu, "aber ich gebe mich immer wie ich bin, da merken die Leute schnell, dass ich ein ganz normaler Typ bin. Es gibt ja auch Promis wie z.B. Paul McCartney oder Phil Collins, welche zuerst nicht eigentlich den glamurösen Livestyle suchten, aber als Musiker und Liedermacher anfingen. Und das ist bei mir auch so". Schon früh stand Adrian Stern gerne im Mittelpunkt und schrieb eigene Songs. Mit 20 trat er seine erste "Söldner-Funktion" als Gitarrist an, wollte aber schon immer seine eigenen Lieder spielen. Mit seinem knackigen Debut, welches in Zusammenarbeit mit Produzent Thomas Fessler (Plüsch, Sina, Gigi Moto, Florian Ast und, und, und...) entstand, war es endlich soweit. "Die Songs weichen eigentlich nicht sehr von den Demo-Versionen ab, doch bleiben sie jetzt bis am Schluss spannend", erklärt Stern, "musikalisch bin ich ein Ami-Rock Fan, halbgeschliffener Rock gefällt mir sehr gut".
Die Stern-Mitstreiter sind Géza Burghardt (Bass), welcher früher bei Crank spielte und Peter Haas (Drums) von Hendrix Cousins, wo auch Stern dabei war. Nach einem gemeinsamen Jam war Stern klar, dass er seine Band gefunden hatte: "Es klang ein wenig roh und trotzdem poppig, das gefiel mir". Stern besingt in seinen Songs ausschliesslich Höhen und Tiefen von Beziehungen. Ist denn sein Privatleben wirklich so dramatisch? "Eigentlich nicht, ich bin mehr ein Beobachter, aber z.B. ´Summer Bi Dir´ war schon persönlich, da wollte ich eine schöne Liebe erleben, aber geklappt hat es einfach nicht". Bewusst schreibt er seine Texte in der Umgangssprache; er will Geschichten direkt erzählen, weil jeder Aussagen wie "äs schiisst mi aa" oder "dummi Chue" versteht. Der Song "S’Bescht" entstand aus schwerem Liebeskummer, erzählt Stern: "Ich setze mich ans Klavier und sang den Text mit Tränen in den Augen auf mein Diktafon, weil ich so frustiert war: ´Drumm figg di doch is Chnü – blödi Chue – laa mi endli los – laa mi in Rueh´". Nicht ganz so begeistert war Stern’s Vater, aber sein Vorschlag doch lieber "Blas mer doch i d’Schueh" zu verwenden, brachte die Sache nicht ganz auf den Punkt...
Mit einem Augenzwinkern verrät Adrian Stern, dass er sein Lebensziel mit dem Auftritt am Openair St. Gallen bereits erreicht hat. Damit er aber jetzt nicht einfach ziellos weiterleben muss, hat er sich ein neues Lebensziel gesetzt. Nämlich nächstes Jahr eine bessere Startnummer zu ergattern. "Samstag nachmittag wäre nicht schlecht, dann das Jahr darauf vielleicht Headliner...". Nervosität vor Konzerten ist bei Stern normal. "Ich werde sehr still und male mir manchmal komische Szenarien aus, z.B. wir fangen an und alle finden uns Scheisse und laufen davon... aber mir will es niemand glauben, weil ich auf der Bühne immer fröhlich und locker wirke". Auf seinen Lorbeeren ruht sich Stern nicht aus. In Gedanken ist er schon bei der nächsten Platte und kämpft manchmal auch mit der Frage, ob er überhaupt noch gute Songs schreiben kann. Lange brauchte es, bis die Songs für die erste Platte fertig waren. Viele Ideen und Songfragmente wurden erst konkret, als ein Tour-Engagement mit Michael von der Heide ihm finanziellen und zeitlichen Freiraum gaben, zwischen Gigs Tag für Tag an seinem Material zu arbeiten. "Nur auf die Muse warten funktioniert nicht", sagt Stern, "aber es ist auch schon passiert, das Sachen plötzlich auf ´einen Chlapf´ passieren". Das plötzliche Interesse an seiner Person nach der Veröffentlichung des Albums fand Stern lässig musste aber auch mit Kritik fertig werden. "Es gibt Leute, die mögen meine Sachen, andere finden vielleicht meine Texte zu simpel, aber ich will mich selber bleiben. Inzwischen lese ich nur noch die Kommentare in meinem Gästebuch, der Rest bringts eigentlich nicht, weil man es ja nicht allen recht machen kann".
Mit Bryan Adams verglichen zu werden gefällt Stern, er nimmt das Kompliment dankend an. Sein erstes Bryan-Adam-Erlebnis widerfuhr ihm als etwa 10-jähriger, als er "Summer of 69" zum ersten Mal am Radio hörte. "Ich drehte ganz laut auf und hüpfte wie wild herum. Ich finde es geil mit ihm verglichen zu werden". Hingegen die Behauptung, ein Schwiegermutter-Traum zu sein, findet er hart. "Das heisst ja, dass ich nur bei den Schwiegermüttern ankomme und nicht bei den Töchtern", meint er lachend. "Aber da müsst ihr euch wirklich reiflich überlegen, ob ihr so einen Zweifler wie mich wollt, der sich alles hundertmal überlegen muss und immer noch nicht recht weiss was er will". Also wir, lieber Adrian Stern, müssen uns nichts mehr reiflich überlegen. Es ist ganz einfach. Nämlich Stern-Sound auflegen und voll drauf abfahren.