DgSH – Der Sofa-Report Teil 4
Text: Ko:L
Bilder: SF/Daniel Ammann
Warum ich überhaupt noch ans diesjährige DgSH-Finale wolle, fragte mich diese Woche jemand. Weil ich offenbar in den letzten drei Berichten kein gutes Haar an der Sendung gefunden hatte. Nun gut - „Top & Flop“ hiess es in der vierten Sendung. Und sie war irgendwie symptomatisch für die heurige Auflage des Schweizer TV-Gassenhauers. Hochs und Tiefs haben sich auch dieses Mal wacker abgelöst. Und genau hier liegt wohl definitiv der Hase vergraben: zu hohe Hochs wollen wir ja nicht beklagen – aber die Tiefs, sprich die Parts, in denen die Rede von allem anderen als von Musik war, waren zu tief. Was in der Startsendung 2006 und auch letztes Jahr noch das grosse Plus des Konzepts war – viel Musik und spannende Sidelines – wurde heuer mehr und mehr zum Rohrkrepierer. Die Sidelines wirkten bisweilen aufgewärmt, weil schon zig Mal gesehen und das Geplauder auf der Couch hatte mehr mit Sex und Peinlichkeiten zu tun als mit Musik.
Die Nominierten – von den Minstrels über Nöggi zu Gotthard und Sway mit Fabienne Louves – waren nichts anderes, als ein Sammelsurium von Songs, welche schlicht in keine der klassischen Kategorien passen. Den Co-Titel „Flops“ hat aber zumindest von den Nominierten keiner wirklich verdient, das sei hier der Fairness halber auch gesagt! Nach der Einspielung von Beni Turnheers Auftritt bei den Chippendales schwenkte die Sendung kurz in Richtung Comedy ab; Urs und Nadeschkin gaben ein paar flotte Klassiker zum Besten – und sorgen für mächtig Stimmung in der Bodenseearena in Kreuzlingen; ebenso mit ihrem zweiten, lautstarken, Auftritt nach Sendungsmitte...
Trotzdem: Wieder ein Rückblick auf 50 Jahre Quizsendungen am Staatsfernsehen zeigte: Dieses Jahr werden die grössten Schweizer Hits (DgSH) grosszügig interpretiert. Musik-Hits bilden nur eine Sparte von vielen Hits, TV- und andere Hits blasen den Marsch, die Musik ist nur noch Staffage. Tja – auch in der vierten Ausgabe nichts mehr neues. Immerhin machte Ines Torelli, die heute in Kanada lebt, der Sendung persönlich die Aufwartung und berichtete, wie das damals so mit dem Gigi von Arosa gelaufen war; zum Beispiel dass die Nummer einfach mal auf die Schnelle, quasi zwischen Tür und Angel, eingesungen wurde. Einmal mehr, muss man sagen – denn nicht selten, sind die ungeplanten Songs jene, die zu ganz grossen Nummern werden.
Highlight in Sachen zeitgenössischen Sounds war der Auftritt der Berner Oberländer Mundartpopper Plüsch. Eigentlich in einer künstlerischen Pause – Frontmann Ritschi wird sie für ein Solo-Album nutzen – gaben sie sich für DgSH die Ehre, und rissen mit „Heimweh“ prompt das Volk vom Hocker. Überhaupt waren die Berner in Sachen Showacts einmal mehr gut vertreten, Trauffer gastierte später noch in der Show. Peter, Sue und Marc kamen zwar nicht zum Auftritt, aber ihr Song „Io senza te“ kam mit einem holländischen Remake, das heuer auf Platz vier in den Niederlanden chartete, neben der Nominierung zusätzlich zu Ehren. Und Rumpelstilz besuchten die Sendung praktisch komplett – und gaben Auskunft darüber, wie es damals war, Pioniere zu sein, ohne sich dessen bewusst zu sein. Schifer Schafer meinte – bescheiden, wie die Herren heute sind – es wäre nicht ganz fair, wenn sie schon wieder in die Kränze kommen würden; schliesslich haben Hofer und Amman mit „Alperose“ schon gewonnen. Vielmehr portierte er gleich Bandmitglied Küre als Nachfolger von Bundesrat Samuel Schmid.
Marvin mit „28 Stories“ und Caroline Chevin mit „Whatever it takes“ hielten später das Newcomer-Fähnchen hoch und bewiesen, dass DgSH getrost in die Zukunft blicken darf – es werden neue grosse Hits kommen, selbstverständlich made in Switzerland! Besonders erfreulich: Auch wenn Mundart rockt – es muss nicht immer Mundart sein; auch Songs in Englisch fahren heute gut ein und laden zum Mitsummen ein. Am Ende waren es Gotthard die mit „Heaven“ vor „Io senza te“ von Peter, Sue und Marc sowie „Hemmigslos Liebe“ von Fabienne Louves und Marc Sway oben aus schwangen und sich fürs Finale vom 30. November qualifizierten.
Übrigens: Röbi Koller, Nick Hartmann und Sandra Studer präsentierten am Sonntag Abend zusammen mit Polo Hofer noch den Herz-Schmerz-Gassenhauer „Steets i Truure“. Einmal mehr die üblichen Verdächtigen im trauten Kreis. Ob Top oder Flop sei hier nicht beurteilt...