DgSH 5: Ohrwurm von Gotthard?
Text: Ko:L
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Dass ausgerechnet Gotthards „Lift’U’up“ DER Ohrwurm der Schweizer Musikszene sein soll, darf redlich angezweifelt werden. Bei aller Liebe zu den wieder geborenen Rockern in den Mannen aus dem Tessin – offensichtlich hat in der fünften Ausgabe von „Die grössten Schweizer Hits“ DgSH vor allem die Fan-Mobilisierung funktioniert. Damit ist die Fragwürdigkeit des Titels, den das Schweizer Fernsehen nächsten Sonntag verleiht einmal mehr zementiert, wie überhaupt von Publikumsvotings… „Hätten wir gewonnen, hätten wir die Deutschland-Tour, die noch bis Weihnachten dauert, unterbrechen müssen“, flachste Gotthard-Frontmann Steve Lee nach der „Lovesongs“-Sendung noch. Nun müssen die Rocker ihre Tour womöglich doch noch unterbrechen.
Ansonsten war die fünfte Sendung die wohl unspektakulärste in der Sendereihe – und die Quote von über einer Million möglicherweise dem ansonsten flauen TV-Programm am Sonntag zu verdanken. Emotional wurde die Show, als Peter Reber von seinem alten Kopagnon aus Peter, Sue & Marc-Zeiten, Marc Dietrich, einen Diamond-Award für eine Million verkaufter Tonträger entgegennehmen durfte. Sichtlich gerührt bedankte sich Reber bei Publikum und Familie. Zuvor hatte er zusammen mit seiner 15-jährigen Tocher Nina ein Medley zum besten gegeben – und mit seinen Kompositionen eindrücklich bewiesen, dass der Geist von PSM nun in der Familie Reber weiterweht. Zumindest musikalisch…
Ansonsten waren es vor allem die Showacts, die am Sonntag Farbe ins Zürcher Maag-Areal brachte. Polo Hofer, Span und Ueli Schmezer interpretierten „Warum sit dir so truurig?“, „E Löu, e blöde Siech, e Glüngi une Sürmu“ sowie „Z’Eisi“ aus der Feder von Mani Matter. Wohl alle Zeitgenossen des womöglich grössten Berner Chansoniers – trotzdem stellte sich einmal mehr die Frage: Wo sind Matters „Enkel“? Denn junge Acts, die Matter interpretieren suchte man im Sendungskonzept vergebens. Stattdessen durften Luv ihren Radiohit „Schwümmer“ trällern und Sandee gab „Verchoufti mi Seel“. Überraschend und erfreulich energiegeladen präsentierte sich Betty Legler – als wollte sie ein für allemal unter Beweis stellen, welch grosse Musikerin die CH-Szene verloren hat, als sie sich weitgehend als Künstlerin zurückgezogen hat.
„Es ist unglaublich, wie viel gute Schweizer Musik es gibt“, stellte zwar Beni Turnherr in der SF-Plauderrunde einmal mehr klar. Doch – ebenso einmal mehr – vermochte die Redaktion nicht, diese Tatsache in die Sendung einfliessen zu lassen. Wohl kam mit Tatana endlich eine DJ zum Zug, DJ Antoine hingegen wurde gerademal ein einziges Mal namentlich erwähnt in der Sendung. Und Reggae oder Ska suchte man auch gestern vergebens… dafür zum x-ten mal Pepe Lienhard und die Bossbuebe…