DgSH 4: Heimat – und Gegensätze!
Text: Ko:L
Bilder:
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Dass Ruedi Rymann mit seinem „Schacher Seppeli“ am Ende der vierten Sendung „Die grössten Schweizer Hits“ (DgSH) fast ein Drittel der Publikumsstimmen auf sich vereinen würde, war dann doch erstaunlich. Doch dass Folklore zumindest in den Augen der Macher der Sendung einen enormen Stellenwert in der Schweizer Musiklandschaft geniesst, war am Sonntag Abend bald klar. Die Schätzung, dass rund zwei Drittel der vorgestellten Acts, Songs und Formationen aus dieser Ecke kam, mag subjektiv und hoch gegriffen sein. Dass bisher aber weder Künstler wie DJ Tatana, Megaseller DJ Antoine, Famara, Open Season oder Fusion Squaregarden je überhaupt auch nur erwähnt wurden, ist ein unumstösslicher Fakt. Wo hätte sich die multikulturelle Schweiz besser präsentieren lassen, als in der Sendung unter dem Motto „Heimat“? Oder wie's Büne Huber ausdrückte: „Ich bin Patriot, ohne SVP zu wählen!“
Immerhin: Ansätze waren vorhanden – im Fall von Fabienne Louves, die ihre a) zeitgemässe, b) soulige und c) sexy Version der Nationalhymne zum Besten gab; sogar mit Hühnerhaut-Faktor. Nervös sei sie wohl gewesen, meinte die derzeit omnipräsente Luzernerin nach der Sendung. „Aber weil ich der Opener der Sendung war, nicht wegen der Hymne als solches.“ Und sie gestand freimütig: „Ich konnte vor dem Auftritt die erste Zeile auswendig – den Rest des Textes musste ich lernen. Aber im Voraus habe ich sicher zwanzig Leute in meinem Alter, und Ältere, gefragt – und sie konnten auch nicht mehr.“ Wie die Fussballer ... Hingegen nicht wirklich gelungen ist der Versuch, Fabienne und die beiden früheren Musicstar-Kandidaten Jesse Brown und Carmen Fenk ein Volksmusik-Medley zum Besten geben zu lassen – ausser man steht auf lüpfige, billige Skihüttenbeats, die Volksliedgut untermalen...
„Nur“ auf Platz zwei landeten Plüsch mit ihrem ebenso betitelten „Heimweh“-Hymne. „Die Platzierung ist toll, ich habe echt Freude“, sagte Frontman Ritschi nach der Show mit einem Strahlen auf dem Gesicht, „und ich mag Ruedi Rymann den Sieg wirklich gönnen!“ Allerdings war auch er der Meinung, die Sparte Volksmusik sei in der vierten Ausgabe von DgSH über Gebühr zum Zug gekommen: „Wohlgemerkt: Folklore gehört zur Schweiz. Aber wenigstens in den 'Hitboxen' hätte ich mir etwas mehr Vielfalt gewünscht. Wir haben in der Schweiz wirklich mehr zu bieten, als nur Schwyzerörgeli. Volksmusik gibt’s auch noch in anderer Form – finde ich!“ Und allein war er mit dieser Ansicht nicht: Bligg überraschte – und überzeugte – mit seinem Auftritt zusammen mit der Appenzeller Streichmusik Alder. Die Folklore-Formation interpretierte mit dem Rapper seinen Song „Volksmusig“ - in dem er sich unter anderem beschwert, dass HipHop trotz zehntausender verkaufter Alben kaum am Radio gespielt wird. Ein Problem, das mittlerweile auch die Ländler-Freunde kennen, will doch DRS1 den Ländler ab seiner Wellenlänge verbannen. „Ich kenne diese Diskussion nicht, aber ich weiss, dass Künstler wie Gimma, Greis, Breitbild oder auch ich gut in die Charts eingestiegen sind, am Radio aber nicht berücksichtigt werden.“ Und so kam es, dass der Auftritt des Zürcher Rappers in Lederjacke mit den Appenzeller Musikanten in Tracht, der einzige Moment war, in dem die ganze Breite schweizerischen Musikschaffens auf einer Bühne zusammengeführt wurde. „Das war natürlich die Idee hinter dem Ganzen: Wenn man mit Volksmusik jene Musik meint, die das Volk bewegt, dann gilt das ebenso für die Folklore, wie für den HipHop“, sagt Bligg.
Abräumer des Abends waren jedoch erwartungsgemäss Krokus – oder „Old-Krokus“, wie es im Sendungsablauf hiess: Die „Reunion“ der Krokus Ur-Formation mit Marc Storace, Chris von Rohr, Fernando von Arb und Fredy Steady. „Tokio Nights“, „Bedside Radio“ und „Heatstrokes“ packten die Altrocker in ein Medley – und heizten damit einmal mehr die Diskussion an, wer denn nun die beste Rockband der Schweiz sei. Denn im Gegensatz zu den Krokussen hatten sich Gotthard eine Woche davor darauf beschränkt, ihre Balladen zu geben – rocken mochten sie nicht. Zudem erhielten Krokus in DgSH einen Diamond Award für eine Million verkaufter Platten. Damit zogen sie mit Gotthard gleich...
Ach: Und zu guter Letzt sei hier auch noch das wöchentliche „Kommt Gölä oder kommt er nicht?“-Update geliefert: Dieses mal rief Moderator Sven Epiney – so schien es zumindest – den Büezer tatsächlich live daheim in der guten Stube an; um ihn zu überreden, in einer der beiden verbleibenden Sendungen seinen „Schwan“ zu spielen. Noch liess sich der rockende Büezer allerdings nicht erweichen. Wir sagen: Das ist gut so. Nicht weil wir Gölä nicht im SF sehen wollen. Aber weil es schön wäre, gäbe es wenigstens jemanden im Land, der nicht nach der Pfeife der Pf... äh – der Fernsehmacher im Leutschenbach tanzt!