DgSH – Das Finale
Text: Ko:L
Bilder:
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Fürs Finale hoben wir unsere Hintern doch noch aus den Sesseln, um nach Kreuzlingen zu fahren und nach knapp Stunden Sendung drei Minuten Mattscheibe bei Die grössten Schweizer Hits (DgSH) zu sehen. Die Sattelitenverbindung war kurz unterbrochen – das war aber dann auch schon der einzige Hanger in der Finalsendung. Abgesehen von den einmal mehr zu langen und zu ausführlichen Plauderstündchen und Rückblicken ins Schweizer TV-Archiv. Als kurz vor dem Ende der Sendung Rumpelstilz auf der Bühne standen, kam aber endgültig Stimmung auf; Hofer, Amman, Güdel, Schafer und Jungen wurden von einem stehenden Publikum zur Zugabe aufgefordert. Doch das der straffe Sendungsplan lies dies nicht zu – sodass zu später Stunde nur noch die geladenen Gäste in den Genuss einer Reunion-Jam-Show kamen.
Um es gleich vornweg zu nehmen: Musik erhielt im Finale von DgSH II deutlich mehr Gewicht und Sendezeit als in den Qualifikations-Sendungen. Aber so richtig interessant wurde es erst, als die Kameras ausgeschaltet und die Scheinwerfer erloschen waren. Da standen plötzlich Stilz wieder zusammen auf der Bühne – „z’erschte Mal syt dr Expo“ – wie Frontmann Polo Hofer in Hochform versicherte; und die Berner Oberländer Mundartrock-Urgesteine wurden von Michael von der Heide, Francine Jordi, Fabienne Louves und sogar Sven Epiney prominent und lautstark verstärkt. Weil sich die Youngsters kaum auf die Bühne trauten – Baschi etwa liess sich an der Party gar nicht mehr blicken – war es einmal mehr an den alten Mannen, den Abend zu retten und die Party zu schmeissen. Löbliche und musikalisch mindestens ebenso gehaltvolle Ausnahme war der Jam mit Marc Sway, Fabienne Louves, Dani Kandlbauer und Steve Lee am Drum!
Auch die grossen Sieger des Abends liessen sich nicht ans Mikro und Instrumente locken. Oesch’s die Dritten hatten zwar in der Show abgeräumt und feierten gut gelaunt einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere – aber die bedauernswerte Frontfrau Melanie war immer wieder damit beschäftigt, für Kameras der Regenbogenpresse zu posieren – und das obschon sie eigentlich krank war. „Das ist jetzt wie weg“, sagte sie überwältigt nachdem klar war, dass die Familienformation aus dem Berner Oberland vor Peter Reber und Gotthard abgeräumt und den Einzug in die Hall of Fame geschafft hatte. Eine „riesen Ehre“ sei es, jetzt neben Polo Hofer und Ruedi Rymann in diese Hall aufgenommen zu sein. „Im Vergleich mit anderen Preisen und Ehrungen ist dieser speziell, weil wir mit Pop- und Rockbands im gleichen Wettbewerb waren. Dass wir da gewinnen könnten, hätten wir uns nie träumen lassen!“, freute sich Melanie.
So musste auch Gotthard-Fronter Steve Lee neidlos anerkennen: „Jodel hat einen hohen Stellenwert in der Schweiz“, sagte er beim kurzen Talk zwischen Autogramm- und Foto-Jägerinnen. „Dass wir da als Rockband unter die ersten drei kommen, ist grossartig.“ Denn: „Auch wenn wir viel im Ausland unterwegs sind und dort noch vieles erreichen können und wollen: Es ist extrem wichtig und auch extrem schön zu wissen, dass wir in der Heimat eine so grosse und so treue Fangemeinde haben.“ Auch Peter Reber mochte Oesch’s den Dritten den Sieg gönnen, wie er versicherte: „Die Familie steht ganz am Anfang und haben noch viel vor sich – das ist grossartig!“ Als einen der Gründe für Oeschs Erfolg ortete er „Melanies sympathisches Wesen – und die sportliche Leistung ihres Jodels!“
So waren nach der dritten Ausgabe von DgSH eigentlich alle zufrieden. Doch die Unkenrufe nach weniger Blabla und mehr Inhalt in der Sendung werden nicht verhallen. Melanie Oesch mutmasste zwar: „Dass unser Lied gewonnen hat, ist mir ein Rätsel: Es ist relativ neu, hat keinen Text und man kann kaum mitsingen. Vielleicht ist es doch einfach die Musik, welche die Leute berührt.“ Das ist schön und gut und wahr; wir hätten genügend gute Musik in der Schweiz, um sechs abendfüllende TV-Kisten zu produzieren. Aber Quoten – das zeigt die Erfahrung auch – dürfte das kaum genügend bringen. Trotzdem müssen sich die Macher von DgSH Gedanken zum Konzept machen und sich überlegen, ob thematisch klar profilierte Sendungen nicht mehr Sinn machen würden, als Wischiwaschi-Einheitsbrei. Den grössten Schweizer Serien-Hit zu suchen - oder den grössten Schweizer Kino-Hit oder den grössten Schweizer Comedy-Hit – wäre ein Denkansatz, den man aufnehmen müsste. Denn es steht nirgends geschrieben, dass Filme oder Comedians nicht in die Hall of Fame einziehen könnten. Und Bands könnten immer noch als Unterhaltungs-Acts in diesen Sendungen auftreten. Denn seien wir ehrlich: Über weite Strecken sind sie bereits heute vor allem Staffage bei DgSH.